Klangpracht bulgarischer Vokalmusik

Das bulgarische Sänger-Ensemble «Santo Andreas» setzte am Sonntag bei den «Konzerten in Rehetobel» mit einer Auswahl kirchlicher orthodoxer Vokalmusik einen Glanzpunkt.

Ferdinand Ortner
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Rehetobel. Beim sonntäglichen Konzert des Bulgarian Orthodox Ensemble «Santo Andreas» unter der Leitung von Rumen Katsarov erlebten Freunde klangschöner geistlicher Vokalmusik aus Südosteuropa in der reformierten Kirche in Rehetobel einen beglückenden Hörgenuss. Zu Gast war eine exzellente Vokalformation – bestehend aus sieben versierten professionellen Sängern, die unter anderem auch an Opernhäusern tätig sind.

Die erwartungsfrohen Zuhörerinnen und Zuhörer wurden in der stimmungsvollen Atmosphäre der reformierten Kirche von Konzertbeginn an vom Wohlklang der slawisch-orthodoxen Kirchengesänge und der subtilen Klangkultur, aber auch vom respektablen Stimmvolumen der Sänger in den Bann gezogen.

«Gott, erbarme dich!»

Das unter dem Leitmotiv «Gott, erbarme dich!» dargebotene Konzertprogramm mit Schwerpunkt Romantik war inhaltlich ein Aufruf zum Glauben, zur Hoffnung und zur Liebe. Die Vortragsfolge umfasste eine abwechslungsreiche Auswahl liturgischer Chor- und Sololieder aus dem Mittelalter, vor allem aber aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Darunter waren auch berührende Liedkompositionen bekannter Tonschöpfer wie Peter I. Tschaikowskij (1840–1893), Nicolai Rimskij-Korsakov (1844–1908) und Modest P. Mussorgskij (1839 –1881). Es dominierten traditionelle Gesänge aus der Liturgie der Ostkirche – vor allem Anbetungs-, Bitt- und Preislieder in stimmungsvollen A-cappella-Sätzen für Soli und Chor – eine Demonstration gefühlvoller, typisch slawischer Vokalmusik, geprägt von einem Hauch Melancholie und tiefer Gottessehnsucht.

Hervorragende Sänger

Das vom Tenor Rumen Katsarov dezent geleitete Gesangs-Septett sorgte für den homogenen Zusammenklang und die dynamischen Akzente der Vortragskultur bei den wohlklingenden Gesängen. Der Spannungsbogen der Dynamik führte vom gehauchten Pianissimo bis zum voluminösen Fortissimo. Exzellent die harmonischen Crescendi und Decrescendi. Das Ensemble beeindruckte insgesamt durch Klangschönheit, Hingabe und tiefe Sensibilität. Die Sänger brillierten auch solistisch mit ausdrucksvollen schönen Stimmen. Herausragend die Tenöre Rumen Katsarov und Enrico Georgiev sowie die stimmgewaltigen Bässe Rado Georgiev und Andrey Pernishki.

Sakrale Gesänge der Ostkirche

Das Konzertprogramm – in zwei Teilen mit je zehn Liedern präsentiert – begann mit einem schlichten «Kyrie Eleison» im Choralstil und einem harmonisch dichten Psalm, ehe die Solisten – getragen von chorischem Background erstmals aufhorchen liessen. Reizvoll die Dialoge zwischen den Solisten und dem Chor in den Gesängen «In letzter Stunde» und «In deinem Königreich». Highlights im ersten Teil waren die Solonummern «Gesegnet ist der Mann» und «Unser Vater» sowie die bewegenden Lobpreis- und Bittgesänge «Preise den Namen Gottes» und «Öffne die Tore der Reue für mich».

Nach der Pause kamen die solistischen Qualitäten der Sänger, die wiederholt stimmlich gefordert wurden, noch mehr zur Geltung,. Besonders die beiden profilierten Opernsänger Rumen Katsarov und Andrey Pernishki sowie speziell der stimmgewaltige Bass Rado Georgiev konnten voll überzeugen. Hervorzuheben sind im zweiten Teil des Konzertes neben jubelnden Lobpreisungen (Doxologien) und andachtsvollen Gebeten auch einige der Soli – eingebettet in atmosphärisch dichte akkordische Chorsätze.

Musikalische Glanzpunkte waren die Liedkompositionen «Der Engel sang zu den Gesegneten» von Mussorgskij, «Abendliches Opfer» von Pavel Chesnokov (1877–1944), «Gnade der Welt» von Rimskij-Korsakov und der machtvolle Jubelchor «Lange mögest du leben». Der stürmische Beifall der begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörer wurde mit einer Zugabe belohnt.

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