Kein Zurück für Sportzentrum

Der Gemeinderat möchte das Sportzentrum stärker in den Gemeindebetrieb einbinden. Die Führungsstruktur soll deshalb auf den 1. Juni angepasst werden. Zuvor befasst sich der Einwohnerrat im März mit der Vorlage.

Patrik Kobler
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herisau. Sowohl die Geschäftsprüfungskommission als auch die Finanzkommission regten in ihren Berichten an, die Führungsstruktur des Sportzentrums zu überprüfen. Als die Gemeinde 2005 den Betrieb von der Genossenschaft übernommen hatte, sprach man sich dafür aus, das Sportzentrum mit möglichst grosser Autonomie zu führen, und wählte als Rechtsform jene eines öffentlich-rechtlichen Unternehmens. Die strategische Führung wurde der Sportzentrumskommission und die operative der Geschäftsleitung übertragen. Der Einfluss der Gemeinde sollte sich auf die Einsitznahme des Gemeindepräsidenten als Vizepräsident in die Sportzentrumskommission sowie die Genehmigung des Budgets und des Investitionsbudgets beschränken. In der Praxis bewährte sich dieses Aufteilung jedoch nicht; die Kompetenzen und Verantwortlichkeiten waren unklar.

Unterschiedliche Meinungen

Im letzten Jahr führten deshalb sowohl die Sportzentrumskommission als auch der Gemeinderat einen Workshop durch, bei dem sie sich mit den künftigen Führungsstrukturen auseinandersetzten. Wie dem Bericht und Antrag an den Einwohnerrat zu entnehmen ist, kam die Sportzentrumskommission zum Schluss, das Sportzentrum konsequenter von der Gemeinde zu lösen und im voraus einen gewissen Beitrag für die Leistungen zugunsten der Gemeinde, der Schule und der Vereine zuzusprechen; für alles übrige sollte das Sportzentrum möglichst unabhängig bleiben. Der Gemeinderat prüfte die weitere Verselbständigung ebenfalls und kommt zum Schluss: «Aus rein unternehmerischer Sicht wäre eine weitere Verselbständigung erstrebenswert.» Trotzdem war der Gemeinderat nicht von dieser Lösung überzeugt, weil dazu seiner Meinung nach wie schon von 1973 bis 2005 eine private Trägerschaft nötig wäre. «Die Genossenschaft konnte zwar den Betrieb führen, jedoch immer weniger jene Mittel beschaffen, die es ermöglicht hätten, das Sportzentrum baulich instand zu halten, geschweige denn zu sanieren.» Zudem sei das politische Korsett gegenwärtig zu eng für eine echte unternehmerische Gestaltung, vor allem was die Preispolitik und die Belegung, das heisst die Bevorzugung der einheimischen Vereine und Veranstalter anbelange.

Ressort Sport schaffen

Der Gemeinderat hat sich deshalb dafür ausgesprochen, das Sportzentrum ab 1. Juni vollständig in die Gemeindeverwaltung zu integrieren. Ressortvorsteher ist Gemeindepräsident Paul Signer. Der Geschäftsleiter des Sportzentrums wird zum Abteilungsleiter Sport. Der Gemeinderat ist überzeugt, dass zum Beispiel Fragen der Kostentransparenz und der Minimierung des Defizits in einer Organisationsform, die das Sportzentrum näher an die Gemeinde bindet, besser angegangen und gelöst werden könnte, weil Synergien sichtbar werden. Solche Synergien bestehen laut Bericht und Antrag zum Beispiel im Bereich Unterhalt. Zudem könnten anstehende Investitionen besser auf die Gesamtheit der Gemeindebedürfnisse abgestimmt werden.

Die stärkere Einbindung bedingt allerdings Änderungen in den gesetzlichen Grundlagen, mit denen sich der Einwohnerrat an seiner Sitzung vom 16. März befassen wird. Anpassungen erfahren das Organisationsreglement des Gemeinderates und vor allem das Sportzentrumsreglement.

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