Keine Luzerner Verhältnisse: Ausserrhoden soll nicht von Touristenströmen überschwemmt werden.

Letztes Jahr ist die Zahl der Gäste in Appenzell Ausserrhoden gestiegen. Monika Bodenmann, die oberste Touristikerin des Kantons ist aber froh, ist die Zahl der Touristen für Einheimische und Gäste verträglich. 

Mea McGhee
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Kein geografischer, aber ein kultureller Hotspot: Das Silvesterchlausen lockt jedes Jahr Tausende ins Appenzeller Hinterland. (Bild: APZ)

Kein geografischer, aber ein kultureller Hotspot: Das Silvesterchlausen lockt jedes Jahr Tausende ins Appenzeller Hinterland. (Bild: APZ)

Chinesen, die zu Tausenden durch Luzern flanieren, solche Szenen sind im Appenzellerland unvorstellbar. «In der Ostschweiz bleiben wir verschont vom Overtourism», sagt Monika Bodenmann. Die Präsidentin des Verwaltungsrats der Appenzellerland Tourismus AG (Atag) weiter:

«Der Tourismus in Ausserrhoden ist für die Bevölkerung keine Belastung und für die Gäste angenehm.»

Auch wenn man gerne mehr Logiernächte verzeichnen würde, werde man nicht aktiv versuchen, grössere Reisegruppen in die Region zu holen. Einen touristischen Hotspot, wie es in Appenzell Innerrhoden der «Aescher» ist, sieht die oberste Touristikerin von Appenzell Ausserrhoden derzeit nicht.

Logiernächte haben zugenommen

An der Generalversammlung der Atag im «Bären» Speicherschwendi blickte Bodenmann am Donnerstag auf ein gutes Geschäftsjahr 2018 mit vielen Tagesgästen. Die Zahl der Logiernächte im Kanton habe zugenommen, wenn auch weniger stark als im nationalen Durchschnitt. Dies hänge auch mit der Schliessung des Hotels Walzenhausen zusammen. Die Atag wünscht sich daher, dass in Ausserrhoden ein neues Hotelprojekt realisiert wird. Sie könne Unterstützung bieten, etwa bei der Vernetzung von Entscheidungsträgern und Investoren. Gemäss ihrem Leistungsauftrag mit dem Kanton, den 20 Gemeinden und dem Bezirk Oberegg setzt sich die Atag für touristische Leistungsträger im Kanton ein. Man sei Partner von 180 Anbietern im Bereich Tourismus. 2018 wurden 202 Ausflüge offeriert und davon 109 Gruppenreisen organisiert.

Adrian Höhener und Sandra Nater, neue Verwaltungsräte der Appenzellerland Tourismus AG, mit Präsidentin Monika Bodenmann und Geschäftsführer Urs Berger. (Bild: Mea Mc Ghee)

Adrian Höhener und Sandra Nater, neue Verwaltungsräte der Appenzellerland Tourismus AG, mit Präsidentin Monika Bodenmann und Geschäftsführer Urs Berger. (Bild: Mea Mc Ghee)

Zuerst Praktikant, dann Geschäftsführer

Urs Berger bestritt seine letzte GV als Geschäftsführer der Atag. 2008 als Praktikant eingestiegen, wurde er 2014 zum Geschäftsführer und zum «Gesicht des Tourismus in Ausserrhoden», so Bodenmann. Ende August dieses Jahres hört er auf und sagt dazu: «Die Atag ist ein Antriebsmotor im Tourismus. Nun braucht es neuen Sprit.» Um Bergers Nachfolge bewerben sich knapp 40 Personen. Im Juni will der Verwaltungsrat die neue Geschäftsleitung wählen. «Sie muss fit sein für die digitale Zukunft und frischen Wind in diesen Bereich bringen», nennt Bodenmann eine Anforderung. «Zudem muss sie ein Gespür für die Region haben und das Appenzellerland lesen können.» Nebst dem Basismarketing fördert die Atag die Geschäftsfelder Wandern sowie Lebensart mit den Schwerpunkten Brauchtum und Kultur.

Kleines Defizit

Der Verwaltungsrat der Appenzellerland Tourismus AG (Atag) besteht gemäss Statuten aus mindestens fünf Mitgliedern. Im Hinblick auf eine langfristige Personalplanung wurde das Gremium an der Generalversammlung um zwei Mitglieder erweitert. Einstimmig gewählt wurden Sandra Nater, Herisau, und Adrian Höhener, St. Gallen. Beide sind Geschäftsführer; Nater des Appenzeller Volksundemuseums in Stein, Höhener des «Bären» Hundwil. Der übrige Verwaltungsrat mit Präsidentin Monika Bodenmann wurde ohne Gegenstimme bestätigt. Die Rechnung 2018 schloss bei einem Aufwand von gut 1,5 Millionen Franken mit einem Defizit von 4500 Franken. Der Bilanzgewinn von 12 000 Franken wird auf die Jahresrechnung 2019 vorgetragen. Die Präsidentin wies darauf hin, dass die Atag elf Namenaktien zu 1000 Franken zu verkaufen habe. Letztes Jahr wurden Appenzellerland-Gutscheine im Wert von 345 000 Franken verkauft. (mc)