Kirchenrätin fordert die Kirche zu neuen Blickwinkeln heraus

Im Kontext des Projektes «Kirche 2015» will die Evangelisch-reformierte Landeskirche beider Appenzell ihre Angebote den Bedürfnissen der Menschen anpassen. Die neue Kirchenrätin, Pfarrerin Barbara Stehle Stäubli, erachtet diese Bestrebungen nicht als der Weisheit letzter Schluss.

Roger Fuchs
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schwellbrunn. Die gewählte Kirchenrätin Barbara Stehle Stäubli, Schwellbrunn, ist überzeugt, dass der Evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell spannende Jahre bevorstehen – sei es aufgrund von strukturellen oder auch inhaltlichen Debatten wie beispielsweise der Frage, ob und wie die Kirche Werte in der Gesellschaft vermitteln kann. In einer solchen Phase eine Leitungsaufgabe zu übernehmen, habe sie motiviert, als Kirchenrätin zu kandidieren. Am 28. Juni wurde sie von der Synode mit grossem Mehr gewählt.

Der Liebe wegen

Barbara Stehle Stäubli ist in Balgach (SG) aufgewachsen und hat in Heerbrugg das Lehrerseminar besucht. Nachdem sie zwei Jahre als Lehrerin in Gossau gearbeitet hatte, entschied sie sich für das Theologiestudium in Zürich. Noch während des Studiums arbeitete sie bereits bei den Theologiekursen für Erwachsene mit. Ihr pfarramtliches Lernvikariat absolvierte sie im Aargau, ihre erste Stelle nach dem Studium trat sie in Schinznach-Dorf an.

1999 zog es Barbara Stehle Stäubli der Liebe wegen ins Appenzellerland, wo sie seither in verschiedenen Funktionen für die Evangelisch-reformierte Landeskirche beider Appenzell tätig ist. Derzeit und noch bis Ende Juli arbeitet sie als Pfarrstellvertreterin in Hundwil. Durch ihre Engagements und diversen Teilzeitstellen im Laufe der Jahre hat Barbara Stehle Stäubli viele Kirchgemeinden kennengelernt.

Offenheit braucht sie aber auch noch bei einem anderen ihrer Engagements: Barbara Stehle Stäubli sitzt in der Prüfungskommission des Konkordats der Evangelisch-reformierten Landeskirchen der Deutschschweiz. Sie amtet in dem 12köpfigen Gremium als Vizepräsidentin. Diese Aufgabe war es denn auch, die ihr am Tag ihrer Wahl in den Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell nicht ermöglichte, bis spät in die Nacht hinein zu feiern. Tags darauf hatte sie Prüfungen abzunehmen.

An der Aufgabe als Prüfungsexpertin schätzt die 48-Jährige, hautnah mitzuerleben, welche Pfarrpersonen künftig in der Kirche tätig sein werden (siehe Kasten).

Nicht nur bedürfnisorientiert

Als künftige Kirchenrätin beabsichtigt Barbara Stehle Stäubli, neue Blickwinkel zu fördern: Will man in der Appenzeller Kirche beispielsweise im Hinblick auf das Projekt «Kirche 2015» die Angebote den Bedürfnissen der Menschen anpassen, ist dies in ihren Augen nicht der Weisheit letzter Schluss.

«Statt nur zu überlegen, was den Menschen fehlt, könnte man auch versuchen, die vielen Gaben und Ressourcen der Menschen zu erkennen und zu nutzen», sagt sie. Der Vorteil liegt laut Barbara Stehle Stäubli auf der Hand: Werde jemand beispielsweise für eine konkrete Aufgabe angefragt, so habe er sich nicht gleich für zehn Jahre zu verpflichten.

Ein Umdenken und mehr Selbstbewusstsein seitens der Kirchenverantwortlichen fordert Stehle Stäubli überdies bei den kirchlichen Kerngeschäften wie beispielsweise der Seelsorge, den Beerdigungen oder Trauungen. «Wir bieten etwas Gutes an und dürfen dies auch zeigen», sagt sie.

«Seelsorge und Theologie»

Barbara Stehle Stäubli wird die neue Stelle als Kirchenrätin – ein, wie sie sagt, 10-Prozent-Pensum mit bis zu 40 Prozent Arbeit – am 1. September antreten. Sie übernimmt das Ressort «Seelsorge und Theologie» von ihrer Vorgängerin Dorothee Dettmers Frey.

Der Einsetzungsgottesdienst findet am 12. September statt.