Kleines Investment mit grosser Chance

Redaktionelle Stellungnahme zur Abstimmung über die Initiative «30 Minuten Gratisparkieren» in Herisau

Astrid Zysset
Drucken
Teilen
Am Sonntag entscheidet die Stimmbevölkerung, ob im Zentrum Herisaus künftig eine halbe Stunde gratis parkiert werden darf. (Bild: ASZ)

Am Sonntag entscheidet die Stimmbevölkerung, ob im Zentrum Herisaus künftig eine halbe Stunde gratis parkiert werden darf. (Bild: ASZ)

Kommenden Sonntag wird in Herisau über die Initiative zum 30-minütigen Gratisparkieren abgestimmt. Auf der Pro-Seite stehen SVP und das Gewerbe, die sich eine Stärkung des Einkaufsstandortes erhoffen. Auf der Contra-Seite steht – nebst der SP – in erster Linie der Gemeinderat. Er befürchtet unter anderem ein Chaos, da die Übersichtlichkeit bei den Parktarifen nicht mehr gegeben sei. Zudem gebe es Mindereinnahmen von 60000 Franken und die Aufenthaltsqualität im Zentrum sinke, da mehr Suchverkehr entsteht. Es ist nun die Frage, was höher gewichtet wird: Die Hoffnung, durch einen Anreiz mehr Kundinnen und Kunden nach Herisau zu locken, oder Befürchtungen, Parkeinnahmen könnten ausbleiben oder das Zentrum unattraktiv werden.

Die Hintergründe der Initiative sind simpel: Das Gewerbe steht unter Druck. Verändertes Konsumverhalten und der blühende Onlinehandel haben in den letzten Jahren zahlreichen Detaillisten zugesetzt. Sie sehen sich im Zugzwang, wenn sie nicht weitere Einbussen riskieren wollen. Die Annahme der Initiative würde dem Gewerbe demonstrieren, dass das Dorf hinter diesem steht, wie auch seine Anliegen unterstützt. Zudem wird Herisau per se attraktiver. Gratisparkieren gilt als ein Teilchen eines ganzen Puzzles, das im Endeffekt einen funktionierenden Einkaufsstandort ausmacht. Aber ohne dieses Teilchen wird ein harmonisches Gesamtbild nie entstehen. Nachbargemeinden wie Flawil und Gossau haben das längst erkannt und das Gratisparkieren eingeführt. Die positive Wirkung auf das einheimische Gewerbe sehen die dortigen Gewerbevereine als gegeben. Mehr noch: Sie würden das halbstündige Gratisparkieren nicht missen wollen. Die Gegenargumente des Herisauer Gemeinderates fallen da verhältnismässig gering ins Gewicht: Die Mindereinnahmen kann der Finanzhaushalt verkraften, die Aufenthaltsqualität im Zentrum ist auch heute nicht gegeben und vom Suchverkehr sind die Autofahrer ohnehin schon in jeder Gemeinde und Stadt betroffen.

Herisau würde gut daran tun, das Volksbegehren umzusetzen. Es ist eine verhältnismässig geringfügige Massnahme, die Wirkung respektive die Chance aber könnte gross sein. Wie viele Detaillisten genau davon profitieren würden, weiss niemand. Einer dürfte aber schon reichen, um das Gratisparkieren als Erfolg verbuchen zu können. Angesichts des in der Gemeinde vielseits beklagten Lädelisterbens wäre es beinahe grotesk, eine gewerbeunterstützende Massnahme bachab zu schicken. Vor allem eine, die als Einsatz lediglich eine halbe Stunde Parkzeit auf gerade einmal 500 öffentlichen Parkplätzen im Zentrum aufweist. Kurz zusammengefasst: Das Investment bei der Annahme der Initiative ist gering, der mögliche Output gross. So gesehen, dürfte die Antwort auf die eingangs gestellte Frage, was höher gewichtet werden soll, klar auf der Hand liegen.