Kein Zuhause für astronomische Uhren

Vor 100 Jahren

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Vor 100 Jahren

Toggenburg: 26. Mai. Trotz der herrlichen Pfingstfeiertage blieb der Verkehr namentlich bezüglich der Touristen weit hinter demjenigen anderer Jahre zurück. Die schwierigen Zeitverhältnisse, sowie die militärischen Einberufungen haben diesen stark beeinträchtigt. Die Wegverhältnisse waren für Bergwanderer günstig, wenn schon mancherorts sogar auf Alpen mittlerer Höhe noch viel Schnee angetroffen wurde, als Restbestände von Lawinen, die dieses Frühjahr besonders mächtig und in vermehrtem Masse niedergegangen sind; die Fernsicht gestaltete sich in der Höhe von über 1000 Metern überaus klar. Die Abendzüge der Bodensee-Toggenburg-Bahn mussten durch die starke Beanspruchung von Militärs verstärkt, ja verdoppelt geführt werden.

Vor 50 Jahren

Lichtensteig: 31. Mai. Das Abschiednehmen von Otto Kägi-Thaler, Seniorchef der Toggenburger Waffeln- und Biscuitsfabrik, gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Trauerkundgebung, wie es unser Städtchen noch selten erlebt hat. Sie war Ausdruck der Verehrung und Wertschätzung, die der liebe Verstorbene sich in allen Kreisen der Bevölkerung erworben hatte. In ganz bescheidenen Verhältnissen wurde im «Hecht» in Lichtensteig mit der Fabrikation von Waffeln und Biscuits begonnen. Am Morgen wurden die notwendigen Arbeiten in der Bäckerei erledigt, und dann ging es auf Kundenbesuch. Das Velo wurde Vater Kägi zum unentbehrlichen Begleiter und führte ihn oft schon in den Morgenstunden in die Innerschweiz, Bald genügten die Räumlichkeiten im «Hecht» nicht mehr. Es kam der Erwerb des ersten Areals in Loretto, und im 1950 bezog die Firma das neuerbaute Fabrikationsgebäude. Nebst der Pflege des Verkaufes der Toggenburger Erzeugnisse in der Schweiz wurde der Export nach Amerika aufgebaut, der bald eine erfreuliche Ausweitung in weitere Länder erfuhr. Allmählich waren die Söhne in den väterlichen Betrieb eingetreten und lösten Vater Kägi in der kaufmännischen und technischen Leitung des nun blühenden Unternehmens ab. Vater Otto Kägi bewahrte trotz seiner grossen Erfolge bis zu seinem Lebensende die ihm angeborene Einfachheit, die ganz besonders in seinem gütigen, wohlwollenden Wesen sichtbar wurde.

Vor 20 Jahren

Necker: 24. Mai. Mit der Schliessung der Durchgangsheime «Thuroplast» in Lichtensteig und «Friedberg» in Gossau steht die Wiedereröffnung der «Neckermühle» auf Anfang 1996 zur Diskussion. Im jetzigen Zeitpunkt muss angenommen werden, dass unter anderen Familien aus Bosnien, die infolge der unsicheren Lage nicht in ihre Heimat zurückkehren können, dort untergebracht würden.

Nesslau: 26. Mai. Vor mehr als einem Jahrhundert müssen in der Toggenburger Gegend weitsichtige Männer die Bienenpflege entdeckt und gefördert haben. Wertvolle Lebenskräfte werden dem Honig zugeschrieben. Dies haben Pfarrherren und Lehrer früh entdeckt und auch entsprechend verfolgt. Den Thurtaler Bienenfreunden gehören Züchter aus den Gemeinden Stein, Nesslau und Krummenau an. Einer der ältesten Imkerfreunde, der heute 86jährige alt Gemeindammann Hermann Roth aus Stein, verfasste zum Jubiläum eine interessante Chronik. Der Bienenhonig war bei den Menschen schon in frühesten Zeiten beliebt. Diese Tatsache hielt Hermann Roth in seiner lebhaft gestalteten Chronik fest. Der Mensch dürfte bereits von rund 150 Jahren künstliche Hohlgefässe geschaffen haben, um darin Bienenvölker zu halten. Im Toggenburg sollen «Grotzenkörbe» verwendet worden sein. Diese Grotzen wurden mit einer Mischung aus Kuhmist und Lehm bestrichen. Um zum Honig zu kommen seien am Ende der Trachtzeit die besten «Hüngler» von einem Bienenwärter abgeschwefelt und ausgeräuchert worden. Bereits 1866 wird die Gründung des Toggenburger Imkervereins erwähnt, der von Pfarrer Wetter aus Krinau ins Leben gerufen worden sei.

Vor 10 Jahren

Nesslau: 25. Mai. Die selbst gebauten astronomischen Uhren des Nesslauer Uhrenmachers Werner Anderegg gelten europaweit als etwas Besonderes. Vierzehn Uhren stehen noch in seinem Haus. Der 85-Jährige findet niemand, der das Gesamtwerk betreut und ist von der Gemeinde enttäuscht. Zwischen 1960 und 1998 haben 2541 ausländische Reisegruppen die besonderen Uhren bestaunt. Anderegg will die verbliebenen Uhren nicht einzeln verkaufen. Er erwartet, dass die Gemeinde aktiv nach einer Lösung sucht. Anderegg ist überzeugt, dass der touristische Wert nicht nur für Astronomen und Uhrenmacher nach wie vor da ist. Er würde sein Fachwissen über seine Uhren Interessierten gerne für künftige Generationen weitergeben. Der Uhrenmacher weiss, dass seine Uhren nicht jedermann begreift und sieht darin einen möglichen Grund, dass die Gemeinde wenig Interesse zeigt. Einzelne Werke schmücken die Kanti in Wattwil, die pädagogische Hochschule in St. Gallen oder die Klubschule in Lichtensteig. Das Diplom der Kulturstiftung schmückt den verlassenen Laden. Werner Anderegg ist stolz darauf. So wie die Dinge stehen, sieht es für einen Erhalt der Sammlung in Nesslau aber eher schlecht aus.