Kirchbürger greifen nach «Erika»

Mit nur sechs Stimmen Unterschied heissen die Kirchbürger von Gonten den Kauf der Liegenschaft Erika gut. Der Kirchenpräsident sieht sich in der Debatte zuvor mit kritischen Stimmen konfrontiert. Einer spricht von Erpressung.

Roger Fuchs
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Bernhard Koch Kirchbürger. Er empfindet die Situation als Erpressung.

Bernhard Koch Kirchbürger. Er empfindet die Situation als Erpressung.

GONTEN. Die Meinungen über den Erwerb der Liegenschaft Erika gehen an der ausserordentlichen Kirchhöri Gonten am Donnerstagabend so weit auseinander, dass bei der Abstimmung ausgezählt werden muss. Resultat: 41 Bürgerinnen und Bürger stimmen dem Kauf zu, 35 sind dagegen. Folglich verfügt die Kirchgemeinde St. Verena Gonten künftig über ein Liegenschaftstrio in einer Reihe: Kirche, Pfarrhaus, und eben die «Erika». 513 000 Franken sind dazu der heutigen Eigentümerin, der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, zu zahlen.

Deutlicher ist der Ausgang beim zweiten vorliegenden Antrag. Mit klarem Mehr wird dem Kirchenrat von Gonten die Kompetenz verweigert, das alte Mesmerhaus zu veräussern. Erst soll klar sein, was man mit der «Erika» überhaupt will und wie hoch ein allfälliger weiterer Finanzbedarf für Umbauarbeiten ist.

Bürger fühlt sich erpresst

Viel «Munition» zum Abschuss des Liegenschaftserwerbs mitgebracht hat der ehemalige Schulpräsident und Ex-Grossrat Bernhard Koch. Die Sache gehe ihm zu schnell. Erst sollen Gespräche zwischen Schule, Bezirk und Kirche stattfinden, die Bedürfnisse abgeklärt und dann über einen allfälligen Kauf entschieden werden. Die Zürcher Kirche als Verkäuferin soll sich bis zur ordentlichen Kirchhöri im 2017 gedulden. «Das geht nicht», so Kirchenratspräsident Josef Manser. «Die Frist wurde auf unser Ersuchen bereits zweimal verlängert.» Würde man dem Erwerb heute nicht zustimmen, komme die Liegenschaft ab September auf den Markt. Danach müsse man sich in die Reihe der ordentlichen Bieter stellen und bekäme die Liegenschaft nicht mehr zehn Prozent unter dem aktuell geschätzten Verkehrswert. Dies alles zusammen empfinde er als «Erpressung», konterte daraufhin nochmals Bernhard Koch.

In weiteren gegnerischen Voten war zu hören, die «Erika» sei ein «alter Haufen», es fehle ein Parkplatzkonzept, die Steuerbelastung für Gonten werde nicht kleiner und man dürfe sich keinen Auflagen der Zürcher beugen.

Kein Abbruchverbot

Die einzige Auflage, wenn man denn von einer solchen sprechen wolle, sei, dass das Haus zu kirchlich-gemeinschaftlichen, pastoralen oder sozial-diakonischen Zwecken genutzt oder vermietet werden soll, klärte Josef Manser. «Ein Abbruchverbot wird nicht gemacht.» Mehrfach wiederholte er zudem, es gehe jetzt nur darum, ob Gonten sich die Liegenschaft sichern und der Immobilienspekulation entziehen wolle. Die detaillierte Nutzung würde in einem zweiten Schritt erarbeitet. Unterstützung für diese Argumentation gab es von Gontens Hauptmann und Grossrat Ruedi Eberle sowie Grossrat Ruedi Ulmann. Letzterer dachte zudem laut darüber nach, einen Teil des Hauses allenfalls einer touristischen Nutzung zuzuführen.

Kompetenz verweigert

Nach der knappen Annahme des Liegenschaftserwerbs kam der zweite Antrag ebenfalls zur Abstimmung. Damit hätte dem Kirchenrat von Gonten die Kompetenz zur Veräusserung des alten Mesmerhauses erteilt werden sollen. Josef Manser sprach angesichts des Kaufs der «Erika» quasi von einem Abtausch. In den nächsten Jahren werde sich im Mesmerhaus zudem Erneuerungsbedarf einstellen.

Die Kirchbürgerinnen und -bürger hingegen wollen das Gebäude vorerst behalten und verweigerten die Kompetenzerteilung zum Verkauf. Noch sei nicht klar, wie die «Erika» genutzt würde und wie hoch der weitere Finanzbedarf sei, sagte der Bürger Urban Fässler. «Der Kirchenrat wird auf der Basis der heutigen Entscheide weiterarbeiten», schloss Josef Manser sodann die ausserordentliche Kirchhöri.

Josef Manser Kirchenratspräsident der Kirchgemeinde Gonten

Josef Manser Kirchenratspräsident der Kirchgemeinde Gonten

Die Liegenschaft Erika, dahinter das Pfarrhaus und die Kirche – alle diese Immobilien gehören künftig der Katholischen Kirchgemeinde Gonten. Dazu kommt das alte Mesmerhaus. (Bilder: rf)

Die Liegenschaft Erika, dahinter das Pfarrhaus und die Kirche – alle diese Immobilien gehören künftig der Katholischen Kirchgemeinde Gonten. Dazu kommt das alte Mesmerhaus. (Bilder: rf)