KESB: Hilfe – nicht Strafe

Das ganze Vormundschaftsrecht wurde vor anderthalb Monaten ins Kindes- und Erwachsenen- schutzrecht überführt. Der Leiter der Behörde, Niklaus Rütsche, über die ersten Wochen.

Guido Berlinger-Bolt
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Niklaus Rütsche hat einen pädagogischen, aber nicht belehrenden Anspruch an sein Amt als Leiter der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde. (Bild: gbe)

Niklaus Rütsche hat einen pädagogischen, aber nicht belehrenden Anspruch an sein Amt als Leiter der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde. (Bild: gbe)

HERISAU. «Der erste Arbeitstag war ein ruhiger Tag.» Das sagt Niklaus Rütsche heute, anderthalb Monate nachdem er die Arbeit als Leiter der Ausserrhoder Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde aufgenommen hat. Im Dezember hatte er auf einen Big-Bang, auf einen grossen Knall voraus geblickt (Ausgabe vom 14. Dezember, Seite 45). Einen grossen Knall stellte die Umstellung im Vormundschaftsrecht tatsächlich dar . Aber: «Der 3. Januar war nicht hektisch. Es gab lediglich ein paar Telefone von Beiständen und Klientinnen.»

Alles bereit

Genau genommen war der 3. Januar 2013 auch nicht der erste Tag im neuen Amt. Niklaus Rütsche sass bereits am 31. Dezember an seinem neuen Arbeitsplatz im zweiten Stock des Zeughauses Herisau. «Ich wollte, dass alles bereit ist.» Gewählt wurde Niklaus Rütsche vor genau einem Jahr zusammen mit der Leiterin der Fachdienste, Chantal Maurer. Beide nahmen ihre Arbeit im Juni 2012 auf. Der jetzige Sitz der KESB-Büros war damals noch eine Baustelle; und Rütsche zieht gerne den Vergleich mit der eigenen Behörde, die mindestens teilweise noch immer eine solche Baustelle ist: Zunächst mussten die künftigen Mitarbeitenden gefunden und eingestellt werden und organisatorische Weichen für die Betriebsaufnahme im Zeughaus gestellt werden.

«Jetzt geht es los»

In der jüngsten Behörde des Kantons Appenzell Ausserrhoden arbeiten sechs Frauen und Männer; sie verfügen über eine pädagogische, psychiatrische, medizinische, sozial-fachliche oder juristische Bildung. Der Behörde angegliedert sind die Fachdienste mit weiteren zehn Mitarbeitenden. «Im Vorfeld war die Spannung unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern speziell: <Jetzt geht es los!>» Es ist für alle Neuland, auf dem sie gehen. Nicht nur für die Ausserrhoder, das Gesetz gilt natürlich in der ganzen Schweiz.

Eine Baustelle ist die Ausserrhoder Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde anderthalb Monate nachdem sie ihre Aufgaben übernommen hat, noch immer: «Noch ist die KESB selber mitten im Aufbau begriffen», sagt Niklaus Rütsche. Und meint: Das frisch zusammengestellte Team müsse seine Automatismen ausbilden und sein Selbstverständnis erst noch finden. Gleichzeitig erwarten Klienten, Behörden und Bürgerinnen zu Recht, dass die KESB seit dem 3. Januar professionelle Arbeit leistet. Das sei wichtig, auch wenn viele Fragen sich erst jetzt in der konkreten Arbeit stellten und in keinem Gesetz geregelt seien, so der KESB-Leiter.

Wege anbieten können

Auf der Suche nach Lösungen helfen ihm seine langjährige Erfahrung und natürlich der Austausch mit den Mitarbeitenden. Der Aufbau der KESB übt einen besonderen Reiz auf Rütsche aus: «Der Weg ist das Ziel.» Indessen freut er sich auf fachliche Diskussionen über die Grenzen der einzelnen Fachdisziplinen hinaus, auf das Arbeiten an Lösungen für Menschen in schwierigen und sehr schwierigen Lebenssituationen. Ihnen einen (Aus-)Weg anzubieten, das macht für Niklaus Rütsche den besonderen Reiz dieser Stelle aus.