Kein Regen im wildesten Nationalpark

Mirco Keller aus Wattwil leistet einen sechsmonatigen Zivildiensteinsatz in Ifakara in Tansania. Für das Toggenburger Tagblatt schreibt er regelmässig über seine Eindrücke und Erlebnisse.

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Mirco Keller aus Wattwil leistet einen sechsmonatigen Zivildiensteinsatz in Ifakara in Tansania. Für das Toggenburger Tagblatt schreibt er regelmässig über seine Eindrücke und Erlebnisse. Während einer kurzen Ferienpause vom Zivildienst war er unter anderem im nahe gelegenen Ruaha Nationalpark.

Im Ruaha Nationalpark regnet es nicht. Jedenfalls momentan nicht, denn es ist Trockenzeit.

Kürzlich ist der Nationalpark vergrössert worden und ist nun der grösste Tansanias (insgesamt über 16 000 km²), dicht gefolgt von der Serengeti. Er besitzt eine faszinierende Vielfalt an unberührten Landschaften und ungestörter Wildnis und liegt abseits von den grossen Touristenströmen. Viele Teile des Nationalparks sind für Touristen gar nicht zugänglich, aufgrund von fehlenden Zufahrtsstrassen.

Der Ruaha Nationalpark ist Teil eines ausgedehnteren Ökosystems, das mehrere andere Wildreservate umfasst.

Typisch für Zentraltansania beinhaltet der Park vor allem unwegsames, halbtrockenes Buschland mit felsigen Hügellandschaften und hohen Bergketten. Aufgrund der Lage des Nationalparks in der Übergangszone zwischen der ostafrikanischen Akazien-Savanne und dem Miombowald-Gürtel des südlichen Afrikas gibt es eine erstaunliche Vielfalt an Antilopen, sowie 450 vertretene Vogelarten.

Die Lebensader des Parks ist der Great-Ruaha Fluss mit tiefen Pools, rauschenden Stromschnellen und natürlich vielen Flusspferden und Krokodilen. Während der Regenzeit schwillt er zu einer immensen Grösse an, geht in der Trockenzeit aber auf wenige verstreute Wasserlöcher zurück.

Trockenzeit lockt Tiere an Fluss

Die einzige Regenzeit beginnt im Dezember und dauert bis etwa Mitte April. Momentan ist Trockenzeit im zentralen Hochland Tansanias. Das bedeutet, dass es von Mitte April bis Ende November im Ruaha keine Niederschläge gibt.

Die Tagestemperaturen liegen zwischen 30 bis 33, die Nachttemperaturen bei etwa 12 bis 10 Grad Celsius. Die Wasserstellen werden während der Trockenzeit immer weniger und immer kostbarer. Die Tiere gehen tagsüber an den Great Ruaha Fluss um zu trinken, und sind darum recht einfach zu sichten. Diese kostbaren Wasserlöcher locken dementsprechend viele Tiere an, wie zum Beispiel Giraffen oder Zebras, sowie Impalas, Wasserböcke und andere Antilopen, die für etwas Wasser ihr Leben riskieren.

Nicht nur die zahlreichen Löwenrudel, sondern auch Geparden und Leoparden, sowie Hyänen, Schakale und der (vom Aussterben bedrohte) Afrikanische Wildhund stellen für die Tiere eine Bedrohung dar.

Faszinierende Tierwelt

Während dem Tag (vor allem um die Mittagszeit) stehen oder liegen fast alle Tiere im Schatten und warten, bis sich die Temperaturen wieder etwas abkühlen. Man kann dann oft auch die verschiedensten Tiergattungen zusammen unter einem Baum stehend sehen.

Im Ruaha Nationalpark leben mehr als 10 000 Elefanten, was die grösste Elefantenpopulation aller ostafrikanischen Nationalparks darstellt. Die Elefantenpopulation im Ruaha hat sich stark erholt von der Elfenbein-Wilderei in den 80er-Jahren, zahlreiche Elefanten sind im ganzen Gebiet des Nationalparks zu sehen.

In den Hügellandschaften kann man heute wieder die massiven, bis zu 4000 Jahre alten Baobab- oder Affenbrotbäume sehen, versehen mit grossen Löchern im Stamm.

Diese stammen von den Elefanten, die während der Trockenzeit mit ihren Stosszähnen grosse Stücke des Baumes aufreissen, um an die wassergetränkten Fasern des Baumes zu gelangen.

Mirco Keller