Kantischülerin aus Trogen erklärt den Klimawandel kindgerecht

Alina Loacker hat für ihre Maturaarbeit Primarschulkinder über das «weltweit grösste Problem» unterrichtet.

Nadine Küng
Hören
Drucken
Teilen
Alina Loacker, Schülerin der Kantonsschule Trogen, ist in der Klimagruppe AR tätig.

Alina Loacker, Schülerin der Kantonsschule Trogen, ist in der Klimagruppe AR tätig.

Bild: Nadine Küng

«Der Klimawandel ist aktuell das weltweit grösste Problem», sagt Alina Loacker aus Speicher. Naheliegend, dass die Schülerin der Kantonsschule Trogen ihn zum Thema ihrer Maturaarbeit machte. «Klimawandel für Primarschüler: Wie man Kindern die Zukunft erklärt», lautet der Titel ihrer Arbeit. Damit möchte sie Kinder frühzeitig auf die Problematik sensibilisieren.

Der erste Schritt zur Veränderung bestehe darin, das Thema besser zu verstehen, schreibt Loacker in ihrer Arbeit. Sie hat deshalb Unterrichtseinheiten erstellt, um Kinder über den Klimawandel zu informieren und zu zeigen, was sie in ihrem Alltag tun können, um umweltbewusster zu leben. «Es sind kleine Gewohnheitsänderungen, die viel bewirken können. Zum Beispiel, Gegenstände möglichst lange zu benutzen oder auf regionale Produkte zu setzen.» Für die Kinder kann das auch bedeuten, die Eltern damit zu konfrontieren. Diese Lerninhalte brachte die 17-Jährige in einer Unterrichtsanleitung zu Papier. «Ich wollte meine Zeit nicht für eine Maturaarbeit aufwenden, die einmal gelesen und danach vergessen wird, sondern ein Projekt machen, das etwas bewirken kann», sagt Loacker.

Offen informieren, aber nicht zu negativ

Ihre Unterrichtsanleitung darf die Schülerin an Mitglieder der Klimagruppe AR weitergeben. Sie beinhaltet Hintergrundwissen und einen Zeitplan für die Lehrer, für die Kinder sind Vereinfachungen und verschiedene Aufgaben dabei. Drei fünfte Klassen im Appenzellerland hat Loacker während jeweils zwei Lektionen selbst unterrichtet. «Am wichtigsten ist mir, dass ich die Problematik des Klimawandels ehrlich vermitteln kann», so Loacker. Trotz der Ernsthaftigkeit des Themas soll der Unterricht ein positives Erlebnis sein. Eine Art Belohnung, wie ein Spiel oder ein Video, gehöre deshalb zur Lernstoffvermittlung dazu. Die 17-Jährige möchte das Bewusstsein der Kinder schärfen, Angst soll ihnen der Klimawandel aber nicht machen.

Das Unterrichten sei eine besondere Erfahrung gewesen. Der Wissensstand war am Anfang jeweils sehr unterschiedlich. Es würde Loacker interessieren, wie dies vor der Klimabewegung gewesen wäre. «Die Kinder waren sehr berührt. Ein Schüler sagte, dass er nicht gerne über den Klimawandel nachdenke, weil er keine Lösung sehe. Ich war im Dilemma», sagt Loacker. Die Lösung konnte sie dem Knaben nicht liefern, trotzdem wollte sie zeigen, dass wegschauen nichts bringt. Ein weiterer Moment hat sie beeindruckt: «Ich sprach davon, wie sich die Erde bis 2050 verändern wird. Auf einmal schienen die Kinder zu verstehen, wie sehr es sie betrifft.»

Loacker war überrascht und erfreut über die Offenheit, mit welcher die Kinder dem Thema begegneten. «Erwachsene haben meist eine vorgefertigte Meinung. Mit ihnen muss man Grundsatzdiskussionen führen», so Loacker. Über das Thema an sich zu sprechen, sei schwieriger.

Engagement für eine bessere Zukunft

Die Maturaarbeit ist nur ein Teil von Loackers Engagement für eine bessere Zukunft der Erde. «Natürlich achte ich selber darauf, umweltbewusst zu leben, indem ich mich zum Beispiel fleischfrei ernähre», sagt die Klimaaktivistin. Sie gehört der Klimagruppe AR an und übernimmt dort regelmässig Aufgaben. Momentan plant die Gruppe einen Infoabend für die Öffentlichkeit. Ausserdem nimmt die Schülerin an Klima-Demonstrationen teil.

Themenvielfalt an Maturaarbeitspräsentation

Für Loacker ist klar, dass der Klimawandel in ihrem Berufsalltag eine Rolle spielen wird: «Ich würde mir eine sensibilisiertere Gesellschaft wünschen.» Darum möchte sie in irgendeiner Form zu einem besseren Umweltbewusstsein beitragen – «ob mit Schulungen für Unternehmen oder, falls es den Beruf irgendwann gibt, als Nachhaltigkeitslehrerin.»

Heute Abend präsentiert Alina Loacker ihre Arbeit. Alle Schüler der Abschlussklassen der Kantonsschule Trogen stellen ihre Maturaarbeiten heute und morgen vor. Die Vorträge sind öffentlich. Loacker ist froh, dass die Schule keine Vorschriften bezüglich der Themenwahl machte. So sei eine bunte Mischung aus kulturellen, wissenschaftlichen und politischen Arbeiten entstanden. «Diese Vielfalt finde ich sehr wertvoll.»