Keine Schützenhilfe von Arosa: SC Herisau in der Abstiegsrunde

Mit dem Kopf in Bülach, tat sich der Erstligist SC Herisau lange schwer gegen Wil und musste einen Zwei-Tore-Rückstand aufholen. Der 5:2-Sieg nützte wenig, weil Arosa keine Schützenhilfe leistete.

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Eishockey. Die Rechnungen für das mobile Internet dürften bei den SC-Herisau-Anhängern niedriger ausfallen als erhofft. Bis zu Beginn des letzten Drittels gab es für sie nämlich keinen Grund, via Smartphone nach Bülach zu schielen. Dort traf zeitgleich das Heimteam auf Arosa. Und nur wenn die Bündner siegen würden, konnten die Herisauer den letzten Playoffplatz ergattern. Voraussetzung dafür war ein Sieg des SC Herisau zu Hause gegen den EC Wil. Lange sah es nicht danach aus.

Die Ausserrhoder taten sich schwer, die Chance auf einen Playoffplatz wirkte lähmend wie ein Nervengift: «Wir waren dem Druck nicht gewachsen», wird nach dem Schlusspfiff SCH-Trainer Patrick Henry sagen.

Wende durch Dolana

Erst im letzten Abschnitt schafften es die Herisauer, sich freizuspielen. Zunächst glich Philipp Meier in der 46. Minute mit seinem ersten und sehenswert herausgespielten Treffer zum 2:2 aus. Danach (54.

) sorgte Roman Dolana für die definitive Wende. Der tschechische Topscorer des SCH verwertete souverän einen Penalty. Dieser war von Wils Patrick Hohl verursacht worden, als er den auf das Tor stürmenden Nathan Kölliker regelwidrig am Einschuss gehindert hatte. In den letzten sechs Minuten erzielte das Heimteam noch zwei weitere Treffer.

Schütze war jedesmal Philipp Meier, der dank seines Hattricks verdient zum «Man of the Match» auf Seiten der Ausserrhoder gewählt wurde. Der Sieg war verdient, doch mit 5:2 fiel er wohl etwas zu hoch aus. Den Wilern hatte am Schluss aber schlicht die Kraft gefehlt, was nicht verwunderlich war. Sie bestritten das Spiel mit nur 13 Feldspielern; zehn fehlten verletzungsbedingt.

Müllers Ausraster

In den ersten 40 Minuten bot der SC Herisau wenig Ansehnliches. Allgemein wurden viele Fehler produziert. Die Pässe waren zu ungenau, die wenigen Chancen das Produkt von Zufällen. Hinzu kam, dass sich der SCH wieder von seiner undisziplinierten Seite zeigte. Beispielsweise machte Daniel Müller – nicht zum erstenmal in dieser Saison – im ersten Drittel mit einem Frustfoul eine Powerplay-Situation des Heimteams nach wenigen Sekunden zunichte.

Wegen seines Checks gegen den Kopf des Gegners erhielt er nicht nur eine 10-Minuten-Disziplinarstrafe, sondern fasste zwischenzeitlich die Wolldecke und kam erst im letzten Drittel wieder zum Einsatz. Ebenfalls wenig überzeugend war das Überzahlspiel der Appenzeller, auch dies nicht zum erstenmal. Ein halbes Dutzend Mal konnten sie mit einem Mann mehr agieren, aber ohne zählbaren Erfolg.

Wiler kaltblütiger

Den Wilern merkte man die Tabellensituation an. Solange die Kraft reichte, kämpften sie zwar aufopferungsvoll. Spielerisch brachten sie aber ebenfalls wenig zustande. Trotzdem gingen sie mit der grösseren Überzeugung ans Werk. Zudem waren sie in entscheidenden Momenten kaltblütiger. Ende des ersten Drittels nutzten sie einen Schnitzer in der Herisauer Verteidigung aus. Steven Lüthi schnappte sich den Puck und umkurvte in der 20. Minute Torhüter Mathis. Kurz nach Beginn des zweiten Abschnitts doppelte Wil nach.

In Überzahl traf Simon Scherrer nach Vorarbeit von Patrick Mäder und Daniel Steimer. Der SCH verkürzte mit Nathan Kölliker kurz vor Drittelsende (39.). Es war der Auftakt zur Herisauer Aufholjagd mit vier weiteren Treffern.

Nicht enttäuscht

In Bülach hatte Ramon Schaufelberger das Heimteam in der 31. Minute 1:0 in Führung gebracht. Dabei blieb es bis zum Schluss, zur Freude der Zürcher, die sich damit für die Playoffs qualifizierten. In Herisau sah Trainer Patrick Henry keinen Grund, enttäuscht zu sein.

«Es lag nicht in unserer Hand. Was wir beeinflussen konnten, haben wir getan», sagte er und blickt bereits nach vorne.

Am Mittwoch in einer Woche (17. Februar, 20 Uhr, auswärts gegen Weinfelden) beginnt die Abstiegsrunde. Der Vorsprung auf die beiden Schlusslichter Wil und Wetzikon beträgt bereist elf Punkte. Die kurze Pause nutzt Henry, um nochmals hart zu arbeiten und den Fokus wieder auf den Abstiegskampf zu richten.

Denn was geschieht, wenn die Mannschaft den Kopf nicht ganz bei der Sache hat, zeigten die ersten 40 Minuten gegen Wil. (pd)

SC Herisau – EC Wil 5:2 (0:1, 1:1, 4:0) Sportzentrum – 469 Zuschauer – Sr. Riedi, Büsser/Rüegg. Tore: 20. Lüthi 0:1, 24. Scherrer (Mäder, Steimer/Ausschluss Forster) 0:2, 39. Kölliker (P. Rutishauser) 1:2, 46. Meier (Brem, P. Rutishauser) 2:2, 54. Dolana (Penalty) 3:2, 58. Meier (Rohner) 4:2, 60. Meier (Homberger) 5:2. Strafen: 7mal 2 Min. plus 10 Min. (Müller) gegen Herisau. 8mal 2 Min. plus 10 Min. (Steimer) gegen Wil. SC Herisau: Mathis; Wild, Forster; Diener, Homberger, P. Rutishauser, Brugger; Brem, Meier, Rohner; Dolana, Kölliker, Müller; Hofer, Volk, Flotiront; S. Rutishauser. EC Wil: Demont; Steffen, Mäder; P. Hohl, Schwarz; Steimer, Lüthi, Scherrer; Filli, Kristic, Fontana; M. Hohl, Lipp, Rötheli. Bemerkungen: SC Herisau ohne Engler und Eisenegger (beide verletzt). EC Wil ohne Bahar, Köfer, Kaiser, Mettler, Müller, Schön, Fisch, Maier, Diethelm und Steinegger (alle verletzt). 13.57 Time-out Wil. 53.32 Time-out Herisau.

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