Kieswerk-Besitzer hat keine Angst

NASSEN. Der Besitzer des Kieswerks Nassen befürchtet nicht, dass er wegen des Naturparks Neckertal den Betrieb schliessen muss, denn dafür wäre die Zustimmung der Grundbesitzer nötig. Naturpark-Gegner Ruedi Lieberherr sagt, er weise nur auf geltende Gesetze hin.

Martin Knoepfel
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Im provisorischen Management-Plan für den Naturpark Neckertal wird die Kiesgrube Nassenfeld (Politische Gemeinde Neckertal) unter den Beeinträchtigungen aufgeführt, wobei sie als kleinere Beeinträchtigung eingestuft ist. Bedeutet das, dass das Kieswerk bei einer Annahme des Naturparkvertrags in der Volksabstimmung vom 30. November stillgelegt werden müsste? Das befürchtet der Brunnödliger Ruedi Lieberherr, Verfasser eines Leserbriefs in dieser Zeitung und als Gegner des Naturparks in der entsprechenden Interessengemeinschaft (IG) aktiv. Ruedi Lieberherr warnt, dass die Stilllegung des Kieswerks Arbeitsplätze kosten würde.

«Sind nicht Gesetzgeber»

Bestehende Beeinträchtigungen des Landschafts- und Ortsbildes durch Bauten, Anlagen und Nutzungen seien bei sich bietender Gelegenheit zu vermindern oder zu beheben. Das schreibt Ruedi Lieberherr in seinem Leserbrief und das fordert in der Tat Artikel 20d der Pärkeverordnung des Bundes. Die Verordnung regelt zahlreiche Aspekte im Zusammenhang mit den regionalen Naturparks. Sie legt beispielsweise auch die Mindestgrösse von 100 Quadratkilometern fest.

«Stilllegung widersinnig»

Das Kieswerk Nassen ist eine Tochtergesellschaft der Grob-Kies, die von Jacques Grob geleitet wird. Die in Familienbesitz befindliche Gruppe ist schwergewichtig im Hoch- und Tiefbau sowie im Bereich Baustoffe tätig. Jacques Grob nimmt die Befürchtungen von Ruedi Lieberherr gelassen. Als Präsident des Schweizerischen Kiesverbandes habe er die Pärkeverordnung mit dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) diskutiert, sagt er. Ein Naturpark schliesse einen Kiesabbau nicht aus, betont er.

Der Grund: Die meisten Tiere und Pflanzen, die heute auf der Roten Liste der bedrohten Arten stünden, seien Pionierarten. Sie kämen als Folge der Meliorationen im Mittelland fast nur noch in Kiesgruben vor. Eine Stilllegung des Kieswerks Nassenfeld unter Berufung auf den Naturpark Neckertal bezeichnet Jacques Grob als widersinnig. Dies lässt Ruedi Lieberherr nicht gelten. Wenn die Kiesgrube einen ökologischen Mehrwert darstellte, müsste die Aufwertung statt der Beeinträchtigung im Management-Plan für den Naturpark Neckertal erwähnt werden, entgegnet er. Der Management-Plan sei zudem sehr kurzfristig veröffentlicht worden, sagt Ruedi Lieberherr.

Dennoch sieht Ruedi Lieberherr das Kieswerk Nassen als gefährdet an. «Wir von der IG sind nicht die Gesetzgeber. Ich habe nur auf gesetzliche Regelungen hingewiesen, die existieren.» Dass das Kieswerk Nassen im Richtplan aufgeführt sei, wisse er natürlich, sagt er auf Anfrage dieser Zeitung. Der Richtplan werde allerdings immer wieder revidiert. Da ist es seiner Ansicht nach nicht auszuschliessen, dass die Kiesabbauzone gestrichen wird.

«Gemeinden verpflichten sich»

Beim Bafu hiess es auf Anfrage dieser Zeitung, das Amt habe das Gesuch für die Errichtung des Regionalen Naturparks Neckertal geprüft. Bei dieser Prüfung sei die Qualität der Natur und der Landschaft unter Berücksichtigung der bestehenden Beeinträchtigungen als geeignet beurteilt worden.

Die Gemeinden, auf deren Gebiet der Park liege, gingen eine Verpflichtung für eine nachhaltige Entwicklung des ganzen Parkgebiets ein, hält das Bafu fest. Dazu zählten der Erhalt und die Aufwertung von Natur und Landschaft. Damit seien die Gemeinden unter anderem dafür verantwortlich, bestehende Beeinträchtigungen wo möglich zu vermindern oder zu beheben. Das, sofern sich die Gelegenheit dazu biete und mit dem Einverständnis der Grundeigentümer.

Weitere Beeinträchtigungen

Wenn man den Management-Plan des Regionalen Naturparks Neckertal anschaut, findet man eine Liste kleinerer Beeinträchtigungen. Weitere Beispiele auf dieser Liste sind die Durchgangsstrasse H8 (Neckertalstrasse) im Abschnitt Herisau–Lichtensteig, die Strecke der Südostbahn im Abschnitt Lichtensteig–Degersheim und die Hochspannungsleitung Uznach–Hemberg–St. Gallen. Grössere Beeinträchtigungen fehlen laut Management-Plan im Neckertal.