Klangschönheit und Virtuosität

Das Trio Caleidoscopio bot am Freitag in Appenzell ein begeisterndes Konzertprogramm mit Meisterwerken von Schumann und Mendelssohn.

Ferdinand Ortner
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Appenzell. Ein delikates Musikerlebnis schenkte den Konzertbesuchern am Freitagabend in der Ziegelhütte das Klaviertrio Caleidoscopio, das – ergänzt mit profilierten Musikern des Tonhalle-Orchesters Zürich – auch in Quintett-Besetzung auftrat.

Das von romantischer Klangschönheit und Virtuosität geprägte Konzertprogramm – mit Bezug zum Schumann-Gedenken (200. Geburtsjahr) konzipiert – präsentierte zwei Meisterwerke der romantisch-virtuosen Kammermusik des 19. Jahrhunderts, das Klaviertrio d-Moll, op.

49 von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809–1847) und Robert Schumanns berühmtes Quintett in Es-Dur, op. 44. Im Programmheft schien auch das Klaviertrio in C-Dur, Hob.XV:27 von Joseph Haydn auf. Doch dessen Aufführung musste leider entfallen, weil die Noten in Zürich vergessen worden waren. Dieses kleine Missgeschick wurde dann durch das Dacapo eines Satzes des Schumann-Quintetts kompensiert.

Beim Publikum kam gut an, dass Martin Lucas Staub, der neue Leiter der Appenzeller Konzertreihe, in den Abend einführte und den Leitgedanken seiner Programmgestaltung kurz erläuterte.

Eindrucksvoller Konzertabend

In der stimmigen Atmosphäre der Ziegelhütte entwickelte sich von Beginn an eines jener beeindruckenden Konzerte, die das Publikum in ihren Bann ziehen.

Das Trio Caleidoscopio – bestehend aus dem Primgeiger Primoz Novsak, der japanischen Pianistin Keiko Tamura und dem Schweizer Cellisten Thomas Grossenbacher – bewies künstlerische Kompetenz und musikalische Ausstrahlung. Das ambitioniert agierende Ensemble überzeugte durch Spielkultur und nuancenreiche Gestaltungskraft. Die Instrumentalisten bewiesen auch respektable solistische Qualitäten, und sie setzten als gleichrangige Partner zündende musikalische Akzente.

Während die Pianistin mit weichem Anschlag und feiner Technik überzeugte, beeindruckten die beiden Streicher mit klangschöner Tongebung und beseeltem Musizieren. Exzellent ihre einfühlsamen Dialoge mit der Pianistin! Im Quintett waren Andreas Ranke (Violine) und Michel Rouilly (Bratsche) optimale Partner, die den Sound bereicherten und die Klangbalance abrundeten.

Felix Mendelssohn-Bartholdy

Eröffnet wurde der Abend mit einem Gustostück der Romantik, dem Mendelssohn-Klaviertrio in d-Moll. Es war echter Hörgenuss, wie dynamisch und farbig das «Caleidoscopio»-Trio die Interpretation gestaltete. Es liess die kunstvolle Polyphonie in ihrem schwelgerischen Wohlklang ohne Sentimentalität und mit leidenschaftlichem Elan erblühen. Die Solostimmen des Cellos und der Violine korrespondierten nahtlos mit dem reich bedachten Klaviersatz.

Auf ein breit angelegtes, vorwärtsstürmendes «Molto Allegro» folgte als «Lied ohne Worte» ein inniges «Andante». Die spielerische und klangliche Leichtigkeit des «Scherzo» erfuhr im rasanten Finalsatz (Klavier!) noch eine emotionale und rhythmische Steigerung, die stürmischen Beifall auslöste.

Robert Schumann

Highlight des Konzertabends war die bewegende Interpretation des Klavierquintetts in Es-Dur, op. 44 von Robert Schumann (1810– 1856).

Hier erlebten die Zuhörenden ein vielfältiges Spektrum von Stimmungen, die bis zur leidenschaftlichen Gebärde und zu Gefühlsüberschwang reichten. Das Ensemble breitete vollkonzentriert eine reiche Ausdruckspalette aus und begnügte sich nicht mit Klangzauber und Virtuosität. Es hauchte dem anspruchsvollen Opus pulsierendes Leben ein.

Virtuoses Feuerwerk

Nach dem elanvoll musizierten lebensfrohen Kopfsatz («Allegro brillante») mit den wunderschönen Cello-Kantilenen zelebrierte das Quintett das Herzstück des Werkes, den langsamen Satz mit dem düsteren Trauermarsch-Thema besonders einprägsam. Beim reizvoll kontrastierenden «Scherzo» entzündete das Künstler-Ensemble ein virtuoses Feuerwerk, das im rhythmisch akzentuierten tänzerischen Finale (Fugato-Schlussteil!) noch gesteigert wurde.

Überaus herzlicher Beifall war der verdiente Dank für einen genussvollen Konzertabend.

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