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Alles ist Klang Leidenschaft pur – so hätte sich der Auftritt der südfranzösischen Frauengruppe La mal coiffée (die schlecht Frisierte) bezeichnen lassen können.

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Alles ist Klang

Leidenschaft pur – so hätte sich der Auftritt der südfranzösischen Frauengruppe La mal coiffée (die schlecht Frisierte) bezeichnen lassen können. Doch was die sechs Damen mit okzitanischem Idiom auf der Bühne in der katholischen Kirche boten, war nur das offizielle Vorspiel. Denn hinter der Bühne, beziehungsweise im Propstei-Saal ging es nach dem Konzert inoffizielle noch um einiges leidenschaftlicher zu.

Dort trafen die Französinnen auf die Südafrikaner Ubuhle be Afrika (Die Schönheit Afrikas), auch sie waren eben erst auf der Bühne aufgetreten. Der Kontakt war schnell geschlossen, denn beide Gruppen hatten sich tags zuvor an einem Festival in Neuenburg getroffen. Wie man hörte, hat die Kontaktaufnahme in Form einer Jam Session bis morgens um zwei gedauert – leidenschaftlich pur. Musikalische Leidenschaft selbstverständlich.

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Alles ist Klang. Klangwelt, Klangfestival, Klangschalen, Klangliege, Klangbank. Nun auch Klangtee. Zu kaufen bei Gisela Seiler im Kräuterlädeli der Propstei. «Ein Tee, der einfach gut tut, ein Wohlfühltee sozusagen», meint Kräuterfrau Seiler. Alle Ingredienzien von Minze über Lindenblüten, Ringelblumen, Malven, Lavendel und noch einige mehr, stammen aus eigenen Anbau im Kräutergarten der Propstei. Der im Übrigen von einer Mauer schützend umgeben ist. Vor der Mauer, am Gehweg an der Thur, steht eine Sitzbank.

In ebendiese sind nachts im Dunkeln schon einige Festivalbesucher gestolpert. Am Samstag auch Bruno Gähwiler, der Stadtpräsident von Wil. Schienbein gegen Bank – auch dieses Aufeinandertreffen erzeugte Klang. Die dabei verwendeten klangvollen Worte seien hier nicht wiederholt.

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Mit seinem neuen Amt als Intendant des Festivals hat sich Stephan K. Haller viel neue Arbeit ins Leben geholt.

Sein altes Amt, vielmehr seine alten Ämter, die da wären: Bühnentechniker, Backliner, Künstlerbetreuer, Werbeverantwortlicher, Medienchef, Fotograf, Kabelträger, Beleuchter, Tonmixer (Aufzählung vermutlich nicht vollständig), hat er nicht abgegeben. Warum hat der Mann keinen Assistenten? «Er will keinen», tönt es aus dem OK.

So sieht man Haller zwischen den Konzert-Kirchen und der Propstei hin und her wieseln, hinter der Bühne Künstler empfangen, auf der Bühne Klavier und Klangmühle zurechtrücken, Mineralwasser verteilen und zwischendurch im Versteckten das verschwitzte Hemd wechseln. Bisweilen sieht man ihn einen tiefen Atemzug der Erleichterung holen. Wenn zum Beispiel Maryam Akhondy und ihre Sängerinnen nach bangem Warten eine Viertelstunde vor Konzertbeginn doch noch eintreffen.

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Für sein letztes Festival als OK-Chef musste sich Andy Roth noch in Kosten stürzen. Über ein Representationsspesenbudget verfügt das Naturstimmenfestival nämlich nicht. Aber irgendwie muss so ein Chef ja doch etwas hermachen, gerade wenn die Delegation des Hauptsponsors zum Besuch angesagt ist. So begab sich Roth in letzten Minute in ein «Zieht alli a»-Kaufhaus im Rheintal und besorgte sich einen stylischen «Tschoppen». Doch der gekaufte Kittel zeigte sich an allen Ecken und Enden störrisch, deshalb rutschte er schon bald von den Schultern seines Trägers.

«Er passt nicht wirklich,» meinte Roth. Vielleicht hätte sich der junge OK-Präsident doch besser in einem Toggenburger Modehaus einkleiden lassen – auch wenn er dafür eventuell das Doppelte hätte aufwenden müssen. Aber vielleicht reicht das Budget in zwei Jahren für einen Einheitstschoppen mit gesticktem Logo für das ganze OK. (mhu)