Kein Kroatien-Sommercamp und abgesagte Bildungsprojekte: Das Coronajahr ist für das Kinderdorf Pestalozzi ein schwieriges

Die Coronapandemie verunmöglicht diverse Projekte der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi. Jüngst musste sie ein Sommercamp in Kroatien absagen. Wann wieder ausländische Jugendliche ins Kinderdorf in Trogen kommen dürfen, ist unklar.

Yann Lengacher
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Im Kinderdorf in Trogen befinden sich momentan keine Kinder und Jugendlichen. Frühestens Mitte August sollen Austauschprojekte wieder möglich sein.

Im Kinderdorf in Trogen befinden sich momentan keine Kinder und Jugendlichen. Frühestens Mitte August sollen Austauschprojekte wieder möglich sein.

Bild: Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

60 Kinder aus sechs verschiedenen Nationen hätten Ende Juli in ein von der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi mitorganisiertes Sommercamp nach Kroatien reisen sollen. Seit zwei Wochen steigen die Infektionen im Land an der Adria aber kontinuierlich. Das Camp wurde deswegen vor kurzem abgesagt. Lange schien eine Durchführung des Lagers möglich zu sein, hatte sich das Coronavirus in Kroatien zunächst doch nur wenig ausgebreitet.

So aber wird das Sommercamp zu einem weiteren Projekt der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi, das der Coronapandemie zum Opfer fällt: Bis Mitte Juli haben die Partner der Stiftung knapp 70 Projekte abgesagt, darunter auch interkulturelle Austausche. Im Rahmen dieser Programme treffen sich sonst südosteuropäische und Schweizer Kinder im Kinderdorf Pestalozzi mit dem Ziel, Vorurteile abzubauen. «Uns und unseren Partnerorganisationen sind die Projektabsagen nicht leicht gefallen. Ein verantwortungsvolles Handeln hatte oberste Priorität», sagt Sereina Meienhofer, Fachfrau Kommunikation der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi.

Die Schwächsten trifft es am härtesten

Auswirkungen hat die Coronapandemie auch auf die Bildungsprojekte der Trogner Stiftung in Ostafrika, Südosteuropa, Südostasien und Zentralamerika. Noch im Juni waren die Schulen in allen zwölf Ländern geschlossen, in denen die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi Bildungsprojekte leitet. «Diese Lernkrise beschneidet Millionen von Kindern und Jugendlichen in ihrem Recht auf Bildung. Diejenigen, die aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Herkunft bereits benachteiligt sind, werden die Hauptlast der Pandemie tragen», sagt Meienhofer.

In den Anfangsmonaten der Pandemie hat sich die Arbeit der Stiftung Kinderdorf in den Projektschulen darauf konzentriert, wo möglich Fernunterricht einzurichten und lokale Herausforderungen zu bewältigen. Mancherorts erforderte die Lage viel elementare Dinge: In Honduras wurde die Abgabe von Lebensmitteln nötig.

Keine Kinder, dafür Unklarheiten im Kinderdorf

Im Kinderdorf in Trogen befinden sich momentan keine Kinder und Jugendlichen. Frühestens Mitte August sollen Austauschprojekte wieder möglich sein. Ob Kinder aus Südosteuropa dann wirklich ins Kinderdorf dürfen, ist unsicher. Die Gesundheit der Kinder müsse gewährleistet sein, sagt Meienhofer. Zudem ist noch unklar, welche Projekte in welcher Form stattfinden können. Beispielsweise können Schulklassen seit dem Ausbruch der Pandemie nicht mehr für eine Radioprojektwoche nach Trogen kommen. Dafür haben die Mitarbeitenden des Kinderdorfs verschiedene Schulen mit einem «Radiomobil» besucht.

Unklar ist auch, wie sich die Pandemie auf die Finanzen der Stiftung auswirkt. Momentan sei die Solidarität der Schweizer Spender sehr hoch. Aber:

«Wir sind zu 80 Prozent spendenfinanziert. Wegen der prognostizierten wirtschaftlichen Aussichten schauen wir besorgt in die Zukunft.»

Aktuell sind einige Mitarbeitende der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi in Kurzarbeit. Sicher ist, dass Mitte und Ende Juli je ein Ferienlager im Kinderdorf Pestalozzi stattfinden kann. Beide Lager sind bereits ausgebucht. «Die Ferienlager wurden bereits Ende letzten Jahres unabhängig von Corona geplant und wir freuen uns, dass sie tatsächlich stattfinden können», sagt Sereina Meienhofer. Die Teilnehmenden werden sich an ein Schutzkonzept halten müssen. Regelmässiges Händewaschen wird neben anderen Auflagen Teil des Lageralltags sein.

Eine Fussballanlage für die Trogner Kinder

Seit vergangenem Donnerstag steht zum ersten Mal eine freizugängliche Strassenfussballanlage im Kinderdorf. Die Anlage wird bis Anfang August Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stehen. «Wir wollten für unser Sommerlager ein attraktives Rahmenprogramm aufstellen. Danach kam die Idee, die Anlage allen Interessenten zugänglich zu machen», sagt Meienhofer. Man wolle auf diese Weise Kindern und Jugendlichen eine zusätzliche Möglichkeit bieten, sich zu bewegen.

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