Klanghaus macht weiteren Schritt

WILDHAUS. Viel Applaus, kaum Kritik und der SVP-Präsident unter Druck: An der Info-Veranstaltung zum Klanghaus in Wildhaus wurden die Pläne zur Verlegung der Strasse und der Parkplätze, das Mobilitätskonzept und der Uferschutz vorgestellt.

Hansruedi Kugler
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Einer der drei Probe- und Klangräume im geplanten Klanghaus, mit Ausblick auf die Schwendiseen. (Bild: Baudepartement SG/pd)

Einer der drei Probe- und Klangräume im geplanten Klanghaus, mit Ausblick auf die Schwendiseen. (Bild: Baudepartement SG/pd)

Ab heute liegt die Zukunft des Klanghauses in den Händen der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann. Während 30 Tagen liegen der Gestaltungsplan, der Teilzonenplan, der Teilstrassenplan und die angepasste Schutzverordnung öffentlich auf. Danach haben die Gegner 40 Tage Zeit, um gegen den Teilzonenplan das Referendum zu ergreifen. Seit Jahren fordert die Regierung ein klares Bekenntnis des Toggenburgs zum Klanghaus. Voraussetzung für die Weiterbearbeitung des Projekts, das im kommenden Jahr in den Kantonsrat kommen soll, ist die Zustimmung der Standortgemeinde bei der öffentlichen Planauflage. Nimmt man die Stimmung an der Info-Veranstaltung als Mass, so ist kaum mit Widerstand zu rechnen. Und: Mit über tausend Mitgliedern im Förderverein und ebenfalls über tausend Mitgliedern der IG Klanghaus sieht Klangwelt-Präsident Mathias Müller das Bekenntnis gegeben.

Die bisherige Kurzone und die Zone für öffentliche Bauten am Schwendisee werden für das Klanghaus zusammengeführt, die Grünzone mit Naturschutz wird erweitert.

Die bisherige Kurzone und die Zone für öffentliche Bauten am Schwendisee werden für das Klanghaus zusammengeführt, die Grünzone mit Naturschutz wird erweitert.

In Natur eingepasstes Projekt

25 Millionen Franken wird das Klanghaus kosten, die Eröffnung ist im Jahr 2020 geplant. Fünf Millionen Franken will Regierungsrat Martin Klöti bei Stiftungen und Privaten einsammeln, den Rest übernimmt der Kanton. Der Goodwill sei vorhanden, die privaten Sponsoren warteten allerdings mit ihren Zusagen auf das fertige Bauprojekt. Zufrieden blickt Bauchef Willi Haag auf die letzten beiden Jahre zurück: Die Naturschutzverbände seien nun mit dem Projekt einverstanden, da die Einbettung des Klanghauses eine Verbreiterung der Uferschutzzone vorsieht. Die Landverhandlungen verliefen harziger und hatten zur Folge, dass die Strassenführung gegenüber früheren Plänen leicht verändert werden musste. Parkplätze wird es am Klanghaus keine geben. Mit einem Busdienst sollen die Teilnehmer von Klangkursen zum Schwendisee gebracht werden: «Wer einen Klangkurs und ein Hotel gebucht hat, wird auch den Transport organisiert haben», relativierte Gemeindepräsident Rolf Züllig. Die 15 Parkplätze des «Seegüetli» verschwinden, die 25 öffentlichen Parkplätze werden fünf Gehminuten Richtung Unterwasser verlegt. Ein neuer Wanderweg führt von dort zum Klanghaus.

Klanghaus und Wiese gemäss Gestaltungsplan.

Klanghaus und Wiese gemäss Gestaltungsplan.

Ein Massentourismus sei ohnehin nicht angestrebt, sagte Martin Klöti. Das Klanghaus soll vielmehr das «Seegüetli» ersetzen und ein architektonisch und klanglich einmaliger Anziehungspunkt für Chöre, Musikgruppen und Architekturinteressierte entstehen. Rund ein Viertel der jährlich zwischen 50 und 60 Klangkurse fanden im «Seegüetli» statt. Der Rest verteilte sich auf die Propstei, die Hotels und auf die Klangschmiede.

15 Parkplätze beim Seegüetli verschwinden, 25 öffentliche werden talwärts verlegt.

15 Parkplätze beim Seegüetli verschwinden, 25 öffentliche werden talwärts verlegt.

Restaurant und Busbetrieb

Fragen blieben vorerst aus. Willi Haag frohlockte mit einer humorvollen Bemerkung: «Eine solche Einigkeit möchte ich auch im Parlament sehen.» Dann gingen doch noch zwei Hände in die Höhe. Zwei Fragen und ein Schlagabtausch folgten. Wird die «Stube» des Klanghauses ein öffentliches Restaurant? Martin Klöti: «In erster Linie sollen sich dort die Klangkurs-Teilnehmer über Mittag verpflegen können.» Ein Ausflugsrestaurant werde es sicher nicht. Solche gebe es bereits ganz in der Nähe. Aber Wanderer würden nicht vor verschlossenen Türen stehen. Einen warmen Tee und ein Znüni würden auch Wanderer bekommen. Die zweite Frage: Wird das Klanghaus auch den Busbetrieb übernehmen oder muss sich die Gemeinde an diesen Kosten beteiligen? Gemeindepräsident Rolf Züllig hatte schon vor zwei Jahren die Idee eingebracht, den Skibus auch im Sommer fahren zu lassen. «Über die Finanzierung ist aber noch nichts entschieden», sagte er nun an der Info-Veranstaltung. Der Gemeinderat schliesse eine Mitbeteiligung an den Kosten nicht aus.

Das Klanghaus: Eingebettet in die Naturschutzzone.

Das Klanghaus: Eingebettet in die Naturschutzzone.

Massive Kritik an SVP-Präsident

Die Kostenfrage gestellt hatte der Wildhauser SVP-Kantonsrat Mirco Gerig. Dieser kam nun in Erklärungsnot. Gleich zwei Besucher der Info-Veranstaltung im vollbesetzten Mehrzwecksaal Chuchitobel forderten ihn auf, sich endlich für das Klanghaus einzusetzen: «Warum bist du eigentlich gegen das Klanghaus?» Mirco Gerig, der sich bisher immer gegen das Klanghaus ausgesprochen hatte («zu teuer, bringt zu wenig»), reagierte ausweichend: Er habe immer gesagt, das Klanghaus habe noch zu wenig Fleisch am Knochen. Er sei gespannt auf die weiteren Detailabklärungen, vor allem auf die Finanzierung. Damit gaben sich die Kritiker im Saal nicht zufrieden: «Es sprechen alle Gründe für dieses Klanghaus. Du bist doch unser Vertreter in St. Gallen und müsstest dich vehement für dieses Zukunftsprojekt einsetzen.» Dem wollte niemand widersprechen.

Die neue Strasse (rosa) wird um das Klanghaus geführt.

Die neue Strasse (rosa) wird um das Klanghaus geführt.