KLOTEN/MOSNANG: Jüngste je gewählte Präsidentin

2011 verliess Irina Bannwart das Toggenburg, um nach Kloten zu ziehen. Im Zürcher Unterland arbeitet die in Mosnang Aufgewachsene als Logopädin. Am 10. Mai wurde sie Gemeinderatspräsidentin und leitet nun das Parlament.

Martina Signer
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Irina Bannwart im Stadthaus. Sie wurde mit der Wahl zur Gemeinderatspräsidentin zur höchsten Klotnerin. (Bild: Martina Signer)

Irina Bannwart im Stadthaus. Sie wurde mit der Wahl zur Gemeinderatspräsidentin zur höchsten Klotnerin. (Bild: Martina Signer)

KLOTEN/MOSNANG. In Kloten gibt es keine Bürgerversammlungen, wie man das im Toggenburg kennt. In der grössten Stadt im Zürcher Unterland entscheidet der Gemeinderat als Parlament mit 32 Ratsmitgliedern über Rechnung, Budget und über weitere Geschäfte, welche keinen Urnengang erfordern. 2014 wurde Irina Bannwart, die in Mosnang aufgewachsen ist und deren Herz nach wie vor für das Toggenburg schlägt, in diesen Rat gewählt – und sie wurde direkt zweite Vizepräsidentin. «Die CVP war im Mai 2014 an der Reihe, den zweiten Vizepräsidenten zu stellen», sagt Irina Bannwart, die ihre steile politische Karriere in Kloten fast schon als «Polit-Märchen» bezeichnet. Mit einem solch raschen Aufstieg hätte sie nicht gerechnet. Im letzten Jahr folgte die Wahl zur ersten Vizepräsidentin und seit dem 10. Mai präsidiert Irina Bannwart den Gemeinderat, was sie zur höchsten Klotnerin macht. Ebenfalls ist sie die Jüngste je gewählte Gemeinderatspräsidentin der Flughafenstadt. «Unser Parlament ist ein sehr junges. Wir sind im Durchschnitt etwa 40 Jahre alt. Darauf bin ich stolz.» Denn es ist Irina Bannwarts erklärtes Ziel, die Jugend in der Politik mehr zu fördern. Den Jugendlichen schon früh deutlich zu machen, dass man sich auch schon in jungen Jahren politisch engagieren und damit erfolgreich sein kann. Und wer wäre da ein besseres Vorbild als Bannwart?

Seit Mosnang politisch pausiert

Irina Bannwarts politische Ambitionen kommen nicht von ungefähr. Auch wenn die junge Logopädin, die vor fünf Jahren wegen eines Job-Angebots nach Kloten gezogen war, eigentlich nicht wieder vorhatte, in der knapp 19 000 Einwohner zählenden Stadt politisch aktiv zu werden. Seit dem Wegzug aus dem Toggenburg, um in Rorschach zu studieren, hatte sie politisch pausiert. Sie hat sich aber schon im jugendlichen Alter für Politik interessiert und engagiert. In Mosnang war sie eine der Mitbegründerinnen der JCVP Toggenburg, dies zusammen mit Pius Bürge. Zudem war sie eine Zeitlang im kantonalen Vorstand der JCVP St. Gallen. Dieses Engagement kam per Zufall am traditionellen Seifenkistenrennen in der Flughafenstadt zur Sprache. «Das hat mich an mein Zuhause erinnert. In Mosnang habe ich als Kind gerne am Seifenkistenrennen teilgenommen.» Kaum hatte die Nachricht die Runde gemacht, dass Irina Bannwart CVP-Politikerin ist, kam prompt die Anfrage der christlich-demokratischen Ortspartei von Kloten, ob sie sich bei ihnen politisch wieder engagieren wolle. Mittlerweile ist sie Co-Präsidentin der CVP Ortspartei.

Vom Nettenberg nach Egetswil

Obwohl die mit einem Swiss-Piloten liierte Toggenburgerin politisch und beruflich eingespannt ist, vergisst sie ihre Wurzeln nicht. Im Gegenteil: «Ich verfolge nach wie vor, was im Toggenburg los ist.» Zudem besucht sie wenn möglich das Thurtal zwei bis drei Mal pro Monat. Dass ihr das Toggenburg und Mosnang nach wie vor lieb sind, merkt man im Gespräch. Immer wieder erinnert sich Irina Bannwart zurück an die Zeiten im Dorf. Sogar ihr Wohnort in einem Aussenweiler von Kloten, in Egetswil, lässt sich beinahe mit Mosnang vergleichen. Die schöne Aussicht, ruhige Lage und der dörflicher Charakter erinnern stark an den Dorfteil Nettenberg, in dem sie aufgewachsen ist. Genau richtig, um das Heimweh nicht allzu stark aufkommen zu lassen. Und für das Fernweh, das sie auch immer wieder packt, hat Kloten ja den Flughafen. ? INTERVIEW SEITE 41