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Kick im tristen Alltag

Brosmete
Peter Abegglen

Gleich mehrfach wurde gemeldet, dass Senioren eine Bank überfallen hätten, sogar erfolgreich. Die Täter wurden zwar schnell gefasst, ihr Tatmotiv allerdings erstaunt: Geldprobleme? — Fehlanzeige! Geistige Verwirrtheit? — Denkste! Vereinfacht gesagt, ging es um Nervenkitzel, kurz: Mehr Pep im Alltag! Wer hätte gedacht, dass es dafür keines Erotikshops bedarf?

2016 gab es 5263 strafrechtlich Beschuldigte Ü60, dies ist ein Zuwachs von 21 Prozent in sechs Jahren (kein Sparheft erzielte auch nur annähernd eine solche «Rendite»!). Der Reiz, Verbote zu überschreiten, scheint zuzunehmen. Dabei sind die häufigsten Seniorenstraftaten so profane Vergehen wie Beleidigung, Bedrohung, Verkehrsregelverletzung, Ladendiebstahl oder Steuerbetrug. Banküberfälle sind die Ausnahme, also eine Art Königsdisziplin. Als anständiger Mensch Ü70 gebe ich mir Mühe, weder zu beleidigen noch zu bedrohen, geschweige denn zu stehlen. Vor Verkehrsvergehen schützt mich die beste aller Copilotinnen: «Innerorts! 50!» und Steuerbetrug ist ja nur ein Delikt ausländischer Kontoinhaber, für Schweizer heisst es Steuerhinterziehung und dies ist im schlimmsten Fall ein Kavaliersdelikt.

Aber Hand aufs Herz, wer möchte nicht auch manchmal ausbrechen aus Gewohnheiten, den Alltagstrott durchbrechen, einen Adrenalinkick spüren? Ich stelle mir vor, etwas Aussergewöhnliches, Einmaliges von langer Hand minutiös zu planen und dann völlig überraschend zur Ausführung zu bringen. Selbstverständlich möchte ich dabei auch die Liebste miteinbeziehen: Ich werde sie also heimlich immer dann genau mustern, wenn sie nach Hause kommt. Irgendwann wird der in vielen Abläufen durchgespielte Zeitpunkt da sein, wo ich tief durchatmen und entschlossen zu einer für sie völlig überraschenden, noch nie dagewesenen Tat schreiten werde. Mein Adrenalinkick wird auch für sie das ultimative Erlebnis sein, wenn ich sie wie aus dem Nichts verbal überfalle: «Wow! Du warst beim Coiffeur?!»

Peter Abegglen

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