Kermes im Zeichen des Dialogs

Am 23. und 24. Mai wird auf dem Wattwiler Bräkerplatz wieder Kermes gefeiert und eine kulturelle Brücke gebaut. Denn das Fest soll nicht nur den Gaumenfreuden, sondern vor allem auch dem Austausch zwischen den Kulturen dienen.

Nadine Rydzyk
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Die Besucher der Kermes des islamischen Kulturzentrums dürfen ein Fest der kulinarischen Köstlichkeiten und des Austausches erwarten. (Bild: pd)

Die Besucher der Kermes des islamischen Kulturzentrums dürfen ein Fest der kulinarischen Köstlichkeiten und des Austausches erwarten. (Bild: pd)

WATTWIL. Bereits zum vierten Mal wird am Pfingstwochenende der Bräckerplatz in Wattwil zum kleinen türkischen Jahrmarkt. Dann findet wieder die Kermes statt, was auf Türkisch nichts anderes bedeutet als Jahrmarkt. «Wir haben bereits vorher schon häufiger vor der Moschee an der Rickenstrasse eine Kermes veranstaltet, sind nun aber froh, dass wir seit vier Jahren auf dem Bräckerplatz sein können. Hier wird deutlicher, dass es kein internes Fest des islamischen Kulturzentrums ist, sondern ganz im Gegenteil ein Fest für alle», fasst Cahit Özdemir, Präsident des islamischen Kulturzentrums in Wattwil, zusammen. Denn das wichtigste Ziel der Kermes ist der Austausch und die Öffnung nach aussen, erklärt er.

Wissen schafft ein Miteinander

Cahit Özdemir ist bei der vom Kanton koordinierten Interreligiösen Dialog- und Aktionswoche (IDA) aktiv und nimmt in diesem Zusammenhang regelmässig an interreligiösen Treffen teil, deren Wert er hoch einstuft. «Die Treffen tun sehr gut und sind wirklich wertvoll», resümiert er. Darüber hinaus ist es ihm ein grosses Anliegen, mit Missverständnissen aufzuräumen und das gegenseitige Verständnis zu fördern. «Die Meinung der Menschen über den Islam ist derzeit sehr schlecht. Wenn man die Berichterstattung in den Medien verfolgt, muss man sich nicht wundern, dass viele Angst und falsche Vorstellungen haben. Dabei handelt es sich um einen friedlichen Glauben, der nichts damit zu tun hat, wie derzeit zum Teil Religion mit Politik vermischt werden und welche Taten in dessen Namen passieren», betont Cahit Özdemir.

Den daraus erwachsenden Missverständnissen und Ängsten kann man am besten mit Wissen über das jeweilige Gegenüber begegnen, ist er überzeugt.

Geselligkeit bei gutem Essen

Neben dem Festbetrieb auf dem Bräckerplatz wird deshalb auch zum Festwochenende am Samstag und Sonntag, jeweils um 14 Uhr eine Führung durch die Moschee angeboten, bei der alle Interessierten vom Imam erfahren, wie das moslemische Gemeindeleben verläuft. Bei der Kermes selbst freut man sich am Samstag von 8 bis 22 Uhr und am Sonntag von 9 bis 21 Uhr auf Besucherinnen und Besucher. Allem voran soll die Kermes also auch dieses Jahr wieder ein Fest der Geselligkeit und des Zusammenseins werden. In der Jahrmarkttradition dürfen dabei die kulinarischen Köstlichkeiten nicht fehlen. Die Frauen aus dem islamischen Kulturzentrum werden zwei Tage zuvor viel zu tun haben und feinste türkische Spezialitäten vorbereiten. So wird man Lahmacun, die auch als türkische Pizza bekannten und mit pikantem Hackfleisch-Ragout belegten Fladenbrote geniessen können, sowie die ebenfalls würzigen Fleischbällchen Köfte oder die beliebten, mit Käse oder Spinat gefüllten Strudeltaschen Börek. Direkt an der Kermes zubereitet werden auch frische Gözleme. Die dünnen, gefüllten Fladenbrote sind eine weitere Spezialität der anatolischen Küche. Für alle, die es süss mögen, wird es auch frisch zubereitete Baklava geben, die zum türkischen Tee oder Kaffee genossen werden kann.

Während die traditionellen türkischen Speisen einen Schwerpunkt bilden und bei den Festgästen immer sehr beliebt sind, wird es auch wieder einen kleinen Marktstand geben, an dem die Frauen Haushaltsartikel, Handarbeiten und Waren aus der Türkei verkaufen. Insgesamt werden mehr als 20 Helferinnen und Helfer für die Kermes im Einsatz sein. «Der Marktstand und das Fest selbst sind damit auch ein Zustupf für die Vereinskasse, über den wir uns natürlich sehr freuen, vor allem da die Moschee ein altes Gebäude ist, an dem immer wieder viele Arbeiten anfallen», erklärt Cahit Özdemir. «Das ist aber nur ein schöner Nebeneffekt, denn das wichtigste Ziel ist das Zusammentreffen und der Austausch in friedlicher Stimmung, also die Förderung der Integration.»