Kein Frustkauf im Shoppingcenter

TISCHTENNIS. Die Bütschwilerin Rahel Aschwanden gewinnt an der Tischtennis-EM in Schwechat (Österreich) mit ihrer Partnerin Rachel Moret das letzte Doppel. Im Einzel bleibt die Schweizer Meisterin ohne Sieg.

Urs Huwyler
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Rahel Aschwanden wird künftig auch wieder vermehrt in der Schweiz trainieren. (Bild: pd)

Rahel Aschwanden wird künftig auch wieder vermehrt in der Schweiz trainieren. (Bild: pd)

Rahel Aschwanden freute sich seit Monaten auf die Heim-EM. Seit mehr als einem Jahr lebt die am 21. Oktober zwanzig Jahre alt werdende Psychologie-Studentin in Schwechat, trainiert unter professionellen Bedingungen an der Werner Schlager Tischtennis-Academy und bestreitet in Deutschland mit Weil am Rhein (erfolgreich) die Regionalliga-Meisterschaft. Nach dem Gewinn des nationalen Meistertitels sollten die europäischen Titelkämpfe in der gewohnten Umgebung zu einer weiteren Standortbestimmung werden.

Änderung des Modus

Mit dem Team wurde die Zielsetzung von Swiss Table Tennis, Aufstieg in die 2. Division, theoretisch verpasst, praktisch steigen die Schweizerinnen trotzdem auf. «Ab nächster Saison wird der Modus geändert», erzählt Rahel Aschwanden. «Die Nationen auf den Positionen 1 bis 16 bilden die Division 1. Jene auf den Rängen 17 bis 32 die Division 2.» Die Schweizer erspielten sich mit zwei Siegen Platz 27. «Während des Turniers wusste niemand genau, was 2014 sein würde. Nun wirken sich beide Niederlagen nicht aus.» Ein positives Erlebnis nimmt sie aus der EM im Doppel mit: An der Seite von Rachel Moret wurden die Türkinnen in drei Sätzen bezwungen und auf den letzten Gruppenplatz verwiesen.

Probleme mit Tischtennisarm

Im Einzel unterlag die Toggenburgerin (Ranking: 490) der höher klassierten Russin Maria Dolgikh (198) und Iulia Necula (225) aus Rumänien 0:3, jedoch auch der tiefer eingestuften Engländerin Hannah Hicks (556) 1:3. «Die Niederlage gegen Hicks hat mich geärgert», gibt Rahel Aschwanden unumwunden zu. «Gegen die andern beiden Gegnerinnen habe ich zwar gut gespielt, aber sie lagen ausser Reichweite.» Ein Tischtennisarm wirkte sich speziell im Duell mit Hicks erschwerend aus. «Weil es sich bei ihr um eine Defensivspielerin handelt, musste ich konstant Druck und die Punkte selbst machen. Dies war wegen der Armprobleme noch schwieriger.» Und schmerzhaft.

Deshalb schaltet die Elite-Kader-Spielerin nun in Wien eine dreitägige Pause ein und findet auch mal Zeit für den Besuch in einem Shoppingcenter. Um Frusteinkäufe aus einer Enttäuschung heraus soll es sich nicht handeln. «Die Resultate», betont sie lachend, «sind wichtig, aber für mich persönlich geht es auch um die Art und Weise, wie ich gespielt habe. Es sind spielerisch und athletisch Fortschritte erkennbar. Dies stimmt mich zuversichtlich. Die Freude am Tischtennis habe ich jedenfalls durch die EM nicht verloren», beugt Sportlerin Rahel Aschwanden allfälligen Gerüchten vor, sie breche das Auslandabenteuer ab und kehre in die Schweiz zurück.

Nationalkadertraining

Spekulationen könnten deshalb aufkommen, weil sie wieder öfters im Raum Bütschwil, Luzern oder Zürich anzutreffen ist. «Ich habe mich entschieden, abwechselnd in der Schweiz mit dem Nationaltrainer und in Österreich zu trainieren. Es wird etwa 50 zu 50 sein.» Die Gründe für die Änderung liegen in einer weiteren Optimierung: In der Schlager Academy wird vorwiegend in Gruppen mit jeweiligen Sparringpartnern trainiert. «Dadurch», hat Rahel Aschwanden erkannt, «fehlt mir etwas die individuelle Förderung. Diese wiederum ist mit dem Nationaltrainer möglich. Also wechsle ich die Trainingsphasen ab. Ich denke, dies ist für mich der Idealfall.» Die nationalen Blöcke finden vorwiegend im Raum im Luzern statt.

Wettkampfmässig geht es für Rahel Aschwanden am kommenden Wochenende mit Weil am Rhein in der Meisterschaft weiter. Bis dann sollte auch die Armverletzung so weit ausgeheilt sein, dass sie gegen Defensivkünstlerinnen wieder voll smashen kann. Vielleicht hat sie im Shoppingcenter inzwischen auch eine spezielle Salbe gefunden.

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