KINDERBETREUUNG: Stundenweise zweite Familie sein

Immer mehr arbeitende Mütter setzen im Thur- und Neckertal auf das Angebot des Vereins Tagesfamilien Toggenburg. Sie geben ihre Kinder während der Arbeit in die Obhut anderer Elternteile.

Martina Signer
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Alessandra Rauch ist Tagesmutter für Moritz und Robin. Rechts ihr eigener Sohn Matheo, der sich als Einzelkind besonders darüber freut, Spielkameraden bei sich zu haben. (Bilder: Martina Signer)

Alessandra Rauch ist Tagesmutter für Moritz und Robin. Rechts ihr eigener Sohn Matheo, der sich als Einzelkind besonders darüber freut, Spielkameraden bei sich zu haben. (Bilder: Martina Signer)

Martina Signer

martina.signer@toggenburgmedien.ch

Es gibt auch Tagesväter. So viel vorweg. Nicht nur Hausfrauen betreuen stunden- oder tageweise Kinder anderer Familien. «Die sind allerdings sehr selten. Wir hatten bis jetzt im Toggenburg erst einen Vater, der diesen Job gemacht hat», sagt Brigitte Forrer. Sie ist Vermittlerin des Vereins Tagesfamilien Toggenburg und dafür zuständig, dass sich Betreuende und Eltern, die ihre Kinder in die Obhut einer Tagesfamilie geben möchten, finden. Wenn sie sich gefunden haben, wird ­alles Administrative, das anfällt, vom Verein respektive der Vermittlerin abgewickelt, wie etwa das Einholen von Eignungsbescheinigungen für die betreuenden Eltern oder das ganze Vertrags- und Versicherungswesen. In den Verträgen sind unter anderem auch die Abgabe- und Abholzeiten fixiert. «Diese gilt es nach Möglichkeit einzuhalten», steht im Vertrag. «Wenn es Probleme bei der Vermittlung von Tages­eltern gibt, dann entstehen sie meist aus diesen fixierten Zeiten», sagt Forrer, die seit 2008 Vermittlerin und zuvor jahrelang Tagesmutter war. «Oft kommt es vor, dass Mütter, die im Berufs­leben stehen, plötzlich länger arbeiten müssen. Die betreuenden Mütter brauchen aber eine Regelmässigkeit in den Zeiten, auf die sie sich verlassen können.» Das sei das grösste Spannungsfeld. Ansonsten funktioniert das Konzept jedoch gut. «Es wäre aber schön, wenn wir mehr Tagesfamilien hätten», erklärt Brigitte Forrer.

Betreute Kinder werden immer jünger

Immer mehr frisch gebackene Mütter wollen gleich nach der Babypause wieder arbeiten, damit sie den Fuss in der Arbeitswelt behalten und so rasch wie möglich weiter an ihrer Karriere feilen können. «Es fällt uns auf, dass immer mehr ganz kleine Kinder in Tagesfamilien gegeben werden.» Doch wie hält sich so die Waage zwischen arbeitenden und betreuenden Müttern? «Das ist die Herausforderung. Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen bei Tageseltern hat in den letzten Jahren stark zugenommen.» Im Toggenburg sei das Angebot derzeit knapp. Dennoch versuche man, Familien zusammenzuführen, die sich gegenseitig sympathisch sind und die Ansprüche der Gegenseite erfüllen können.

Sympathie zwischen den Familien ist sehr wichtig

«Vor Vertragsabschluss lernen sich die Familien kennen. Es ist wichtig, dass man sich in Erziehungsfragen einig ist. Am wichtigsten ist jedoch die gegenseitige Sympathie», führt Brigitte Forrer aus. Sie selbst empfand es als grosse Bereicherung, Tageskinder zu betreuen. Und Sohn Sven, der Einzelkind war, habe es auch sehr geschätzt, Spielkameraden zu haben. «Ich würde es immer wieder machen.» Es sei auch eine gute Möglichkeit, als Mutter ein Einkommen zu generieren. Tagesmütter erhalten ihren Lohn pro Kind und Stunde. Sie sind allerdings auch dazu verpflichtet, die Tageselternausbildung und jährlich Weiterbildungen zu besuchen. «Wenn beide Familien ein gutes Verhältnis haben, kommt es durchaus vor, dass Kinder bis zum Ende ihrer Primarschulzeit bei derselben Tages­familie bleiben.»

Diese Konstanz sei wünschenswert. «Oft enden solche Beziehungen nur dann, wenn eine der beiden Parteien wegzieht.» Es komme aber auch vor, dass sich Kinder in der Oberstufe während der Randzeiten oder zum Mittagessen bei der Tagesfamilie aufhalten. Dies gerade auch dann, wenn sich ein Kind über Jahre an seine Tagesfamilie gewöhnt hat und die Mutter beispielsweise alleinerziehend und auf ihr 100-Prozent-Pensum angewiesen ist. «Ab dem zwölften Lebensjahr benötigt die Tagesmutter zur Betreuung aber keine Eignungsbescheinigung mehr.» Und keine eigenen Kinder zu haben, ist auch kein Ausschlusskriterium. «Pädagogische Erfahrung ist aber von Vorteil.»

www.tagesfamilien- toggenburg.ch