Klein, aber fein

Obwohl oft als eigenes Dorf wahrgenommen, ist die Speicherschwendi Teil der Gemeinde Speicher. Sprachrohr der Schwendliger ist der Einwohnerverein.

Susanna Schoch
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Speicherschwendi. Appenzellisch ist die Ortschaft zwischen Speicher, St. Gallen und Rehetobel nicht nur wegen ihrer Kantonszugehörigkeit. Mit rund 680 Einwohnern und zwei Quadratkilometern Fläche ist die Speicherschwendi wohl klein, aber fein. Nahe der Stadt und doch im Appenzellerland gelegen, ist sie eine Mischung zwischen geschäftiger Metropole und geruhsamem Landleben. Sie ist eingebettet in Hügel und Wald, gewährt auf rund 750 Metern über Meer dennoch einen Ausblick auf den Bodensee. Die geologischen Umstände zeichnen den Dorfteil aus, machen ihn zu etwas eigenem.

Von «oben» und «unten»

Durch Wälder wird die Speicherschwendi nicht nur von den umliegenden Ortschaften getrennt, sondern auch vom zweiten Dorfteil: «Oben» die Speicherer, «unten» die Schwendliger. Die Gemeinde führt die beiden Teile zusammen. So sind die Schwendliger mit zwei Sitzen im Gemeinderat und mit einem weiteren in der Parteipräsidentenkonferenz vertreten.

Letztere besteht aus sieben Fraktionen: Aus dem Handwerker- und Gewerbeverein, dem landwirtschaftlichen Verein, aus der FDP, der SP, der SVP, einer weiteren politischen Sektion namens Standpunkt und schliesslich aus dem Einwohnerverein Speicherschwendi.

Der Einwohnerverein (EWV) Speicherschwendi ist politisch und konfessionell neutral. Er ist das Sprachrohr der Schwendligerinnen und Schwendliger; durch Präsidentin Yvonne Schmid erhalten sie eine Stimme.

Aus Lesegesellschaft entstanden

Der Einwohnerverein Speicherschwendi existiert seit über hundert Jahren, gegründet wurde er einst in Form einer Lesegesellschaft. Als mit der Zeit deren Bestimmung verloren ging, der Verband aber weiterhin bestehen wollte, wurde nach einem neuen Namen gesucht – der Einwohnerverein war entstanden. Inzwischen zählt er rund 160 Mitglieder, darunter die neun Angehörigen des Vorstands.

Drei bis vier Sitzungen im Jahr genügen, um anfallende Anliegen zu besprechen und die alljährlichen Anlässe zu organisieren. Da wären im Frühling die Hauptversammlung und eine Veranstaltung wie die diesjährige Führung durch den Botanischen Garten in St. Gallen, das Sommerfest, das der Verein zusammen mit der Organisation Omnibus durchführt, im Herbst ein weiterer Anlass wie heuer die Betriebsbesichtigung der Firma Möhl und der Neujahrsapéro für die gesamte Gemeinde.

Das Engagement reicht aber weiter. So sind in den Statuten von 1981 Sinn und Zweck des Einwohnervereins festgehalten: «Vertretung der Interessen der Einwohnerschaft von Speicherschwendi gegenüber Behörden und Dritten, Förderung der Gemeinschaft, Hinwirken auf ein organisches und ästhetisches Wachstum des Dorfteils, Förderung gemeinnütziger Bestrebungen.»

Erhaltung von Lebensqualität

Als Präsidentin ist Yvonne Schmid Ansprechperson. Wenn die Schwendliger beispielsweise unzufrieden mit den Postautoverbindungen sind, nimmt sie deren Anliegen entgegen, verschafft ihnen Gehör. Wie in den Statuten zu lesen ist, setzt sich der EWV auch für das «Wachstum des Dorfteils» ein. Da die Speicherschwendi so nahe der Stadt liegt und sich die Einwohner dementsprechend orientieren, ist dies kein leichtes Unterfangen.

Dennoch besitzt die Ortschaft unter anderem einen Kindergarten, eine Primarschule, eine Poststelle, eine Arzt- und Zahnarztpraxis, zwei Restaurants, eine Schreinerei, eine Spenglerei, ein Übersetzungsbüro und den Schwendiladä, ein Lebensmittelgeschäft. Besonders für die Erhaltung des Letzteren setzt sich der Einwohnerverein ein.

Yvonne Schmid ist sicher: «Wenn jeder einmal pro Woche dort einkauft, kann der Laden weiterbestehen – und damit ein Stück Lebensqualität.»

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