Keine Mehrkosten für den Kanton

Der Regierungsrat will den Vaterschaftsurlaub bei den Kantonsangestellten ohne Auswirkungen auf die Staatskasse erhöhen. Mit der vorgesehenen Regelung würde Ausserrhoden unter den Ostschweizer Kantonen zum Spitzenreiter.

Jesko Calderara
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Unternehmen und die öffentliche Hand kennen beim Thema Vaterschaftsurlaub unterschiedliche Lösungen. (Bild: fotolia)

Unternehmen und die öffentliche Hand kennen beim Thema Vaterschaftsurlaub unterschiedliche Lösungen. (Bild: fotolia)

AUSSERRHODEN. Kantonsangestellte in Ausserrhoden sollen künftig nicht mehr zwei, sondern zehn Tage Vaterschaftsurlaub erhalten. Dies sieht die Teilrevision des Personalgesetzes vor, das sich noch bis zum 2. November in der Vernehmlassung befindet. «Mit der Erhöhung passt sich der Kanton dem durchschnittlichen Niveau in der Schweiz an», sagt Regierungssprecher Georg Amstutz. Dank der familienfreundlichen Anstellungsbedingungen bleibe die Verwaltung als Arbeitgeber attraktiv. Schon heute gebe es Unternehmen, Institutionen wie die ETH und die Bundesverwaltung mit vergleichbaren Lösungen, wie sie der Kanton einführen wolle, sagt Amstutz. Im Appenzellerland gewährt beispielsweise die Geoinfo AG zehn Tage Vaterschaftsurlaub.

Interne Vertretungen

In den Erläuterungen zur Vernehmlassung geht das zuständige Finanzdepartement auf die finanziellen Auswirkungen einer grosszügigeren Regelung im Bereich Vaterschaftsurlaub ein. «Dem Kanton entstehen dadurch keine Mehrkosten», betont Georg Amstutz. Die Absenzen würden, ähnlich wie bei Ferienabwesenheiten, durch interne Vertretungen aufgefangen. «Denkbar ist auch, dass der betreffende Mitarbeiter seine Arbeit vor oder nach dem Vaterschaftsurlaub erledigt.» Bei der kantonalen Verwaltung kamen letztes Jahr 20 Väter in den Genuss der zwei Freitage, 2013 waren es noch 13.

Emotionales Bedürfnis

Auch in der täglichen Arbeit der Beratungsstelle für Familien in St. Gallen, mit der Appenzell Ausserrhoden eine Leistungsvereinbarung hat, ist der Vaterschaftsurlaub ein Thema. Viele Väter würden bei einer Geburt Ferien nehmen, sagt Geschäftsleiterin Yvonne Varan. «In der ersten Zeit haben Neugeborene zwar eine engere Beziehung zur Mutter.» Ein Vater habe jedoch ein emotionales Bedürfnis, bei seinem Kind zu sein, sagt Varan. Zudem sei er als Unterstützung der Familie enorm wichtig, etwa zur Betreuung der anderen Geschwister.

Zwei bis fünf Tage

Unterschiedlich ist das Thema Vaterschaftsurlaub in den umliegenden Kantonen geregelt. St. Gallen verfügt seit Mitte 2012 über ein erneuertes Personalrecht, mit welchem verschiedene Massnahmen zur Verbesserung der Familienfreundlichkeit umgesetzt wurden. Seit diesem Zeitpunkt kommen Väter in den Genuss von fünf Tagen Vaterschaftsurlaub. Die Angestellten der Innerrhoder Verwaltung wiederum haben gemäss der Personalverordnung bei der Niederkunft der Ehefrau oder eingetragenen Partnerin Anspruch auf zwei Tage bezahlte Ferien. Eine ähnliche Regelung kennt der Kanton Thurgau. Dessen Mitarbeiter erhalten für besondere Ereignisse wie etwa die Hochzeit oder die Geburt eines eigenen Kindes zwei Tage frei.

Yvonne Varan Geschäftsleiterin Beratungsstelle für Familien St. Gallen (Bild: mc)

Yvonne Varan Geschäftsleiterin Beratungsstelle für Familien St. Gallen (Bild: mc)