Kein Brot und keine Braut

Ich schätze meine Bäckerei an einer Ausfallstrasse Herisaus. Die Bedienung ist freundlich, das Brot fein. Und – es sei auch nicht verschwiegen – sicher nicht nachteilig für das Geschäft ist die Möglichkeit für die Kundschaft, direkt vor dem Laden zu parkieren.

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Ich schätze meine Bäckerei an einer Ausfallstrasse Herisaus. Die Bedienung ist freundlich, das Brot fein. Und – es sei auch nicht verschwiegen – sicher nicht nachteilig für das Geschäft ist die Möglichkeit für die Kundschaft, direkt vor dem Laden zu parkieren. Vorgestern Samstag, kurz nach dem Mittag, blinkt gleichzeitig mit mir von der Gegenseite ein weiterer Wagen Richtung Bäckerei-Vorplatz. Wir parkieren beide, wobei der andere einen respektablen Teil des Trottoirs braucht.

Es ist nicht der Nachbar von nebenan mit dem Wunsch auf ein dunkles Halbpfünderli, nicht ein Geschäftsmann auf der Durchreise mit der Idee auf ein Sandwich, nicht ein Tourist mit der Absicht, einen Nussgipfel zu kaufen. Es handelt sich nicht um einen Kleinwagen oder ein Familienfahrzeug, sondern um eine Stretchlimousine mit getönten Scheiben, gefühlte fünfmal so gross wie mein Auto. Der Fahrer schaltet die Warnblinker ein und steigt aus.

Er will, von der Scheitel bis zur Schuhsohle gestylt, kein Brot kaufen, sondern sucht (wie es sich aus dem Gespräch im Laden ergibt) eine Braut. Ob denn das nicht die und die Adresse sei. Doch, Strasse und Nummer würden zu diesem Haus passen, antwortet die Ladeninhaberin. «Und meine Tochter heiratet, aber erst im Mai.» Von einer Limousine, die an diese Adresse bestellt wurde, wisse sie nichts. Der Mann im Anzug kommt ins Grübeln, während ich meinen Kauf abschliesse. Als ich aus dem Laden trete, sitzt der Fahrer in der Limousine und hält das Handy ans Ohr.

Er redet, gestikuliert, nickt. Er wagt sich an ein Wendemanöver mit seinem XXXXXL-Schlitten: Der Verkehrsfluss wird in beide Richtungen vorübergehend gestoppt. Der Chauffeur bringt den Wagen glücklich in die Fahrspur und beschleunigt.

Hoffentlich haben sich Stretchlimousine und Braut noch gefunden. Vielleicht fährt der galante Herr bald nochmals bei der Bäckerei vor und kauft für sich oder die Braut ein paar Cremeschnitten. Die waren am Samstag für ihn kein Thema, sind aber fein.

Lukas Pfiffner

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