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KIRCHBERG: «Wir fühlen uns wie mit 17»

Der 63-jährige Paul Steiner geht am Ende des Schuljahres in Pension. Der langjährige Reallehrer der Bazenheider Oberstufe freut sich zusammen mit Ehefrau Bella auf den dritten Lebensabschnitt.
Beat Lanzendorfer
Bella und Paul Steiner: Abflug im Opel-Cabriolet in eine spannende Zukunft. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Bella und Paul Steiner: Abflug im Opel-Cabriolet in eine spannende Zukunft. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Beat Lanzendorfer

beat.lanzendorfer@

toggenburgmedien.ch

«Ich bin der letzte Alte eines Teams, dem Willy Schönenberger, Ernst Rutz, Josef Moser, Fredy Burkhalter und Josef Egli angehörten», meint Paul Steiner mit einem Schmunzeln. Lehrer, welche die Bazenheider Oberstufe während Jahrzehnten prägten. Mit der Pensionierung des «letzten Alten» ist der Generationenwechsel definitiv vollzogen. Nicht selten drückten Mutter und Tochter, Vater und Sohn im Verlauf der Jahre beim selben Lehrer die Schulbank. Auch bei Paul Steiner, der in seinen 42 Jahren im Schulhaus an der Flurstrasse mehrere hundert Schülerinnen und Schüler auf das Berufsleben vorbereitete. Um seine jetzige Realklasse macht sich der kommende Rentner keine Sorgen: «Mit Ruedi Beutler weiss ich sie in guten Händen.»

Das Lehrerseminar in Wattwil absolviert

Der Weg führte den in Kaltbrunn Aufgewachsenen eher zufällig nach Bazenheid. «Während meiner Ausbildung am Lehrerseminar in Wattwil hatte ich mit einem Kollegen vereinbart, dass wir unsere erste Lehrerstelle am selben Schulhaus antreten werden.» Mit der gemeinsamen Zusage in Jonschwil waren die Pläne aufgegleist. Kurz vor dem Stellenantritt erhielt Paul Steiner eine Absage. Jonschwil konnte ihn nicht einstellen, weil es zu wenig Schülerinnen und Schüler für die geplante 1. Abschlussklasse gab. Weil Mitte der siebziger Jahre ein akuter Lehrermangel auftrat, hat Hans Locher, der damalige Kirchberger Schulpräsident, die Chance gepackt und den 21-Jährigen vom Fleck weg verpflichtet. Es war auch die Zeit, in welcher der Junglehrer seine jetzige Ehefrau Bella kennenlernte. Im Gespräch erklärt er mehrmals: «Wir verstehen uns als Team. Ich durfte in all den Jahren ihren Rückhalt spüren und bin ihr dafür sehr dankbar.» Zum Teamgedanken zählte auch die Unterstützung in den Klassenlagern, in denen Bella zusammen mit einer Kollegin während vieler Jahre für die Lagerküche verantwortlich war.

Hiess der erste Wohnsitz des jungen Paares Waldeggstrasse 11, Bazenheid, konnte die Familie, zu der später die Kinder Fabienne (heute 36) und Pascal (34) hinzukamen, im weiteren Verlauf ein Reiheneinfamilienhaus in Kirchberg käuflich erwerben. Auf eine Anekdote früherer Jahre angesprochen, huscht ein breites Grinsen über das Gesicht von Paul Steiner: «Ich habe vor kurzem im Schularchiv ein Foto des oben erwähnten Sextetts entdeckt, auf dem wir an einem Schulwandertag rauchend und Bier trinkend auf einer Bank sitzen. Heute hätte ein solches Verhalten wohl die Kündigung zur Folge, damals war es Alltag.» Die Frage, ob die Schule früher besser war, möchte er nicht weiter kommentieren. «Sie war sicher weniger reglementiert und Pro­bleme wurden meistens mit einer Portion gesundem Menschenverstand gelöst.» Weniger anspruchsvoll war es nicht. Unterrichtete er als junger Lehrer 13 Fächer, darunter Gartenbau, Schönschreiben, Verkehrskunde oder Bibellehre, sind es heute noch sechs. «Eine Portion Gelassenheit, Vertrauen in die Jugend, gegenseitiger Respekt, Vorbild sein und die Fähigkeit, Enttäuschungen schnell zu verarbeiten, denn es kommt sehr viel zurück», antwortet der 63-Jährige auf die Frage, was es braucht, um auch nach 42 Jahren das Schulhaus immer noch mit dem gleichen Elan zu betreten. Langjährige Kontakte mit ehemaligen Schülern bestätigen ihm, dass sein Rezept so schlecht nicht war. Und weiter: «Ich habe meinen Beruf immer auch als Vorbereitung fürs Leben verstanden, dabei sind eigene Kinder sicher hilfreich.»

Überall ein Langstreckenläufer

Paul Steiner ist sowohl an der Bazenheider Oberstufe als auch im sportlichen Leben ein Langstreckenläufer. Nur zurückhaltend rückt er mit seiner Marathon-Bestzeit heraus: 2:32 Stunden. «Das liegt aber Jahre zurück, heute nehme ich es gemütlicher und mit einer Portion Genuss.» Ein gutes Stichwort: «Wir wünschen uns noch viele gemeinsame, genussreiche Jahre.» Dazu gehören für die zweifachen Grosseltern die Spaziergänge und Wanderungen im Südtirol, ihrer zweiten Heimat. Nicht zu vergessen die Ausfahrten im geliebten Opel-Cabrio. «Wenn wir damit unterwegs sind, fühlen wir uns wie mit 17», lacht Ehefrau Bella. Nebst dem Genuss erwartet Bella auch ein Verwöhnprogramm. Ehemann Paul hat sich vorgenommen, als Hobbykoch vermehrt Zeit in der Küche zu verbringen. Ganz ohne Schule geht es auch in Zukunft nicht. Als Mentor für angehende Oberstufenlehrer wird Paul Steiner sein 20-Prozent-Pensum an der pädagogischen Hochschule in St. Gallen (PHSG) beibehalten.

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