Klanghaus: Regierung am Zug

Mit dem Referat von Architektin Elke Eichmann am Wirtschaftsforum Toggenburg vom letzten Freitag wurde das Klanghaus wieder zurück ins Bewusstsein der Bevölkerung gebracht. Kantonsbaumeister Werner Binotto gibt Auskunft, wo das Projekt momentan steht.

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Herr Binotto, in welcher Phase befindet sich das Projekt Klanghaus zurzeit?

Werner Binotto: Die Vorprojektierung mit Architekten und Planern ist abgeschlossen. Dieses Vorprojekt liegt nun beim kantonalen Hochbauamt. Wir haben das Vorprojekt inzwischen mit allen insgesamt 26 einspracheberechtigten Umweltverbänden angeschaut. Die Rückmeldungen fielen grossmehrheitlich positiv aus. Nun steht nur noch die Rückmeldung der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission aus. Diese erwarten wir eigentlich jeden Tag.

Heisst das, dass von Seiten der Umweltverbände grünes Licht für das Klanghaus gegeben wurde?

Werner Binotto: Nein, keinesfalls. Die Umweltverbände sagen nur zum jeweiligen Stand des Projektes ja. Bis zur Baueingabe haben sie immer die Möglichkeit, ihr Veto einzulegen.

Wie geht es anschliessend weiter?

Werner Binotto: Sobald wir die Rückmeldung der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission haben, wird das Vorprojekt der Regierung vorgelegt. Diese wird dann grundsätzlich entscheiden, ob das Projekt Klanghaus in der vorliegenden Form weiter verfolgt wird oder nicht. Wenn ja, entscheidet die Regierung auch darüber, welche Aspekte des Vorprojekts nochmals überdacht werden müssen, wie zum Beispiel die Kosten oder der vorläufige Terminplan.

Sind Sie im Zeitplan mit dem Projekt?

Werner Binotto: Nicht ganz. Eigentlich hätte das Vorprojekt bereits im September der Regierung vorgelegt werden sollen. Es gab aber Verzögerungen aufgrund der Anhörung der Umweltverbände.

Bis wann wird der Entscheid der Regierung vorliegen?

Werner Binotto: Vorausgesetzt die letzten Rückmeldungen der Umweltverbände erfolgen wie abgesprochen in den nächsten Tagen, möchten wir das Vorprojekt der Regierung noch dieses Jahr vorlegen. Ich gehe davon aus, dass dies spätestens im Lauf des Dezembers der Fall sein wird.

Bisher hat die Öffentlichkeit noch nie gesehen, wie genau das Klanghaus aussehen könnte. Weshalb?

Werner Binotto: Das Klanghaus war nicht als ein Projekt-, sondern als Thesenwettbewerb ausgeschrieben. Das bedeutet, dass noch keine fertigen Projekte eingereicht wurden, so dass man auch noch nicht veranschaulichen konnte, wie das Klanghaus einmal aussehen könnte. Das war nun Inhalt der Vorprojektierung.

Und wann wird die Öffentlichkeit das Projekt zu Gesicht bekommen?

Werner Binotto: Sobald die Regierung das weitere Vorgehen festgelegt hat, also voraussichtlich anfangs nächstes Jahr. Es ist uns sehr daran gelegen, dass es gezeigt wird, bevor wir in die zweite Phase, die eigentliche Projektierung starten.

Am Wirtschaftsforum wurde das im Zusammenhang mit der Frage nach den Möglichkeiten der «Architektur als Ressource» genannt. Angesichts der Tatsache, dass das Klanghaus oft als möglicher Leuchtturm des Toggenburgs beschrieben wurde, könnte die Aussage der Architektin etwas verwirrt haben...

Werner Binotto: Das Referat habe ich nicht gehört. Insofern kann ich dazu nicht konkret Stellung nehmen.

Die Architektin Elke Eichmann sagte in etwa, dass die Architektur des Klanghauses nicht in erster Linie auffallend und damit anziehend sein soll, sondern vor allem der Funktion dienen soll. Das Klanghaus soll aber doch auch eine Wertschöpfung für das Toggenburg bringen, also Leute anziehen, oder wie sehen Sie das?

Werner Binotto: Klar ist, dass das Klanghaus Wertschöpfung bringen soll. Wie viel das sein wird, weiss ich nicht. Das Klanghaus soll natürlich Publikum anziehen, aber nicht im Sinne eines Massentourismus, das wäre allein aufgrund der Lage gar nicht machbar.

Aber das Klanghaus soll nicht durch seine Architektur Leute anziehen.

Werner Binotto: Das Haus ist kein Konzertsaal, sondern es soll Räume aufweisen, wo Musiker arbeiten oder auch Aufnahmen machen können. Die Räume können auch gemietet werden. Ob das Klanghaus aufgrund seiner Architektur Publikum anziehen wird, ist schwer vorhersehbar. Ich glaube, dass man von einem Gebäude nie im Voraus sagen kann, ob es eine Ikone wird oder nicht. Unsere Absicht ist es aber, die Chance zu nutzen und in verschiedenen Bereichen etwas Innovatives zu schaffen.

Inwiefern innovativ?.

Werner Binotto: Wir wollen einen Holzbau entwickeln, der an diesem Ort etwas Aussergewöhnliches darstellt. Diesen Auftrag haben wir den Planern gegeben. Auch wird es mit Sicherheit etwas bewegen, davon bin ich überzeugt. Aber was und wie viel, das kann man heute nicht sagen. Gerade in Ergänzung zum Klangweg, der ja schon heute gut besucht ist, wird das Klanghaus mit Sicherheit nochmals einen Schub geben.

Wenn die Regierung dem Vorprojekt zustimmt und auch die Öffentlichkeit dieses gesehen hat, wie geht es dann weiter?

Werner Binotto: Dann starten wir mit der Ausarbeitung des Projektes und bereiten eine Botschaft vor. Danach können das Parlament und das Volk darüber befinden.

Interview: Barbara Anderegg