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Kinderdorf nimmt Flüchtlinge auf

Das Kinderdorf Pestalozzi knüpft an eine alte Tradition an. Ab Anfang Mai bringt der Kanton Appenzell Ausserrhoden in Trogen minderjährige Asylsuchende unter. Die Betreuung der Jugendlichen übernimmt der Verein Tipiti.
Michael Genova
Der Kanton Appenzell Ausserrhoden mietet zwei Häuser im Kinderdorf Pestalozzi: Sie bieten Platz für 30 minderjährige Flüchtlinge. (Bild: mge)

Der Kanton Appenzell Ausserrhoden mietet zwei Häuser im Kinderdorf Pestalozzi: Sie bieten Platz für 30 minderjährige Flüchtlinge. (Bild: mge)

TROGEN. Immer mehr Kinder und Jugendliche fliehen ohne Eltern oder Verwandte in die Schweiz. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden will solche Jugendliche ab dem 2. Mai im Kinderdorf Pestalozzi unterbringen. Damit wollen die Behörden eine optimale Betreuung sicherstellen – denn zurzeit werden Kinder oft zusammen mit Erwachsenen untergebracht. «Wir haben die Pflicht, die besonderen Schutzbedürfnisse der Minderjährigen sicherzustellen», sagte der Ausserrhoder Landammann Matthias Weishaupt gestern an einer Pressekonferenz.

Kinderdorf vermietet Häuser

Der Kanton hat mit zwei Partnern eine Vereinbarung abgeschlossen: Der Verein Tipiti wird für die Betreuung der Jugendlichen verantwortlich sein, die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi vermietet zwei Häuser mit je 15 Plätzen. Momentan sind Appenzell Ausserrhoden 27 jugendliche Asylsuchende zugewiesen. Sie leben in der «Landegg» in Lutzenberg, im Zentrum Thurhof in Oberbüren und in Wohngemeinschaften in den Gemeinden. Ab Anfang Mai werden sie schrittweise nach Trogen umziehen. Bei Bedarf könne der Kanton ein weiteres Haus mit 15 Plätzen mieten, sagte Matthias Weishaupt. Die Betreuung der Jugendlichen kostet rund 100 Franken pro Tag. Davon übernimmt der Bund 50 Franken, für die restlichen Kosten kommen zu 90 Prozent die Gemeinden auf, 10 Prozent übernimmt der Kanton.

Zurück in den Alltag

Der Verein Tipiti wurde 1976 gegründet und hat sich auf die Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Lebensläufen spezialisiert. In Trogen soll Tipiti den jugendlichen Flüchtlingen helfen, sich in ihrem neuen Umfeld zurechtzufinden und sich auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten. Auch für Deutschkurse ist der Verein zuständig. «Diese Jugendlichen sind völlig entwurzelt – wir müssen ihnen wieder einen normalen Alltag bieten», sagte Rolf Widmer, Leiter von Tipiti. Neben der Integration sei es auch Ziel, dass die jungen Menschen dereinst wieder in ihr Heimatland zurückkehren könnten.

Das Kinderdorf sei ein optimales Umfeld für den Start in ein neues Leben, sagte Urs Karl Egger, Geschäftsführer Stiftung Kinderdorf Pestalozzi. Das Kinderdorf hat eine lange Tradition in der Förderung benachteiligter Kinder und Jugendlicher. Gegründet wurde es nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Ziel, europäischen Kriegswaisen eine neue Heimat zu bieten. Heute liegt der Schwerpunkt auf der Bildung. Jährlich kommen rund 2000 Jugendliche aus der Schweiz und aus Ost- und Südeuropa für Austauschprojekte nach Trogen.

Positiv über den Entscheid des Kantons äusserte sich auch der Gemeinderat Trogen. «Wir stehen hinter diesem Projekt», sagte Vizepräsidentin Annelies Schmid. Die Gemeinde habe Flüchtlingskindern immer wieder Zuflucht gewährt. Annelies Schmid begrüsste zudem, dass der Verein Tipiti die Betreuung übernehmen wird. «Die Kinder und Jugendlichen haben hier zum ersten Mal wieder ein Zuhause – das ist extrem wichtig.»

Sprunghafter Anstieg

Bis vor einigen Jahren war das Phänomen der unbegleiteten Flüchtlingskinder in der Schweiz noch relativ unbedeutend. Im vergangenen Jahr reisten laut Staatssekretariat für Migration 2736 minderjährige Asylsuchende alleine in die Schweiz ein. Dies sind mehr als dreimal so viele wie noch 2014. Die meisten Jugendlichen kamen 2015 aus Eritrea (1191), Afghanistan (909) und Syrien (228).

Matthias Weishaupt Landammann Appenzell Ausserrhoden (Bild: mge)

Matthias Weishaupt Landammann Appenzell Ausserrhoden (Bild: mge)

Rolf Widmer Operativer Leiter Verein Tipiti (Bild: mge)

Rolf Widmer Operativer Leiter Verein Tipiti (Bild: mge)

Urs Karl Egger Geschäftsführer Stiftung Kinderdorf Pestalozzi (Bild: mge)

Urs Karl Egger Geschäftsführer Stiftung Kinderdorf Pestalozzi (Bild: mge)

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