Keine Aufregung wegen Wolf

Ein Jahr nach dem Schaf-Riss in Heiden hat erneut ein Wolf das Appenzellerland durchquert. Auf der Alp Sauböhl bei Urnäsch tötete er ein Reh. Wie reagiert Wildhüter Roland Guntli auf den Vorfall?

Jesko Calderara
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Auf der Alp Sauböhl fand Wildhüter Roland Guntli das durch den Wolf gerissene Reh. Heute sind nur noch einige Fellbüschel vor Ort. (Bild: cal)

Auf der Alp Sauböhl fand Wildhüter Roland Guntli das durch den Wolf gerissene Reh. Heute sind nur noch einige Fellbüschel vor Ort. (Bild: cal)

URNÄSCH. Vor ungefähr drei Wochen hat ein Wolf auf der 1150 Meter über Meer gelegenen Alp Sauböhl bei Urnäsch ein Reh gerissen. Ein Anwohner bemerkte, wie sich Krähen über den Kadaver hermachten, und informierte den Wildhüter. «Das Rissbild sah nicht aus wie jenes eines Luchs», sagt Roland Guntli. Gemäss ersten Abklärungen stammt der Wolf aus Italien. Die genaue Herkunft werde zurzeit mittels DNA-Proben abgeklärt, sagt Guntli. Im Kanton wurden keine weiteren Spuren mehr gesichtet. Der Wildhüter stellte zudem am Fundort eine Kamera auf. Das Tier kehrte jedoch nicht in diese Gegend zurück, wie die Auswertung der Bilder ergab.

Wolf legt weite Strecken zurück

Guntli ist nicht überrascht, dass nach 2014 erneut ein Wolf das Appenzellerland durchquerte. «Damit musste man rechnen, zumal das Calanda-Rudel in der Nähe ist.» Erfahrungsgemäss handle es sich jeweils um ungefähr einjährige Jungwölfe, die auf der Suche nach einem neuen Revier sehr weite Wege zurücklegten. Solange er keine Nutztiere reisst, erachtet Guntli den Wolf nicht als Problem. Im Appenzellerland gebe es keine Alpen mit Schafen. Solche Herden wären einem Wolf stärker ausgesetzt als Ziegen, sagt Guntli. Mögliche Schutzmassnahmen auf Alpen sind die Einzäunung der Weiden und ein Herdenschutzhund.

Ideales Gebiet

Gelassenheit ob des Auftretens des Wolfs herrscht beim kantonalen Patentjägerverein. «Es ist ein normales Problem», sagt Präsident Stefan Frischknecht. Wölfe bewegten sich. Deshalb sei es zu erwarten gewesen, dass sie auch in Ausserrhoden wieder auftreten würden. Bereits im Mai 2014 riss ein Wolf in Heiden und Untereggen mehrere Schafe. Dieser Fall habe ihn aufgrund der örtlichen Gegebenheiten mehr erstaunt, sagt Frischknecht. «Hingegen ist das Hinterland mit seinen grossen Wäldern und unbewohnten Gegenden ein relativ ideales Gebiet.»

Einhaltung der Gesetzgebung

Eine Gefahr stellt der Wolf laut dem Präsident des Patentjägervereins für Rehe und Gemse dar. Menschen hätten hingegen nichts zu befürchten. Jedoch beginne in Kürze die Alpsaison, gibt Frischknecht zu bedenken. «Treten die Raubtiere im Rudel auf, können sie auch Kälber reissen.» Die Ausserrhoden Jäger verlangen im Zusammenhang mit dem Thema Wolf die Einhaltung und Umsetzung der entsprechenden Bundesgesetzgebung. Dazu gehört die eidgenössische Jagdverordnung. Allfällige Massnahmen dürfen nicht auf Druck der Öffentlichkeit und der Medien beschlossen werden, sagt Frischknecht.

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