Klassischer Sport im Freizeitbereich

Bei den Regionalmeisterschaften und dem Ostschweizer Cup im liechtensteinischen Steg haben auch die Toggenburger Langläufer die Starterfelder nicht entscheidend vergrössert. Die Speerler gehörten mit sieben Läufern und zwei Dreier-Staffeln zu den grösseren Clubs.

Urs Huwyler
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Reto Hänni gehört zu den leistungsstarken Vertretern.

Reto Hänni gehört zu den leistungsstarken Vertretern.

LANGLAUF. Der Langlaufsport boomt. Nicht nur, weil die Schweiz mit dem Bündner Dario Cologna über einen Weltklasse-Athleten verfügt und die Rennen dank Formaten wie «Massenstart» oder «Verfolgung» äusserst spannend sein können. Der minimale zeitliche Aufwand, die vergleichsweise tieferen Kosten und die Möglichkeit, vor der eigenen Haustüre in freier Natur etwas für die Gesundheit zu tun, locken immer mehr Freizeitsportler in die Loipen. Die Regionalmeisterschaften in Steg/FL erweckten einen andern Eindruck. Wenn vier Verbände (Ostschweiz, Sarganserland+Walensee, Zürich, Fürstentum Liechtenstein) Rennen mit Einzelstart gemeinsam austragen, müssten, so die Vermutung, die Organisatoren an ihre Grenzen stossen. Doch in zwölf Kategorien wurden insgesamt «nur» 106 Kinder, Jugendliche, Männer und Frauen klassiert. «Klassisch sind erfahrungsgemäss weniger Teilnehmer dabei», weiss Reto Hänni vom SC Speer Ebnat-Kappel. Die Speerler gehörten mit sieben Läufern und zwei Dreier-Staffeln zu den grösseren Clubs. Auch die Altersstruktur passte beim SC Speer. Ihr Jüngster wurde 2005 geboren, die ältesten Loipenflitzer 1962. «Langlauf ist als Wettkampfsport trainingsintensiv. Diesen Aufwand wollen viele nicht mehr betreiben», hat Dauerläufer Hänni festgestellt.

Servicemann Klee

In Steg stiessen beim anspruchsvollen Streckenprofil die Routiniers und Kaderleute ebenfalls an ihre Grenzen. Die Plazierung war eine Sache, die gegenseitige Unterstützung eine andere. Andrin Fässler (2005/2.), Jan Fässler (2003/7.) und Rico Jäggi (2004/13.) durften auf die Wachskünste der Clubkollegen vertrauen. So kümmerte sich U18-Europameister Beda Klee mit Vater Rolf um die schmalen Latten des Nachwuchses. Nach ihrem Einsatz standen die drei Jungs an der Strecke, feuerten Adriana Klee (1998/7.), Reto Hänni (1962/5.), Christian Jäggi (1967/14.) und «Pläuschler» Rolf Klee (1962/3.) mit ihrem Servicemann Beda Klee an. Dieser verzichte am ersten Tag auf Anraten seines Trainers auf das Rennen, absolvierte ein Ausdauertraining und erreichte 24 Stunden später in der Staffel (3.) hinter dem fünf Jahre älteren Olympia-Teilnehmer Philipp Hälg (Rang 43 in Sotschi) die zweitschnellste Zeit. Sieben Sekunden trennten die Teamleader. Beda Klee, der am kommenden Wochenende mit Swiss Ski beim Continental-Cup (Stufe Europacup) in Oberwiesenthal (De) startet, gewann zusammen mit Fadri Steiner (1982) und Armin Grob (1962) Bronze. Remy Lehmann (1997), Reto Hänni (1962) und Christoph Appius (1962) liefen auf Platz acht. Aus dem Tal der Churfirsten verpasste zudem Manuel Lusti (2000/6.) vom SSC Toggenburg das Podest um rund eine Minute. Zusammen mit Lukas Huber (1999) und Konuk Mahir (2002) bildete der Sohn von Präsident Martin Lusti eine Staffel (3.).

Eine andere Art von Wettkampf

«Das Toggenburg ist seit jeher keine Langlauf-Hochburg. Im Zentrum stehen die Alpinen», weiss Reto Hänni, fügt jedoch an, bei den Jüngsten sei der Zulauf gross. «Das Problem entsteht im Juniorenalter. Teilweise fehlt dann der Erfolg oder andere Freizeitaktivitäten rücken ins Zentrum.» Seltsamerweise boomen Volksläufe wie der Engadiner. Auch dort geht es um Rang und Zeit. «Es ist», so Reto Hänni, «als Breitensportanlass eine andere Art von Wettkampf. Kleinere Veranstalter haben allgemein Mühe mit den Teilnehmerzahlen, die grossen nicht.» Daran werde sich mittelfristig kaum etwas ändern. «Talente wie Beda Klee, die als Leistungssportler vorwärtskommen möchten, werden selten.» Eine Erkenntnis, die quer durch alle nicht im Rampenlicht stehenden Sportarten von der «Ü50-Generation» gezogen wird.

Beda Klee kümmert sich um den Nachwuchs Jan Fässler (links), Andrin Fässler und Rico Jäggi (rechts). (Bilder: Urs Huwyler)

Beda Klee kümmert sich um den Nachwuchs Jan Fässler (links), Andrin Fässler und Rico Jäggi (rechts). (Bilder: Urs Huwyler)