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KIRCHBERG: «Es war der absolut richtige Entscheid»

Am 1. Januar hat Roman Habrik die Nachfolge von Christoph Häne als Gemeindepräsident angetreten. Nach rund zwölf Monaten zieht er ein erstes Fazit und blickt auf eine Zeit, die er als abwechslungsreich, intensiv und interessant bezeichnet.
Beat Lanzendorfer
Der 48-jährige Roman Habrik hat als Kirchberger Gemeindepräsident zwölf intensive Monate hinter sich. Er geniesst seine tägliche Arbeit und fühlt sich als Gemeindeoberhaupt sehr wohl. (Bild: Simon Dudle)

Der 48-jährige Roman Habrik hat als Kirchberger Gemeindepräsident zwölf intensive Monate hinter sich. Er geniesst seine tägliche Arbeit und fühlt sich als Gemeindeoberhaupt sehr wohl. (Bild: Simon Dudle)

Beat Lanzendorfer

beat.lanzendorfer@

toggenburgmedien.ch

Roman Habrik, am 1. Januar haben Sie in Kirchberg das Amt des Gemeindepräsidenten angetreten. Was ziehen Sie für ein Fazit knapp zwölf Monate später?

Es war der absolut richtige Entscheid, etwas Neues zu wagen. Gemeindepräsident ist die abwechslungsreichste, interessanteste, aber auch intensivste Aufgabe, die ich bisher hatte. Ich geniesse jeden Tag und fühle mich sehr wohl bei meiner Arbeit. Ich bin beeindruckt von den vielen Menschen, welche die Gemeinde durch unzählige Stunden freiwilliges Engagement so lebenswert machen, wie sie ist.

Was hatten Sie vor Ihrem Antritt für Erwartungen und wurden diese erfüllt?

Das wichtigste ist immer ein gutes Team. Ich war gespannt auf meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung und wie der Gemeinderat funktioniert. Es ist nichts entscheidender als eine gute Zusammenarbeit. Diese ist im Gemeindehaus sehr konstruktiv und verbunden mit gegenseitigem Respekt, auch wenn wir nicht immer alle derselben Meinung sind. Die Angestellten der Gemeinde sind effizient und geniessen einen guten Ruf. Das schätze ich sehr.

Sie sind Gemeindepräsident einer Gemeinde mit einer Fünf-Dörfer-Struktur. Spüren Sie die kulturellen Unterschiede?

Dass die fünf Dörfer eine unterschiedliche Kultur haben, liegt aufgrund der Zusammensetzung der Bevölkerung auf der Hand. Ich spüre unterschiedliche Ansprüche, was die Gemeinde in jedem der Dörfer ermöglichen soll. Sonst hat die unterschiedliche Kultur aber wenig Einfluss auf meine tägliche Arbeit.

Sie waren vorher in einer Führungsfunktion in der Privatwirtschaft. Wo liegen die grössten Unterschiede?

Ein grosser Unterschied ist sicher das Öffentlichkeitsprinzip. Bei jedem Entscheid muss ich mich fragen, ob und wie er akzeptiert wird, wenn dann in der Zeitung darüber berichtet oder wenn darüber abgestimmt wird. Ich bin nicht mehr dafür verantwortlich, eine Zielvorgabe bezüglich Umsatz oder Deckungsbeitrag zu erreichen. Meine Aufgabe ist es, die Gemeinde so weiterzuentwickeln, dass eine Mehrheit der Bevölkerung damit zufrieden ist. Dies zusammen mit vom Volk gewählten Gemeinderäten, die selber alle auch eine eigene Meinung haben.

Kirchberg ist seit einem Jahr Einheitsgemeinde. Ist der Einbezug der Schulgemeinde in die Politische Gemeinde gut verlaufen?

Die Einheitsgemeinde ist gut gestartet. Obwohl im selben Haus, gab es einige Unterschiede zwischen der Schul- und der Gemeindeverwaltung. Wie bei jeder Neuorganisation muss man sich erst finden, die neuen Verantwortlichkeiten klären und unterschiedliche Regelungen vereinheitlichen. Der Integrationsprozess ist noch nicht ganz abgeschlossen, wir sind aber gut auf Kurs und bereits jetzt ein Team unter demselben Dach geworden.

Wo traten Schwierigkeiten auf?

Falls man überhaupt von Schwierigkeiten sprechen kann, dann am ehesten dabei, die Buchhaltung zusammenzuführen und ein gemeinsames Budget zu erstellen.

Kurz nach Ihrem Amtsantritt haben Sie das «offene Ohr» ins Leben gerufen. Haben sich die persönlichen Gespräche mit Einwohnerinnen und Einwohnern bewährt?

Vielfach melden sich Personen, wenn sie mit etwas nicht einverstanden sind. Zum «offenen Ohr» habe ich sehr viele positive Reaktionen erhalten. Es war ein Wahlversprechen, das ich gemacht habe. Ich war gespannt, wie es ankommt. Die Termine sind sehr gut besucht und haben auch schon länger gedauert als geplant. Es wird sehr geschätzt, unkompliziert und ohne Voranmeldung mit mir zu sprechen. Dabei ist kein Thema unwichtig. Ich habe mir diese Zeit reserviert und kümmere mich um die Anliegen.

Konnten konkrete Forderungen, die beim «offenen Ohr» angesprochen wurden, umgesetzt werden?

Meistens geht es nicht um Forderungen, sondern um Anregungen, ein nachbarschaftliches Problem zu lösen oder eine Auskunft zu erhalten. Aus dem «offenen Ohr» im November sind noch zwei Themen offen. Sonst konnte ich alle Fragen und Anliegen klären oder beantworten.

Kirchberg wird sich in den kommenden Jahren durch die Schulneubauten massiv verschulden müssen. Ist trotzdem noch Geld für weitere Investitionen vorhanden (Stichwort Kunstrasen für den FC Kirchberg und den FC Bazenheid)?

Nach dem Aufstieg des FC Bazenheid in die 2. Liga Interregional verlangt der schweizerische Fussballverband einen breiteren Grünstreifen rund um das Spielfeld. Eine teure Massnahme, bei der ich zu Aufwand und Ertrag ein Fragezeichen mache. Eine erste Kostenschätzung geht von 100 000 Franken aus, wobei die Finanzierung noch nicht geklärt ist. Bevor dann ein Kunstrasenplatz geplant wird, der nochmals deutlich mehr kostet, gibt es allenfalls andere Vereine, die auch Bedürfnisse haben.

Auch das Kirchberger Dorfzentrum wird sich massiv verändern. Welche Rolle spielt die Gemeinde dabei?

Die Gemeinde war federführend bei der Testplanung und gibt somit vor, was auf welchem der verschiedenen Grundstücke gebaut werden soll. Für die einzelnen Projekte sind aber Private verantwortlich. Sie müssen im Austausch und in Absprache mit dem Gemeinderat einen Sondernutzungsplan ausarbeiten. Dieser wird schlussendlich durch den Gemeinderat erlassen. Die erste geplante Überbauung mit neuer Bank, neuem Volg und weiteren Wohn- und Gewerbeflächen ist sicher sehr positiv für das Zentrum von Kirchberg. Aus Sicht der Gemeinde planen wir zusätzlich, die Gähwilerstrasse und die Kreuzung im Zentrum neu zu gestalten.

Nun zu einem ganz anderen Thema. In den vergangenen Monaten war der Rassismus, vor allem in Bazenheid, ein Thema. Hat die Gemeinde ein Problem? Wie geht der Gemeinderat mit diesem Thema um?

An den Schulen leben wir eine Nulltoleranz. Fachleute erwähnen, dass das Problem im Toggenburg eher präsent ist als in anderen Regionen. Wir überlegen uns im Gemeinderat, mit welchen Massnahmen wir die Bevölkerung im nächsten Jahr sensibilisieren können. Man kann nicht den aktuellen Zustand messen, eine Massnahme ergreifen und dann prüfen, ob es etwas genützt hat. An- sätze zu finden, die langfristig wirken, ist gar nicht so einfach.

Ist es als Gemeindepräsident eigentlich schwierig, Privates und Geschäftliches zu trennen?

Privates und Geschäftliches vermischt sich manchmal schon. Eine Belastung ist das aber bis jetzt nicht. Wenn jemand am Wochenende, in meiner Freizeit, noch schnell etwas Geschäftliches besprechen will, verlange ich ohne schlechtes Gewissen, mit mir unter der Woche einen Termin zu vereinbaren.

Sie sind Vater von drei Kindern im Alter von 5, 6 und 8 Jahren. Finden Sie Zeit für sie?

Die Familie sehe ich neu oft auch beim Mittagessen, das ist eine grosse Lebensqualität. Am Abend bin ich schon sehr oft unterwegs. Falls möglich, versuche ich Termine erst ab 19.30 Uhr zu legen, sodass ich zu Hause essen kann. Am Wochenende verzichte ich auf den einen oder anderen Anlass, damit ich Zeit für die Familie habe, das ist mir sehr wichtig. Im Turnverein mitzumachen oder mich mit Freunden zu treffen, ist aber schwierig und eher selten geworden.

Auf welchen Projekten liegt der Fokus des Gemeinderates im kommenden Jahr?

Ein grosses Projekt wird die Raumplanung sein. Das neu eingeführte Planungs- und Baugesetz verlangt eine Überarbeitung der Richtplanung, der Zonenplanung und des Baureglements. Das nehmen wir in Angriff, dauert aber sicher mehr als ein Jahr. Wichtig sind auch die beiden Abstimmungen zur Erweiterung der Oberstufe Flurstrasse und zur Erstellung des neuen Primarschulhauses an der Neugasse in Bazenheid, damit bei beiden Projekten der Spatenstich so schnell wie möglich erfolgen kann. Es ist wichtig, dass wir allen Schülerinnen und Schülern ein vernünftiges Schulzimmer zur Verfügung stellen können. Zudem ist der «Sonnegrund», Haus für Betagte, baulich in die Jahre gekommen. Hier werden wir im Gemeinderat die Weichen für die Zukunft stellen.

Wenn Sie in einem Jahr ein Fazit ziehen: Was möchten Sie erreicht haben?

Dieses Jahr war geprägt durch die Einarbeitung und unüblich viele Planungs-Projekte, die zum Teil im Interview bereits angesprochen wurden (Schulhäuser, Mehrzweckhalle, Zentrum Kirchberg, Stelz, zahlreiche Überbauungspläne, Anmerkung der Redaktion). Kirchberg 2020 ist bald nicht mehr ganz aktuell. Ich möchte im nächsten Jahr mit dem Gemeinderat den Prozess «Kirchberg 2030» anstossen. Zufrieden bin ich dann, wenn ich Ende Jahr erneut sagen kann, dass wir aus der Gemeinde unser Bestes gegeben haben.

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