Im Appenzellerland gibt es Knatsch um den Kehricht

In der Abfallregion St. Gallen-Appenzell werden per 1. Januar 2019 die Kehrichttouren neu organisiert. Daran haben nicht alle Freude.

Karin Erni
Drucken
Teilen
Die Fahrzeuge der Appenzeller Entsorgungsfirma Thoma werden künftig auch in Teufen im Einsatz sein. (Bild: Karin Erni)

Die Fahrzeuge der Appenzeller Entsorgungsfirma Thoma werden künftig auch in Teufen im Einsatz sein. (Bild: Karin Erni)

«Es trifft immer Menschen», sagt Paul Grunder. Der Holzbauunternehmer aus Teufen stört sich daran, dass die Trogner Transportfirma Bänziger, die 28 Jahre für die Abfallentsorgung in seiner Gemeinde zuständig war, diesen Auftrag verloren hat.

Neu wird die Appenzeller Entsorgungsfirma Thoma in Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Abfallentsorgung Bazenheid (ZAB) die Abfuhr durchführen. «Drei Leute stehen dann wohl auf der Strasse.» Damit spare man zwar Kosten, dafür fielen sie der Arbeitslosenkasse zur Last. Früher habe jede Gemeinde und jede Firma solche Leute beschäftigt, beklagt Grunder. «Der soziale Gedanke ist völlig abhanden gekommen.» Der ehemalige Kantons- und Gemeinderat sagt, er hätte auch erwartet, dass die Verantwortlichen der A-Region der zahlenden Bevölkerung mitteilen, dass die Verträge mit den Transportunternehmen neu ausgehandelt, respektiv deren Preise gedrückt wurden. Dem entgegnet Thomas Huber, Geschäftsstellenleiter A-Region: «Die Transportaufträge werden in der Regel alle acht Jahre neu ausgeschrieben.» Vor der Neuausschreibung im Jahr 2017 sei das Gebiet von bisher sechs auf neu vier Teilgebiete aufgeteilt worden. Künftig würden in jedem Gebiet zwei Hauptfahrzeuge und ein Ersatzfahrzeug zum Einsatz kommen. Dadurch würden die Kehrichtfahrzeuge besser ausgelastet, denn sie können so während einer Woche jeden Tag eingesetzt werden. Gleichzeitig werde die Entsorgungssicherheit erhöht, da auch über Losgrenzen hinaus ausgeholfen werden könne.

A-Region: Keine Preise gedrückt

Dass die Preise gedrückt wurden, will Thomas Huber nicht gelten lassen. «Die Kehrichtverträge sind aufgrund der Vertragssumme im Rahmen eines öffentlichen Submissionsverfahrens vergeben worden. In vorliegenden Fall haben wir auch die Referenzen und die eingesetzten Fahrzeuge mitbewertet.» Das will Stefan Bänziger von der gleichnamigen Transportfirma nicht generell in Abrede stellen. «Unsere Referenzen waren aber sehr gut und die langjährigen Mitarbeiter bei der Bevölkerung beliebt.» Beim Fahrzeug habe es sich um ein relativ neues, der Euro-6-Norm entsprechendes mit Hybridaufbau gehandelt. «Das legt nahe, dass der Preis stark gewichtet worden ist.» Das Fahrzeug ist bereits verkauft. Den Chauffeur könnten sie voraussichtlich weiterbeschäftigen, so Bänziger. «Die beiden Belader müssen wir leider entlassen.»