Kirche Mühlrüti feiert Geburtstag

Mit zahlreichen Aktivitäten feiern die Mühlrütner in diesem Jahr den 250. Geburtstag ihrer Pfarrei. Unter anderem sind verschiedene Gottesdienste, ein Kirchenkino, eine Turmbesichtigung oder ein Fotowettbewerb geplant. Aber auch die Geschichte der Pfarrei wird beleuchtet.

Beatrice Bollhalder
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MÜHLRÜTI. In der Kirchgemeinde Mühlrüti leben total 403 Einwohner, davon sind 345 Katholiken. Das kirchliche Leben nimmt also einen grossen Stellenwert im Dorf ein. In diesem Jahr wird in Mühlrüti der 250. Geburtstag der Pfarrei gefeiert. Den Auftakt des festlichen Jahres macht ein Jubiläumsgottesdienst am 19. März. Die Feierlichkeiten beginnen also am Gedenktag des Heiligen Josef, des Schutzpatrons der Mühlrütner Kirche. Anschliessend an den Gottesdienst sind alle Gottesdienstbesucher zu einem Apéro eingeladen. Wie die Glocken von Mühlrüti jeweils tönen, wenn sie zur Andacht rufen, können alle Hörer von SRF 1 am 26. April in einer Radiosendung zwischen 18.30 und 19 Uhr hören. Ein Mitglied des Festgremiums, das die Jubiläumsanlässe koordiniert, hat sich daran erinnert, dass das Schweizer Radio die Mühlrütner Glocken vor Jahren bereits einmal ertönen liess. Die Anfrage, ob eine erneute Ausstrahlung anlässlich des Jubiläums möglich wäre, wurde daraufhin positiv beantwortet.

Kino in der Kirche

Die Mühlrütner Schüler umrahmen am Sonntag, 25. Mai den Familiengottesdienst mit schönen Liedern. Anschliessend haben alle Interessierten die Möglichkeit, einmal bei einer Turmbesichtigung mit einer der beiden Mesmerinnen dabei zu sein. Mit einem gemeinsamen Kirchenkaffee wird dieser Anlass abgeschlossen. Was wohl im Kirchenkino geboten wird? Noch ist gemäss Auskunft von Esther Dreier nicht bestimmt, welcher Film dem Mühlrütner Publikum am 29. August abends um 20 Uhr in der Kirche vorgeführt wird. «Auf jeden Fall soll es etwas sein, das auch nach dem Verlassen der Kirche noch zum Nachdenken anregt», ist sich die Pfarreibeauftragte sicher. «Es kann ein Film mit spirituellem Hintergrund sein. Auf jeden Fall einer, der bewegt.» Mit einem Brunch – zu dem sich die Gottesdienstbesucher im Vorfeld anmelden müssen – soll der Erntedankgottesdienst am Bettag abgeschlossen werden. Michael Steuer, Pfarreibeauftragter von Lütisburg, frönt derzeit seinem Hobby und betreibt in Tauf- und Sterbebüchern von Mühlrüti Ahnenforschung. In einem interessanten Referat wird er am 18. November der Dorfbevölkerung einiges über deren Vorfahren erzählen können. Alex Hollenstein – der neben Walter Hollenstein und den Kirchenverwaltungsmitgliedern ebenfalls dem Festgremium angehört – wird am gleichen Abend in der Pfarreistube geschichtliche Hintergründe der Pfarrei präsentieren. Ebenfalls im November ist ein Meditationsabend geplant. Dieser wird eventuell von jemandem aus dem nahegelegenen Kloster Fischingen durchgeführt.

Kirche genauer betrachten

Anhand von acht bis zehn Fotos, die kleinste Details aus der Kirche Mühlrüti zeigen, wird ein Fotowettbewerb lanciert. Bei der Suche dieser Sujets – jedes Foto wird während kurzer Zeit aufgelegt und dann vom nächsten abgelöst – erhoffen sich die Verantwortlichen, dass sich die Kirchenbesucher einmal die Zeit nehmen, um die schöne Kirche und die faszinierenden Bilder genauer zu studieren. «Es darf ruhig einmal gestaunt werden, welche Kostbarkeiten in der Kirche Mühlrüti vorhanden sind», erklärt Esther Dreier. Sie wird im Jubiläumsjahr ausserdem zwei Gemälde der Kirche Mühlrüti in ihren Predigten zum Thema machen.

Grundstein gelegt

Die Bauern des kleinen Ortes am Fusse der Hulftegg gehörten früher zur Kollatur des Klosters Fischingen. 1652 entstand eine erste Kapelle in Mühlrüti. Josef Holenstein liess auf seinem Grundstück vor dem späteren Gasthof Hirschen eine Josefskapelle bauen. Geistlicher Förderer dieses Unternehmens war Prior Pater Joachim Seiler, der spätere Abt von Fischingen. Zwanzig Jahre später erfolgte die Einsegnung der Kapelle. Die Stiftungsgelder durften jedoch nicht dem Kirchenfonds in Mosnang zufliessen, sondern galten bald einmal als Grundstock einer eigenen Pfarreigründung. Nur dank dem beständigen Drängen und Bitten der Mühlrütner Gläubigen konnte am 30. August 1764 unter Abt Cölestin Gugger von Staudach die formelle Pfarreigründung vollzogen werden. Vorausgegangen war ein jahrelanges Tauziehen zwischen dem Bistum Konstanz und den Klöstern Fischingen und St. Gallen. 1761 wurden der Bau einer Kirche und eines Pfarrhauses in Angriff genommen. Nach einem, im Jahr 1763, vom Bischof von Konstanz verhängten Baustop trat ein Stillstand ein. Erst als die Pfarreigründung – etwa ein halbes Jahr später – gesichert war, erhielten die Nachfahren des Josef Holenstein am 21. April 1764 die Erlaubnis, die alte Kapelle abzubrechen, um das Baumaterial und das Inventar für die neue Kirche zu verwenden. Johann Josef Andermatt von Zug wurde der erste Pfarrer von Mühlrüti.

Ständige Erweiterungen

Vorerst begnügte man sich mit der alten Kapellausstattung und verzichtete auf ein Angebot, die alten Altäre aus der 1761 abgebrochenen Kirche Niederbüren zu übernehmen. 1769 kaufte man – zusätzlich zum übernommenen Kapellglöcklein – in Konstanz eine Glocke von 10 Zentnern im Betrag von 240 Gulden ein. 1772 lieferte Jakob Schneider von Bussenhausen eine Turmuhr. In den Jahren 1826 und 1827 wurde ein neues, heute noch bestehendes Pfarrhaus gebaut, für welches der katholische Administrationsrat 1200 Gulden beisteuerte. 1850 wurden die Kirchenbänke renoviert sowie das Dach der Kirche und des angebauten Pfarrhauses ausgebessert. Die Orgel kostete damals 1500 Franken. Sie kam auf der Westempore zu stehen.

1861 wurde das angebaute Pfarrhaus abgebrochen und auf dessen Grundmauern die Kirche um knapp einen Drittel nach Westen verlängert. Drei Jahre später fand die erste Restaurierung des Innern statt. Und nach weiteren vier Jahren wurden zwei Glocken aus der abgebrochenen Stadtkirche Lichtensteig angekauft. 1924 erhielten die Mühlrütner eine neue Orgel mit dreiachsigem Arkadenprospekt. Ein Jahr später gab es eine neue Uhr. Ein neues vierteiliges Geläut wurde 1931 installiert. 1960 erfolgte dann der Bau einer neuen Sakristei östlich des Turms. Eine Gesamtrestaurierung, bei der die neuen Beichtstühle im Schiff plaziert wurden, fand 1975 statt.

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