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König der Lüfte in Bedrängnis

APPENZELL. Ob und wie viele Adlerpaare heuer im Alpstein brüten, ist unklar. Der majestätische Greifvogel hat natürliche Konkurrenz, die ihn sogar mit Kot besudelt. Er stört sich aber vor allem an Wandervögeln und Gleitschirmpiloten.
Roman Hertler
Der junge Steinadler wartet gut gebettet im Horst, bis ihm seine Eltern Futter bringen. (Bild: Herbert Maeder)

Der junge Steinadler wartet gut gebettet im Horst, bis ihm seine Eltern Futter bringen. (Bild: Herbert Maeder)

APPENZELL. In Griffweite zeigt er sich in den Räumen der Jagd- und Fischereiverwaltung Appenzell Innerrhoden – in der ausgestopften Variante. «Der Steinadler ist im Appenzellerland – zumindest zum Beutefang – immer präsent», sagt Wildhüter und Jagdverwalter Alfred Moser. Wie viele Paare hier auch einen Horst belegen, lasse sich aber nicht mit Sicherheit sagen. «Die Zahl variiert in jeder Saison zwischen keinem und drei brütenden Paaren.»

Die Brutzeit hat begonnen

Zwischen Ende März und Anfang April ist die Balzzeit der Steinadler in der Nordostschweiz beendet. Mittlerweile dürften die Tiere also ihren Horst in den Felsnischen bezogen haben. Es kann durchaus sein, dass ein Adlerpaar erst nach Jahren wieder an einen Nistplatz zurückkehrt. Das alte Nest wird mit neuen Ästen aufgestockt und mit Tannenzweigen und anderen Materialien begrünt. Am frischen Grünzeug erkennt man, ob ein Horst besetzt ist. Wenn das Küken geschlüpft ist, ist das Geschmeiss, die weissen Kotspuren am Horst und darunter an der Felswand, ein weiteres Indiz für die Anwesenheit des grossen Vogels.

Ob in diesem Jahr im Alpstein gebrütet wird, ist nicht zu sagen. 2012 beobachtete Moser ein Adlerpaar, das im Gebiet um den Seealpsee nistete. Den genauen Standort des Horsts mag er aber nicht preisgeben. Würden die Vögel zu stark gestört, bestünde die Gefahr, dass das Elternpaar die Brut aufgäbe und ihrem Schicksal überliesse. Die Störung durch den Menschen sei auch der Grund, weshalb die Steinadler hier oft die Nistplätze wechseln und selten zwei Jahre hintereinander im selben Horst brüten, so Moser.

Murmeltiere und Falkenkot

Ihren Horstplatz wählen die Steinadler wenn möglich unterhalb der Baumgrenze. Denn je höher das Nest gelegen ist, desto höher hinauf muss die geschlagene Beute transportiert werden. Steinadler belegen ihren Horst nur zur Brut und Aufzucht der Jungtiere. Ansonsten kreisen sie durch ihr Territorium und nächtigen auf Bäumen und in Felsnischen. Das Jagdrevier eines Adlerpaares beträgt ungefähr 100 Quadratkilometer. Die Grösse variiert aber je nach Nahrungsangebot und Konkurrenzsituation.

Zum Beuteschema des alpinen Steinadlers zählen in erster Linie Murmeltiere, Mäuse und Aas, selten kleine Gemsen oder Rehkitze. Die Nahrungskonkurrenz ist gross: Turm- oder Rüttelfalken, Bergdohlen und Kolkraben machen dem Adler die Beute streitig. «Es kann auch vorkommen, dass eine Meute von Falken über einem Adler kreist, um ihm mit ihrem Kot die Flügel zu beschweren. Dies kann einen Adler zur Erschöpfung treiben», berichtet Wildhüter Alfred Moser.

Verdrängter Sündenbock

Ein grösseres Problem für den Adler sei aber der Mensch, sagt Moser. Der grosse Wander- und vor allem der Gleitschirmflug-Betrieb im Alpstein verdrängen den König der Alpen in ruhigere Brutgebiete.

Für Menschen stelle der Adler keine Gefahr dar. «Eine besorgte Mutter hat mich einmal angerufen und sich erkundigt, ob sie den Kinderwagen unbeaufsichtigt im Garten stehen lassen könne», erzählt Moser. «Ich konnte sie aber beruhigen. Der Kinder stehlende Adler gehört ins Reich der Schauermärchen.» Für Schafhalter sei der Vogel eher ein Thema. Es könne schon sein, dass dann und wann ein Lamm gerissen werde. Dies sei im Einzelfall aber schwer zu prüfen, so Moser, denn der Adler nimmt seine Beute oft mit. Wenn dem Schafzüchter im Herbst ein paar Tiere fehlen, müsse der Adler deshalb häufig als Sündenbock hinhalten. Der Wolf könnte den Adler in dieser Rolle dereinst ablösen.

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