Klimagerechtigkeit
«Gopfridstutz, jetzt Klimaschutz!»: Wie der Herisauer Obstmarkt zu einem Schauplatz des globalen Klimastreiks wurde

Nach der Coronazwangspause meldet sich der Klimastreik zurück: Weltweit wird dieses Wochenende gegen die Klimaerwärmung demonstriert. Herisau ist eine von acht Schweizer Ortschaften, in denen auf die Dringlichkeit der Klimakrise aufmerksam gemacht wird.

Mea McGhee
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Vom Herisauer Obstmarkt aus zogen die rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Klimademonstration durch Herisau.

Vom Herisauer Obstmarkt aus zogen die rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Klimademonstration durch Herisau.

Bild: Mea McGhee

Blockierter Hafen von Dover, Greta Thunberg in Berlin, 4000 Demonstranten in Zürich, kleiner, aber lauter Klimastreik in Herisau: Am Freitagabend folgen rund 70 Personen dem Aufruf der Klimagruppen Appenzell Ausserrhoden und St.Gallen und nehmen an der zweiten Klimademonstration in Herisau teil. Diese ist Teil des achten globalen Streiktags von Fridays for Future, der Aktionen in rund 80 Ländern umfasst.

In Herisau wurde am Freitag für das Klima demonstriert. 
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Lautstark machen die Demonstrierenden auf die Klimakrise aufmerksam.

Video: Mea McGhee

Nebst Herisau wird dieses Wochenende in sieben weiteren Ortschaften der Schweiz auf die Klimakrise aufmerksam gemacht. «Wir müssen das Thema aufs Land holen», sagt Mitorganisatorin Leva Sidler aus Speicher. Die Klimagruppe AR zählt 71 Mitglieder unterschiedlichen Alters. «Wir sind mehr als eine Klimajugend, wir sind eine Bewegung, die alle betrifft», so die Schülerin der Kantonsschule Trogen. Hier hatte die Klimagruppe AR ihren Ursprung.

Auch Kinder mit Transparenten dabei

Die weiteste Anreise haben zwei Teilnehmende aus der Nähe von Kreuzlingen, die Jüngsten, Nadio (5), Katja (8) und Rahel (11) kommen mit einer grösseren Gruppe aus Stein. «Die Klimakrise ist oft ein Thema in unserer Familie», nennt die Mutter den Grund für die Teilnahme am Klimastreik. «Zukunft geht uns alle an!» hat die älteste Tochter auf einen Karton geschrieben, den sie mitträgt. «Eco statt Ego!», «Act as if your house is on fire. Because it is!» oder «Oma, was ist ein Schneemann?» ist auf anderen Transparenten zu lesen.

Nadio (5), Katja (8) und Rahel (11) aus Stein, begleitet durch die Mutter, sind die jüngsten Teilnehmenden.

Nadio (5), Katja (8) und Rahel (11) aus Stein, begleitet durch die Mutter, sind die jüngsten Teilnehmenden.

Bild: Mea McGhee

«Wir werden für unsere Welt einstehen, wir werden nicht aufhören und nicht verstummen», spricht Leandra Breu aus St. Gallen auf dem Obstmarkt. Von dort aus ziehen die Demonstrantinnen und Demonstranten, begleitet von einer Handvoll Polizisten, durch Herisaus Strassen.

Es sind viele Transparente auszumachen.

Es sind viele Transparente auszumachen.

Bild: Mea McGhee

Mit Megafonen skandieren die Organisatorinnen «Wem sini Zuekunft?», worauf das vielstimmige Echo «üsi Zuekunft» oder «Gopfridstutz, jetzt Klimaschutz» ertönt. Durch den Lärm aufmerksam geworden, sind in Fenstern und auf Balkonen viele Zaungäste auszumachen. Einige wenige folgen wohl auch dem Aufruf «Mitspazieren, solidarisieren», denn als die Gruppe nach rund einer halben Stunde wieder auf dem Obstmarkt ankommt, sind einige neue Gesichter auszumachen. Ein Aktivist macht darauf in einer Rede auf die Gletscherinitiative aufmerksam und es werden Aufkleber der Klimagruppe Appenzell Ausserrhoden verteilt.

Mitorganisatorin Leva Sidler trägt auf dem Obstmarkt einen Poetry-Slam-Beitrag vor.

Mitorganisatorin Leva Sidler trägt auf dem Obstmarkt einen Poetry-Slam-Beitrag vor.

Bild: Mea McGhee

Mitorganisatorin Leva Sidler regt mit ihrem Poetry-Slam-Beitrag zum Nachdenken an: «Klimakrise, ich sehe dich, ich sehe deine Bedrohung. Ich sehe, jetzt muss ganz schnell etwas passieren!» Zwischendurch gibt es immer wieder Applaus für ihre Worte. Obwohl nicht die grossen Masse am Klimastreik in Herisau teilgenommen hat, zieht Leandra Breu ein positives Fazit. «Wenn wir nur jemanden überzeugen konnten, dann hat es sich schon gelohnt.»

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