KIRCHGEMEINDEN: Wandel mit der Brechstange

Die Synodalen der Evangelisch-reformierten Landeskirche äusserten sich zum neuen Finanzausgleich in der ersten Lesung sehr kontrovers.

Karin Steffen
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An der Herbstsynode stellte die Synode die Weichen für die Zukunft der Evangelisch-reformierten Landeskirche AR/AI. (Bild: PD)

An der Herbstsynode stellte die Synode die Weichen für die Zukunft der Evangelisch-reformierten Landeskirche AR/AI. (Bild: PD)

Karin Steffen

redaktion@appenzellerzeitung.ch

Eine Motion der Kirchgemeinde Appenzell, welche der Kirchenrat an der Sommersynode 2015 erhalten hat, forderte eine Entlastung der Steuerabgaben der Kirchgemeinde Appenzell. Der Kirchenrat fand in der Folge, dass der Finanzausgleich generell zu überdenken sei. Die eingesetzte Arbeitsgruppe wurde von Heinz Brunner, ehemaliger Leiter der Stabsstelle Controlling des Kantons AR, und von Werner Nef, Leiter Steueramt AI, unterstützt. Als Grundlage für die Berechnung des Finanzausgleichs gilt neu der Steuerertrag aus der direkten Bundessteuer von natürlichen Personen. Dadurch könnten die kantonalen Unterschiede eliminiert werden, wie Brunner vor den Synodalen ausführte. Die Investitionsbeiträge für Bau und Unterhalt werden im Entwurf nicht mehr berücksichtigt, da diese gemäss Brunner der Willkür Tür und Tor öffneten. Der Entwurf sieht vor, dass kleinere Kirchgemeinden mit unter 1 000 Mitgliedern weniger vom Finanzausgleich profitieren. Kirchgemeinden mit einer überdurchschnittlichen Steuerkraft dagegen werden stärker zur Kasse ngebeten. Konkret bedeutet das für die Kirchgemeinden Hundwil 22 000 Franken, Wald 28 000 und Schönengrund 41 000 Franken weniger Unterstützung aus dem Finanzausgleich. Im Gegenzug bezahlt die Kirchgemeinde Appenzell rund 40 000 Franken mehr ein. Martin Breitenmoser, Synodale aus Appenzell, bekundete dann auch seine Enttäuschung. Er anerkenne jedoch, dass es die gerechte Lösung nicht gebe. Marcel Steiner aus Schwellbrunn erkennt die Schwierigkeit, die enormen Unterschiede in der Steuerkraft auszugleichen, hat aber Vorbehalte: «Bluten geht, aber verbluten nicht!». Mit dem vorgelegten Entwurf werden die kleinsten Kirchgemeinden sterben, lautete seine Befürchtung.

Der Magnet – grösste Kanzel der Landeskirche

Andreas Ennulat, Synodale aus Wolfhalden, forderte die Anwesenden auf, neue und vielleicht auch verrückte Lösungen zu finden, wie die Kirche in den Dörfern in Zukunft gestaltet werden könnte. Die Konsultativabstimmung zeigte, dass eine Mehrheit der Synodalen dem Entwurf trotzdem zustimmte. In der Folge stimmte die Synode knapp dem Antrag von Bernhard Rothen aus Hundwil zu. Er fordert darin den Kirchenrat auf, mit den meist betroffenen Kirchgemeinden bis zur zweiten Lesung an der Sommersynode 2018 «spruchreife Lösungen» zu finden.

Das Strategiepapier «Finanzen – quo vadis» nahm die Synode in zweiter Lesung zur Kenntnis und wurde mit sämtlichen Sparmassnahmen im Budget 2018 berücksichtigt. Dieses fällt mit einem Ertragsüberschuss von knapp 28 000 um fast 50 000 Franken besser aus als im Vorjahr.

Kontrovers diskutiert wurde der Antrag des Kirchenrates zu einem Globalbudget von 150 000 Franken ab dem Jahr 2019 für das Kirchenblatt Magnet. Lars Syring, Synodale aus Bühler und Präsident der Redaktionskommission Magnet, plädierte mit viel Herzblut gegen eine Streichung der Mittel um fast ein Drittel für «die grösste Kanzel unserer Landeskirche». Kirchenrat Koni Bruderer anerkennt die enorme Bedeutung der Kommunikation auf verschiedenen Ebenen und Kanälen. Er stellte dann auch in Aussicht, eine Kommunikationsstrategie zu erarbeiten, in welcher der Magnet eine prominente Rolle spielen werde. Schliesslich folgte die Synode dem Antrag der vorberatenden Kommission, welche das Globalbudget für den Magnet vorsieht und fordert, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, welche ein Konzept für das Kirchenblatt erarbeitet. Dieses soll an der kommenden Sommersynode 2018 zur Entscheidung vorgelegt werden.