Klapperschlange verhindert Gold

Der Wildhauser Karl Alpiger gewann vor 26 Jahren in Vail/Beaver Creek wie zwei Jahre zuvor Abfahrtsbronze. 400 Meter kosteten damals den Markenkollegen von Skirennfahrer Peter Müller und erfolgreichen Toggenburger Abfahrer zwei Titel.

Urs Huwyler
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Der WM-Dritte Karl Alpiger wird als ehemaliger «Mister Ski» in der Jugendzeitschrift «Bravo» auch heute noch von weiblichen Fans erkannt. (Bild: Urs Huwyler)

Der WM-Dritte Karl Alpiger wird als ehemaliger «Mister Ski» in der Jugendzeitschrift «Bravo» auch heute noch von weiblichen Fans erkannt. (Bild: Urs Huwyler)

WILDHAUS. Zwei mitten im Wildhauser Sportgeschäft Alpiger stehende behelmte Frauen aus St. Gallen konnten erst den Chef des Hauses nicht einordnen. Die «Aha-Erinnerung» erfolgte, als von Abfahrer Karl Alpiger und dessen WM-Bronzemedaille in Vail gesprochen wurde. «Alles klar», outeten sich die Hauptstädterinnen als fachliche Skiköniginnen. Auch drei deutsche Jung-Erwachsene oder eine ortsansässige Seniorin ohne Fernseher mussten nicht über «Kari» aufgeklärt werden. Er war ihnen mit der derzeit in Vail stattfindenden WM ein Begriff. Bei der letzten Zwischenzeit lag Blizzard-Pilot Karl Alpiger vor 26 Jahren rund acht Zehntel vor dem Rest der Welt. In der «Rattle Snake» (Klapperschlange)-Doppel-S-Steilwandkurve beging der Fast-Weltmeister bei minus 20 Grad wegen des Neuschnees einen zeitraubenden Fehler, der ihn auf Platz drei zurückwarf. Der Deutsche Hansjörg Tauscher fuhr auf seinen Völkl-Raketen 28 Hundertstel schneller, Teamkollege Peter Müller deren neun. «Das Rennen war 200 Meter zu lang, sonst hätte es zu Gold gereicht», schaut der erfolgreiche Abfahrer zurück.

Dabei galt er zu Beginn seiner Junioren-Zeit als Techniker, «doch Abfahrer zu sein war einfach cooler. Also spezialisierte ich mich auf die Speed-Disziplinen.» Was viele vergessen haben dürften: Karl Alpiger erreichte in Weltcup-Super-G's die Plätze zwei, vier, fünf, sechs, sieben und acht. Selbst in der Kombination reichte es ihm als Dritter aufs Podest.

Siegfahrer zur Auswahl

1987 erlebte der spätere Eurosport-Kommentator bei der Heim-WM in Crans Montana das Gegenteil: Er wurde nach unten immer schneller. Wäre die Strecke 200 Meter länger gewesen, hätte es zum Titel reichen können. «Vielleicht habe ich wegen 400 Metern statt zweimal Gold zweimal Bronze gewonnen. Aber mit zwei dritten WM-Rängen darf ich zufrieden sein», fasst ex-«Mister Ski» seine WM-Karriere zusammen. Mit dem österreichischen Slalom-Ass Thomas Stangassinger wurde Alpiger in der Zeitschrift «Bravo» damals zum attraktivsten Skirennfahrer gewählt. Die sportlichen Erfolge von Vail 1989 vermögen die aktuellen Schweizer Abfahrer kaum zu wiederholen. Hinter Titelverteidiger Müller und Alpiger klassierten sich Daniel Mahrer (Vierter) und William Besse (Fünfter), Pirmin Zurbriggen erreichte Platz 15. «Es war in jenem Team schon schwierig, selektioniert zu werden. Trainer Karl Frehsner standen durchwegs Siegfahrer zur Auswahl. Stach ein Trumpf nicht, wurde der nächste gezogen.» Franz Heinzer (Fünfter in Whistler) oder der Lauberhorn-Vierte Gustav Oehrli mussten zuschauen.

Alpiger und Hangl

Der fünffache Weltcupsieger aus Wildhaus geriet 1988 in die Selektionsmühle des «Eisernen Karl». Obwohl der bald 54jährige Karl Alpiger im Vorfeld die Abfahrt in Aspen für sich entscheiden konnte, in Kitzbühel als bester Schweizer Vierter und in Val Gardena Sechster wurde, gehörte er an den Olympischen Spielen in Calgary nicht zum Aufgebot von Frehsner. Heute wäre er mit solchen Ergebnissen gesetzt. Nur von früher schwärmen und Quervergleiche ziehen mag der doppelte WM-Dritte nicht. «Es war eine andere Zeit. Wir fuhren mit nicht taillierten Ski und die Strecken waren weniger planiert. Wer interne Läufe zu gewinnen vermochte, der wusste», so Karl Alpiger, «dass es Podestplätze werden könnten.» Er dominierte als B-Kader-Läufer in Sölden mit Daniel Mahrer das Training. Was Karl Frehsner mit den Worten kommentierte, sie sollten sich nichts einbilden. Sobald die andern aufs Gas drückten, seien diese zwei Sekunden schneller. Dann wäre da noch die WM-Episode mit Karl Alpiger und Super- G-Weltmeister Martin Hangl. Nach ihren WM-Einsätzen stiessen der Obertoggenburger und der Bündner in Vail City zwei- bis dreimal auf ihre Erfolge an und versuchten im WM-Übermut spät nachts ohne Gegenverkehr durch Autos und Fussgänger bei Schneetreiben Beaver Creek zu finden. «Plötzlich folgte uns eine Polizeistreife mit Blaulicht. Wir mussten das Auto stehen lassen, der Trainer wurde informiert», erzählt der Bronze-Mann lachend. Das in jenem Moment nur noch feuchte und nicht mehr fröhliche Duo fand das Teamhotel schliesslich problemlos. Der Sheriff von Vail übernahm den Transport. Und Karl Frehsner, der normalerweise um 22.30 Uhr Nachtruhe verlangte? Der verzichtete auf disziplinarische Massnahmen, «weil wir Leistung erbracht hatten und keine Wettkämpfe mehr bevorstanden». Schmunzeln wird Karl Alpiger allemal, sollte er in Wildhaus vor dem Fernseher sitzend Bilder aus Vails Innenstadt und dem Highway sehen.

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