Kirchhöri lehnt Budget der Seelsorgeeinheit Gäbris ab

Die in der Kirchhöri versammelten Pfarreiangehörigen der Katholischen Kirchgemeinde Gais haben einen Teil des Budgets 2011 abgelehnt. Der Ablehnungsantrag wurde vom Kirchenverwaltungsrat gestellt und betrifft insbesondere die zu hohen Personalkosten.

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gais. Seit August 2010 besteht die Seelsorgeeinheit Gäbris, die die Pfarreien Gais, Teufen-Bühler-Stein Nord sowie Speicher-Trogen-Wald umfasst. Für die Verwaltungsrechnung 2010 der Kirchgemeinde Gais schlug sie demnach noch nicht voll durch, was zu einem Ertragsüberschuss von rund 25 000 Franken bei Ausgaben von rund 317 000 Franken führte. Dieser Jahresrechnung stimmten die Kirchbürgerinnen und -bürger denn auch diskussionslos zu.

Aufteilung des Budgets

Komplizierter gestaltete sich die Behandlung des Budgets für das Rechnungsjahr 2011. Kassierin Marion Hawkins beantragte der Versammlung eine Zweiteilung in einen ordentlichen und einen ausserordentlichen Teil. Das ordentliche Budget, das die Positionen umfasst, die in Gais selbst anfallen, wurde schlank genehmigt. Mehr zu reden gab der ausserordentliche Teil, der sich vor allem aus Kosten zusammensetzt, die wegen der Seelsorgeeinheit neu und vor allem in deutlich grösserem Umfang entstehen. Kirchenverwaltungsratspräsident Markus Weder sprach allein von rund 70 000 Franken zusätzlicher jährlicher Lohnkosten; dies bei einem budgetierten Gesamtaufwand von knapp 390 000 Franken. Die Folge: Das Budget rechnet für das laufende Jahr mit einem Defizit von mehr als 66 000 Franken.

Finanzen bilden Messlatte

Die Ausführungen des Kirchenverwaltungsrates provozierten eine ganze Reihe von Fragen, so etwa, ob diese Mehrkosten sich auch in Mehrleistungen widerspiegelten. Markus Weder äusserte sich dazu skeptisch. Auch der Leiter der Seelsorgeeinheit, Pfarrer Josef Manser aus Speicher, ergriff das Wort und sprach vom hohen Umsetzungsdruck, der beim Aufbau der für das Appenzellerland ersten Seelsorgeeinheit herrschte. Zudem fehle hier ein Ausgleich zwischen grösseren und kleineren Gemeinden wie er beispielsweise im Kanton St. Gallen bestehe. Roger Scheuber, Revisor der Kirchgemeinde, mahnte aus rein buchhalterischer Sicht davor, ein Budget mit einem derart hohen Defizit anzunehmen. Innert weniger Jahre würde die Kirchgemeinde Gais bei ungebremster Entwicklung auf den finanziellen Ruin zusteuern. Markus Weder fügte an, um dieses Defizit aufzufangen, müssten die Kirchensteuern um 20 Prozent erhöht werden.

Extremfall: Austritt

Nicht überraschend wurde dieses Budget dann abgelehnt. Nun wird der Kirchenverwaltungsrat mit dem Kreisrat, dem Vertretungen aus allen Kirchenverwaltungen der Seelsorgeeinheit angehören, über mögliche Lösungen diskutieren müssen. Für Markus Weder ist aber klar, dass bei einem fehlenden Konsens verschiedene Handlungsmöglichkeiten zu prüfen seien.

Im Extremfall stehe auch ein Austritt von Gais aus der Seelsorgeeinheit zur Diskussion. Er führte aus, dass je nach dem Resultat der nun folgenden Gespräche der Kirchenverwaltungsrat zu einem späteren Zeitpunkt alle Pfarreiangehörigen für weitergehende Entscheide zu einer ausserordentlichen Kirchhöri einladen werde. (pd)

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