Urnäsch
Die Kirchturmkugel gibt ihr lang gehütetes Geheimnis preis

Derzeit erfährt die Kirche von Urnäsch eine Aussenrenovation. Bei dieser Gelegenheit wurde die Kugel von der Turmspitze heruntergeholt und der Inhalt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Karin Erni
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Pfarrer Markus Grieder zeigt Fotos, die 1976 vom Kirchturm herunter gemacht wurden.

Pfarrer Markus Grieder zeigt Fotos, die 1976 vom Kirchturm herunter gemacht wurden.

Bild: Karin Erni

Gegen 50 Personen hatten sich am Freitagnachmittag auf dem Urnäscher Dorfplatz versammelt. Angekündigt war die Öffnung der Kirchturmkugel. Eine leise Enttäuschung machte sich bei einigen bemerkbar, als nicht die Kugel, sondern lediglich zwei Kupferzylinder präsentiert wurden. Gemeindepräsident Peter Kürsteiner erklärte, dass die Kugel bereits am Morgen mit einem Teleskopkran heruntergeholt worden sei und sich nun auf dem Weg zur Restauration befinde.

Dokumente und Fotos gefunden

Spengler Robert Engler, der die Zylinder vor 45 Jahren angefertigt hatte, fiel die Aufgabe zu, diese mit einer Blechschere wieder zu öffnen. Unter neugierigen Blicken der Anwesenden beförderten Peter Kürsteiner und Pfarrer Markus Grieder den gut verpackten Inhalt ans Tageslicht. In jedem Zylinder befand sich eine mehrfach eingewickelte Rolle mit Dokumenten. Als erstes verlas Kürsteiner die Abrechnung der damaligen Baukommission: «361'000 Franken hat die Aussenrenovation 1976 gekostet.» Auf besonderes Interesse stiessen die Fotos des Dorfes, die vom Kirchturm herunter gemacht wurden. «Es was alles noch viel grüner damals», bemerkte Peter Kürsteiner.

Die Rolle enthielt auch zahlreiche Zeitungsartikel und Leserbriefe zum Thema Frauenstimmrecht sowie den Finanzplan der Jahre 74–83, der nur wenige Seiten umfasste. «Heute ist das schon fast ein Buch», bemerkte Kürsteiner. Eine Liste mit Lebensmittelpreisen erstaunte die Anwesenden. «Der Käse war damals gar nicht billiger als heute, obwohl die Löhne tiefer waren», bemerkte Gemeinderat Chläus Hörler.

Die Dokumente würden nach der Sichtung ins Gemeindearchiv verbracht, sagte Peter Kürsteiner. Auf die Frage, was nun in die Kugel komme, antwortete er: Die Kugel wird erst im Oktober wieder auf dem Turm montiert. «Bis dahin wird uns schon etwas einfallen.»

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