Kirchendächer als Stromspender

In Wolfhalden und Oberegg sollen Solaranlagen auf Kirchendächern entstehen. Während die Wolfhäldler im Juni über eine Baukreditvorlage abstimmen, liegen sich in Oberegg der Pfarrer und die Denkmalpflege in den Haaren.

Roger Fuchs
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Während in Wolfhalden (Bild unten) bald über den Baukredit für eine Solaranlage auf dem Kirchendach abgestimmt wird, wehrt sich in Oberegg (Bild oben) die Denkmalpflege gegen ein entsprechendes Projekt. (Bilder: Martina Basista)

Während in Wolfhalden (Bild unten) bald über den Baukredit für eine Solaranlage auf dem Kirchendach abgestimmt wird, wehrt sich in Oberegg (Bild oben) die Denkmalpflege gegen ein entsprechendes Projekt. (Bilder: Martina Basista)

Was seit September 2010 auf dem Dach der Kirche Halden in der Stadt St. Gallen Realität ist, wird nun auch im Appenzellerland verfolgt: Gleich auf zwei Kirchendächern sollen Solaranlagen entstehen. «Das Dach der evangelischen Kirche in Wolfhalden liegt ideal», begründet Max Koch, Gemeindepräsident von Wolfhalden, das Projekt in seinem Dorf. Und wenn schon die ganze Schweiz von der Energiewende spreche, müsse sie auch unkonventionell angegangen werden. Ähnlich tönt es in Oberegg, wo der ortsansässige katholische Pfarrer Johann Kühnis die Idee einer Photovoltaikanlage auf dem Kirchendach forciert hat. «Die für die Anlage vorgesehene Dachfläche ist nach Süden ausgerichtet und vom Dorf aus nicht sichtbar», so Kühnis. Zudem habe die Kirche einen nachhaltigen Beitrag an die Ökologie zu leisten.

Unterschiedlich geschützt

Zwei Kirchendächer – zwei neue Solaranlagen? Nicht ganz. Während in Wolfhalden die Denkmalpflege hinter dem Projekt steht, wehren sich im innerrhodischen Oberegg Heimatschutz und Denkmalpflege. Dabei gilt es zu wissen, dass es sich bei der Kirche in Oberegg um ein kantonal geschütztes Objekt handelt, in Wolfhalden um ein kommunal geschütztes. «Wir sind nicht grundsätzlich gegen Solaranlagen», sagt Niklaus Ledergerber, Präsident der Innerrhoder Fachkommission Denkmalpflege. Hier gehe es aber um die Frage des Umgangs mit Kulturgut und um die Frage, wie man dem kunsthistorischen Wert des Gebäudes gerecht werde. Oberegg hat gemäss Ledergerber zudem etliche andere Flächen, auf denen eine Solaranlage das Ortsbild weniger stören würde.

Einvernehmlicher präsentiert sich die Situation in Wolfhalden. «Wir arbeiteten in den letzten Jahren immer wieder erfolgreich und konstruktiv mit Fredi Altherr von der Ausserrhoder Denkmalpflege zusammen», sagt Gemeindepräsident Max Koch. Auch ins Solarprojekt auf dem Kirchendach sei der Denkmalpfleger von Beginn weg involviert worden. Der zuständigen Arbeitsgruppe sei es sodann gelungen, einen Projektvorschlag zu erarbeiten, der auch die denkmalpflegerischen Bedürfnisse aufgefangen habe. Konkret äussert sich dies gemäss Koch darin, dass nun auf dem Süddach des Hauptschiffes der Wolfhäldler Kirche eine Ganzdachanlage geplant ist. Sie soll 270 Quadratmeter gross werden.

Keine Kompromisse

Hat man es in Oberegg folglich verpasst, Denkmalpflege und Heimatschutz frühzeitig ins Boot zu holen? Denkmalpfleger Niklaus Ledergerber verneint. «Es gibt in diesem Fall keine Kompromisse», sagt er. Entweder man habe eine Solaranlage auf dem Kirchendach oder man habe keine. Da spiele es letztlich keine Rolle, wie gross diese sei.

Obereggs 76jähriger Pfarrer Johann Kühnis lässt sich durch diese ablehnende Haltung nicht beirren. Bestärkt durch die kürzlich abgehaltene Kirchgemeindeversammlung, an der alle anwesenden Bürgerinnen und Bürger einstimmig für eine Photovoltaikanlage auf Obereggs Kirchendach votierten, wird nun ein Baugesuch vorbereitet. Die Finanzierung – 140 000 Franken – sei dank eines Testates gesichert, sagt Kühnis.

Abstimmung in Wolfhalden

In Wolfhalden wird dem Volk am 17. Juni eine Baukreditvorlage für eine Photovoltaikanlage auf dem Kirchendach unterbreitet. Es wird dort mit Projektkosten von 220 000 Franken gerechnet. Heisst das Volk den Kredit gut, soll das Baubewilligungsverfahren eingeleitet werden.

Kirchendach, Solaranlage-Ort, Kirche Oberegg (Bild: Martina Basista)

Kirchendach, Solaranlage-Ort, Kirche Oberegg (Bild: Martina Basista)

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