Keba Spielwaren in jüngere Hände

WATTWIL. 50 Jahre lang hat Ernst Kengelbacher in Wattwil Spielwaren verkauft. Zunächst bei Hobby Weber, seit 1988 im eigenen Geschäft Keba. Das Spielwarengeschäft im ehemaligen Postgebäude bleibt erhalten – als Filiale des Flawiler Spielwarengeschäfts von Urs Heiz.

Hansruedi Kugler
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Mitten im Sortiment der Keba Spielwaren: Der neue Inhaber Urs Heiz, die künftige Filialleiterin Suzana Kurti und Ernst Kengelbacher (von links). (Bild: Hansruedi Kugler)

Mitten im Sortiment der Keba Spielwaren: Der neue Inhaber Urs Heiz, die künftige Filialleiterin Suzana Kurti und Ernst Kengelbacher (von links). (Bild: Hansruedi Kugler)

Für die Kunden der Keba wird sich ab Mitte März wenig ändern. Ein breites Sortiment an Spielwaren wird dann in den Regalen stehen, und die vertrauten Gesichter der Beraterinnen und Verkäuferinnen sind ebenfalls weiterhin anzutreffen. Vorher aber werden die Regale im Ausverkaufsverfahren mit steigenden Rabatten geleert. Zehn Tage hat sich Urs Heiz Zeit gegeben, um den Laden «aufzufrischen»: Neuer Boden, die Decke wird neu gemalt, einige Regale werden ersetzt. Dann kommt neue Ware, die allerdings das gewohnte Spektrum an Spielwaren abdeckt: von Lego über Gesellschaftsspiele bis hin zu Kleinkinderspielen und Outdoor-Spielen. Ein Gesicht wird dann aber fehlen: Der Namensgeber des Keba-Geschäfts Ernst Kengelbacher wird nicht mehr hinter der Theke mit den Modelleisenbahnen stehen.

Lebenslanger Eisenbahnvirus

Denn einerseits hat er das offizielle AHV-Alter schon vor zwei Jahren überschritten, anderseits wird es in der neuen Keba keine Abteilung mit Modelleisenbahnen mehr geben: Dieser Markt ist zusammengebrochen. Ernst Kengelbacher sieht das nüchtern, auch wenn damit seine Jahrzehnte dauernde Leidenschaft zumindest beruflich an ein Ende kommt. Sein Engagement in der von ihm mitbegründeten Erlebniswelt Toggenburg, mit der in Europa grössten Spur-0-Modellbahn, geht weiter: «Ich freue mich sehr, dass ich mich nach der Pensionierung vermehrt der Pflege der Ausstellungen widmen kann.»

Begonnen hat seine Leidenschaft schon früh. Als Siebenjähriger wurde er mit dem Eisenbahnvirus infiziert. Damals bekam er von seiner Mutter ein Märklin-Grundset geschenkt: ein Schienenkreis mit Loki und drei Wagen und ein Transformator. In den Folgejahren gab Ernst Kengelbacher alles Sackgeld für den Ausbau seiner Anlage aus. Im Ricken, wo er aufwuchs, sammelte er Hüslischnecken, die er an einen Zürcher verkaufte, der die lebenden Schnecken dann weiterverkaufte. 1964 schliesslich begann er die Lehre im Hobby Weber an der Rickenstrasse. Im Lädeli gab's Spielwaren, Haushaltartikel, Papeterie, Mercerie. Nach einem Jahr kam der Umzug an die Bahnhofstrasse, wo Ernst Kengelbacher schon im zweiten Lehrjahr den Laden alleine führte. Auf 40 Quadratmetern gab's dort Eisenbahn, Lego und Fischereiartikel.

Idealer Standort

Der Laden wuchs, mit ihm wurde das Sortiment erweitert, und 1988 machte sich Ernst Kengelbacher selbständig: Mit einem Vertrag, der auf einem Service-Notizblöckli Platz hatte, regelte er mit dem Hobby-Weber-Chef die Übernahme sämtlichen Inventars. Mit der Keba startete Kengelbacher am Dorfplatz seine Selbständigkeit mit zwei Teilzeitangestellten und einem Lehrling. Er wurde Fachlehrer für Spielwaren und Prüfungsexperte. Insgesamt hat er 35 Lehrlinge ausgebildet. Im Jahr 1996 nutzte Ernst Kengelbacher die Gunst der Stunde. Im ehemaligen, nun denkmalgeschützten Postgebäude wurde Ladenfläche frei. Das Gebäude gehört seit der Aufteilung der PTT der Swisscom. Mit dem Umzug an die Poststrasse konnte er bei gleicher Miete seine Ausstellungsfläche wesentlich vergrössern: «Hier habe ich einen idealen Standort», sagt Kengelbacher. Eigene Parkplätze vor dem Haus, blaue Zone nebenan, grosszügige Präsentation der Spielwaren.

Mehr Outdoor-Spielsachen

Zwar ist Ernst Kengelbachers Sohn ebenfalls in der Spielwarenbranche tätig, allerdings ist dieser nach einer steilen Karriere, unter anderem als Geschäftsführer der Franz Carl Weber Zürich, nun Manager beim Spielwarenkonzern Ludendo und an einer Übernahme des Wattwiler Geschäfts nicht interessiert. Die Nachfolge durch den Flawiler Spielwarenverkäufer Urs Heiz scheint deshalb eine ideale Lösung zu sein. Der 44jährige Heiz führt an der Bahnhofstrasse Flawil in der fünften Generation ein Geschäft, das 1877 als Eisenwarenladen begann, das Sortiment später mit Haushaltartikeln und Spielwaren ergänzte. Seit 2006 führt er auf 800 Quadratmetern den Laden als reines Spielwarengeschäft mit einer Kleinkinderabteilung. Er werde die Keba mit gleichem Namen und mit demselben Personal weiterführen, versichert er. Das Einzugsgebiet der Keba geht bis Rapperswil, die Lage in Wattwil sei gut, Zukunftsangst habe er deshalb keine, sagt Urs Heiz. In Wattwil werde er selbst mindestens einen Tag in der Woche anwesend sein. In Flawil werde er das Personal noch um eine Verkäuferin aufstocken. Ausbauen werde er das Sortiment im Bereich Outdoor-Spielsachen und im Kleinkinderbereich.

Die Keba an der Poststrasse Wattwil.

Die Keba an der Poststrasse Wattwil.