Keltischer Folk im Zentrum

Die Berner Formation «An Lár» brachte am Samstagabend keltischen Folk ins Rössli. Die Gäste spielten – getreu ihrer Namensbedeutung – nicht auf der Bühne, sondern mitten in den Zuschauenden.

Michael Hug
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MOGELSBERG. «An Lár» steht in Irland auf Verkehrsschildern die ins Stadtzentrum weisen. Ins Zentrum, ins Herz des keltischen Folk vordringen, will auch die Berner Band «An Lár». «An Lár» war am Samstag bei Kultur in Mogelsberg eingeladen. Und getreu ihrer Namensbedeutung wurde das Quartett für einmal nicht auf die Bühne plaziert, sondern mitten in den Saal des Rössli. In dieser intimen Atmosphäre spielten die Berner Lüpfiges und Balladiges aus Irland, Schottland und Asturien – und Selbstkomponiertes aus Bern. Keltische Volksmusik ist ein Oberbegriff für Musik aus den Kulturgebieten der früheren Kelten. Irische, schottische wie gälische Volksmusik fallen unter diesen Begriff. Weil die Kelten auch in Kontinentaleuropa, vorab in Spanien oder an der französischen Atlantikküste, ihre (musikalischen) Spuren hinterliessen, gibt es auch «Celtic Folk» aus Asturien. «Celtic Folk» steht dem Singer/Songwriter-Stil nahe, seine Instrumentalbesetzung ist ähnlich einfach gehalten und normalerweise auch unverstärkt, «unplugged». Der Gesang ist Mittelpunkt der meisten Volksmusik-Genres, so auch bei der keltischen, ergänzt wird er hierbei meist durch eine Geige und einer Bodhran (Keltische Trommel) als Rhytmusgeber.

Gesang dominierend

Auch bei «An Lár» dominiert der Gesang. Obwohl die drei Musiker und die Musikerin eine ganze Reihe von Gitarren, eine Geige, ein Akkordeon und sogar eine Konzertina zum Einsatz bringen, ist es klar der Gesang, der das Publikum mitreisst. In der Tat fühlt man sich bei der Stimme von David Brühlmann wie in einem irischen Gasthaus wenn etwas zu feiern ist. Mit seinem Organ kann David Brühlmann problemlos ein vollbesetztes Pub zum Schweigen bringen, nicht nur weil es sehr laut sein kann, sondern auch warm, emotional und eindringlich. Zum Beispiel beim Stück «The Tunnel Tigers» in dem das ganze Leiden der irischen Arbeiter, die die Londoner U-Bahn Bauten, zum Ausdruck kommt.

David Brühlmann hätte gerade so gut auch Opernsänger werden können, singt sich der Berner Bariton doch brillant durch trauertriefende Solostücke.

Auch Trauer existiert

Ja auch Trauer existiert in der keltischen Volksmusik. Die, wie an diesem Abend auch klar wird, nicht nur auf Traditionelles baut, sondern sich noch heute einer regen und innovativen Komponisten- und Interpretengemeinde auf der Insel wie in Kontinentaleuropa erfreut. Die vier Vertreter aus Bern – heuer ist «An Lár» 20 Jahre alt geworden – können es aber auch ohne Singstimme. So ein «Tune» ist als Tanzstück gedacht, zur Bewegung des Körpers und Erheiterung des Geistes, ja zur Erzeugung und Hebung guter Laune, im Pub, im Saal, im Zelt oder anderswo. Doch das Publikum im Rössli blieb auf seinen Stühlen sitzen. War es zu wenig bewegend? Mitnichten, tanzen ist einfach nicht der Schweizer Hobby, geniessen schon eher und so genoss man den wirbligen, lüpfigen und dann und wann auch melancholischen Abend.