KIRCHGEMEINDE: Eine Zukunft für historische Häuser

Das Ortsmuseum geht ins Eigentum der Politischen Gemeinde über, und das Bräggerhaus wird fachgerecht renoviert. Dies haben die Kirchbürger von Bütschwil-Ganterschwil an ihrer Versammlung entschieden.

Anina Rütsche
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Das Ortsmuseum Bütschwil beim Eichelstock gehört nun nicht mehr der Katholischen Kirchgemeinde, sondern der Politischen Gemeinde Bütschwil-Ganterschwil.

Das Ortsmuseum Bütschwil beim Eichelstock gehört nun nicht mehr der Katholischen Kirchgemeinde, sondern der Politischen Gemeinde Bütschwil-Ganterschwil.

Anina Rütsche

anina.ruetsche@toggenburgmedien.ch

Erfreuliches konnte am Donnerstagabend an der Kirchbürgerversammlung von Bütschwil-Ganterschwil verkündet werden: 135 Stimmberechtigte gaben grünes Licht für zwei Projekte in Bezug auf historische Häuser in Bütschwil. Zum einen sagten sie Ja zur Abtretung des Baurechts am Bräggerhaus an der Mittendorfstrasse. Dies hat zur Folge, dass sich der Spezialist Paul Rutz aus Dietfurt schon bald um die fachgerechte Renovierung der alten Bausubstanz kümmern kann, dies unter Anleitung der kantonalen Denkmalpflege. Zum anderen wurde an der rund halbstündigen Versammlung in der Sporthalle Ganterschwil dem Verkauf des Ortsmuseums Bütschwil an die Politische Gemeinde zugestimmt – zu einem symbolischen Preis von einem Franken.

Ein Gewinn für alle Beteiligten

Katrin Keller-Breitenmoser, Präsidentin des Kirchenverwaltungsrats, zeigte sich zufrieden mit den reibungslos verlaufenen Abstimmungen. Um die Wichtigkeit der Entscheide zu unterstreichen, ging die Rednerin auch auf deren Hintergründe ein, insbesondere auf die Geschichte des Orts­museums beim Eichelstock in Bütschwil. Die Katholische Kirchgemeinde hatte die Grundstücke mit den Gebäuden in den Jahren 1966 und 1971 übernommen. Ursprünglich war geplant, an dieser Stelle ein Pfarreizentrum zu ­bauen. Die kantonale Denkmalpflege lehnte das Abbruchgesuch jedoch ab.

Seit nunmehr 30 Jahren werden die beiden Liegenschaften ­in der Ortsmitte vom Verein Museumsgesellschaft Bütschwil unterhalten und betrieben. Eine Ausstellung repräsentiert unter anderem, wie die Menschen in unserer Region vor rund 200 Jahren gewohnt haben. Der ­Baurechtsvertrag von 1988 sei ­ursprünglich bis zum Jahr 2037 gültig gewesen, sagte Katrin Keller-Breitenmoser anlässlich der Versammlung. Nun aber könne er dank der Zustimmung der Kirchbürgerschaft vorzeitig aufgelöst werden. Die Museumsgesellschaft plant nämlich eine umfangreiche Renovation der denkmalgeschützten Gebäude, um das Museum noch attraktiver zu gestalten. Die Finanzierung ist bereits gesichert. «Der Kirchenverwaltungsrat steht voll und ganz hinter diesem Projekt», sagte Katrin Keller-Breitenmoser. «Doch unter diesen Umständen wollten wir nicht länger Eigentümer bleiben.» Um einen Beitrag ans Museum zu leisten, habe der Rat beschlossen, die Häuser für einen Franken der Politischen Gemeinde zu verkaufen. Diese kann nun mit der Museumsgesellschaft einen Baurechtsvertrag abschliessen. «Damit gibt die Kirchgemeinde weiter, was nicht zu ihrer Kernkompetenz gehört, und die Gemeinde nimmt an, was ihre Aufgabe ist, nämlich die ­Pflege von Tradition und Kultur», fasste Katrin Keller-Breitenmoser zusammen. «Die Übergabe des Ortsmuseums Bütschwil ist für alle Beteiligten ein Gewinn, insbesondere für die Bevölkerung.»

Gewinn wird in die Reserven gelegt

Neben den beiden Bauprojekten kamen an der Kirchbürgerversammlung die Jahresrechnung 2016 und das Budget 2017 zur Sprache. Wie Katrin Keller-Breitenmoser darlegte, hat die Katholische Kirchgemeinde Bütschwil-Ganterschwil im vergangenen Jahr Mehreinnahmen generiert, dies vor allem aufgrund von Steuern und weil nach dem Weggang der Pastoralassistentin Bettina Wissert Lohnkosten weggefallen seien. Der Gewinn von rund 145000 Franken werde in die Reserven gelegt. Die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger hiessen die Jahresrechnung 2016 ohne Gegenstimme gut. Im Budget für das Jahr 2017 wird laut Katrin Keller-Breitenmoser mit einem Steuereingang von rund 1,25 Millionen Franken bei gleichbleibendem Steuerfuss gerechnet. Ausserdem wurde Anfang Jahr das Personaldekret mit der neuen Besoldungsordnung von der katholischen Administration St. Gallen eingeführt. Die Präsidentin erklärt: «Daraus ergeben sich aber kaum Veränderungen bei den Löhnen.» Das Budget 2017, das einstimmig genehmigt wurde, geht von Mehrausgaben von 85544 Franken aus. Im Amtsbericht heisst es dazu: «Dieser Betrag wird aus der Reserve für zukünftige Ausgabenüberschüsse übernommen.»

Kurz sprach Katrin Keller-Breitenmoser auch über die Turbulenzen an der Kirchbürger­versammlung vom vergangenen Jahr. Damals ging es um den Verkauf von Bauland in Ganterschwil. «Noch immer ist Geduld angesagt, denn eine Einsprache verzögert das Ganze weiter», sagte die Präsidentin. Sie hoffe aber, dass man den Frieden in dieser Angelegenheit bald finde.