Sanierung der Herisauer Dorfkirche rückt näher - mehrere Änderungen geplant

Die Pläne für die Umbauarbeiten an der reformierten Kirche Herisau liegen auf. Im Mai soll mit der Sanierung und Erweiterung gestartet werden.

Alessia Pagani
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Mit dem Nebengebäude und dem neuen Brunnen wird der Platz ein anderes Gesicht erhalten.  Visualisierung: PD

Mit dem Nebengebäude und dem neuen Brunnen wird der Platz ein anderes Gesicht erhalten. Visualisierung: PD

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Die Visiere deuten es an: Die Sanierungsarbeiten bei der reformierten Kirche Herisau beginnen demnächst. Die Pläne liegen bei der Gemeinde öffentlich auf. Gestartet werden soll Ende Mai – wenn keine Einsprachen den Baustart verzögern. Dies wird allerdings nicht erwartet, wie Max Eugster, Gemeinderat und Vorsteher des Ressorts Hochbau und Ortsplanung, sagt:

«Wir sind zuversichtlich, ohne Einwände starten zu können.»

Die Dorfkirche Herisau weist Altersspuren auf. Nicht nur die technischen Installationen sind veraltet und ersetzt werden, auch die dumpfen und verschmutzten Oberflächen des Kirchenraums sowie die bröckelnde Stuckatur müssen saniert werden. Der Grund dafür liegt laut Eugster in der an sich erfreulich vielfältigen Nutzung der Kirche. Je nach Veranstaltung entstehe ein Raumklima, das den Innenraum über die Jahre sichtlich in Mitleidenschaft gezogen habe. Ein anderes Problem sei die Akustik: Die harten Oberflächen verursachen Reflexionen. Dies ergebe Echoeffekte, was das Hörverständnis erschwert. Im Jahr 2011 wurden unter der Empore aus statistischen Gründen Stützen angebracht. Eugster:

«Die Sanierung dient hauptsächlich dem Substanzerhalt.»

Grosse Bedeutung als Versammlungsraum

Die reformierte Kirche hat eine grosse Bedeutung als Versammlungsraum und kultureller Ort. Jährlich finden durchschnittlich etwa 280 Anlässe statt. In der 760 Personen fassenden Kirche gehen über 20000 Besucher pro Jahr ein und aus. Dabei beschränken sich die Anlässe nicht auf Gottesdienste: Elf grosse weltliche Anlässe mit über 500 Besuchenden werden gemäss Eugster jährlich in der Dorfkirche abgehalten. So finden beispielsweise regelmässig Konzerte und militärische oder politische Feiern im Gotteshaus statt. Eugster:

«Die Kirche ist in der näheren Umgebung der grösste Versammlungsraum und daher auch bei Gruppen gefragt.»

Geplant ist, kleine Anlässe künftig auch im Nebengebäude abzuhalten. «Mit diesem Mehrzweckraum können wir die Kirche als schützenswertes Objekt entlasten», sagt Eugster. So könne auch eine vielfältige Nutzung der Kirche geboten werden. Nicht zuletzt soll dies zur Belebung des Dorfkerns beitragen. Neben diesem Raum werden im Erdgeschoss Toiletten installiert. Das vergrösserte Untergeschoss dient als Lagerraum für die Kirche. «Heute ist das Material an unterschiedlichsten Orten, etwa im Kirchturm oder gar auswärts, verstaut, was die Administration für die Kirchenvorsteherschaft erschwert», so Eugster.

Die Kosten für das Projekt betragen 6,8 Millionen Franken, wobei für die Kirchensanierung rund 4,48 Millionen anstehen, für das Nebengebäude deren 1,6 Millionen. 655000 Franken fallen für Umgebungsarbeiten an. Nach Abzug des Beitrages der Denkmalpflege von 1,14 Millionen Franken und der Entnahme von 1 Million aus dem dafür vorgesehenen Fonds der Gemeinde und der Kirchgemeinde verbleiben Kosten von 4,68 Millionen Franken. Die reformierte Kirchgemeinde trägt mit 1,56 Millionen Franken ein Drittel der Kosten, die restlichen 3,12 Millionen Franken verbleiben der Gemeinde. Für die Planung verantwortlich ist das Büro Keller-Hubacher-Architekten aus Herisau. Dieses hat bereits Erfahrung mit der Sanierung von Gotteshäusern. So arbeiteten sie bereits bei der Renovation der Kirche St.Mauritius in Appenzell oder dem Umbau des Pfarrhauses Hörli mit einem Neubausaal in Teufen mit.

Zwei Lesungen im Einwohnerrat

Die 1606 erbaute Dorfkirche Herisau gehört der Gemeinde. Diese hat mit der evangelischen Kirchgemeinde einen Nutzungsvertrag. Bauliche Massnahmen müssen von Gemeinde und Kirchengemeinde abgesegnet und getragen werden. Die letzte Totalsanierung liegt 61 Jahre zurück. Kaum ein Stein blieb auf dem anderen, ein kleines Nebengebäude auf der Kirchmauer musste ebenso weichen wie Stuckaturen im Innenraum. 2002 wurde Handlungsbedarf im Innenraum festgestellt. 2007 starteten Gemeinde und Kirchgemeinde mit dem Verein Dorfkirche die Projektierung. 2017 wies der Einwohnerrat die Vorlage mit Kosten von 6,8 Millionen Franken in erster Lesung zurück. Grund: Das Projekt soll in einen gebundenen und einen ungebundenen Kredit geteilt werden. 2018 gab der Einwohnerrat grünes Licht für die Sanierung und Erweiterung.