Kirchenrätin Barbara Stehle tritt mit «Erkenntnis der Realität» zurück

AUSSERRHODEN. Vor gut drei Jahren ist Barbara Stehle aus Schwellbrunn in den Kirchenrat der evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell gewählt worden – jetzt gibt die Pfarrerin ihren Rücktritt auf die Herbstsynode hin bekannt.

Roger Fuchs
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Barbara Stehle (2. v. l.) – hier an der Sommersynode bei der Diskussion um die Eheberatungsstelle BEFL – verlässt den Kirchenrat. (Bild: rf)

Barbara Stehle (2. v. l.) – hier an der Sommersynode bei der Diskussion um die Eheberatungsstelle BEFL – verlässt den Kirchenrat. (Bild: rf)

AUSSERRHODEN. Vor gut drei Jahren ist Barbara Stehle aus Schwellbrunn in den Kirchenrat der evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell gewählt worden – jetzt gibt die Pfarrerin ihren Rücktritt auf die Herbstsynode hin bekannt. Stehle prophezeite bei Amtsantritt der Landeskirche spannende Jahre für die Zukunft. Dass sie nun bereits wieder zurücktrete, habe mit der Gründung einer eigenen Beratungsfirma zu tun, sagt Barbara Stehle auf Anfrage. Frustriert sei sie nicht. «Aber ich gehe mit der Erkenntnis der Realität.» Sie habe die Kirche gestalten wollen, ihre Erfahrung der letzten drei Jahre sei aber, dass man lieber verwalte, statt gestalte.

Finanzdruck zu klein

Gemäss Stehle, die dem Ressort «Theologie und Seelsorge» vorstand, herrscht in der Kirche die Angst, Bestehendes zu verlieren, wenn man mit dem Gestalten beginnen würde. «Solange die Finanzen stimmen, ist der Druck zu klein, um etwas zu verändern.» Lange Zeit habe sie selbst dies nicht wahrhaben wollen, bilanziert die Kirchenrätin. Komme hinzu, dass das bezahlte Kirchenratspensum deutlich kleiner sei, als die tatsächliche Arbeitszeit im Amt. Bei ihr seien – inklusive Spesen – 12,5 Prozent vergütet gewesen, in Tat und Wahrheit habe sie aber als Kirchenrätin teilweise bis zu 40 Prozent für die Landeskirche aufgewendet. «Das macht man eine bestimmte Zeit mit, dann muss man über die Bücher», so die Demissionierende.

Hat Zukunftsprozess lanciert

Barbara Stehle hat in ihrer Amtszeit nebst der Ressortarbeit unter anderem den Dankesanlass «Säg Dank» für die in der Kirche freiwillig Engagierten federführend verantwortet. Und sie lancierte den Zukunftsprozess «Zuekunft zöösle». Inzwischen ist dieser Prozess gestoppt worden – und so geht Barbara Stehle, wie sie sagt, auch in diesem Fall mit der «Erkenntnis der Realität»; der Realität, dass keine konstruktiven Vorschläge für Alternativen gemacht worden seien.

Sicher kein Grund für ihren Rücktritt seien die Unruhen der jüngeren Vergangenheit um die Beratungsstelle für Ehe- und Familienfragen (BEFL), so Barbara Stehle. Sie habe dieses «Geschäft» im Zusammenhang mit der diskutierten Schliessung übernommen, weil sie die besten Dossierkenntnisse gehabt hätte. Nach der Sommersynode und dem Entscheid über das «wie weiter», habe sie das «Geschäft BEFL» wieder an den im letzten Jahr gewählten Kirchenrat Thomas Gugger zurückgegeben, bei dessen Ressort «Diakonie und Gesellschaft» die BEFL seit September 2012 angesiedelt ist.

In der Kirche wird nun nach einem neuen Kirchenratsmitglied gesucht. In Frage kommt für das freiwerdende Ressort eine Theologin oder ein Theologe aus dem Appenzellerland. Die Herbstsynode, an der gewählt werden soll, findet am Montag, 25. November, statt.