Kaum noch Luft bei Schulkosten

Der Regierungsrat will die Volksschulbeiträge kürzen und die Gemeinden zur Überprüfung ihrer Kosten animieren. Auch Waldstatt und Schwellbrunn haben dies getan – die Schulpräsidenten sehen ihren Handlungsspielraum begrenzt.

Michael Genova
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Durch die Einführung des altersdurchmischten Lernens werden Gemeinden wie Schwellbrunn und Waldstatt die Personalkosten reduzieren. (Bild: Urs Bucher)

Durch die Einführung des altersdurchmischten Lernens werden Gemeinden wie Schwellbrunn und Waldstatt die Personalkosten reduzieren. (Bild: Urs Bucher)

AUSSERRHODEN. Eigentlich handle es sich um eine Bildungsvorlage, kommentierte Kantonsrätin Judith Egger (SP, Speicher) in der vergangenen Kantonsratsdebatte die geplante Reduktion der Volksschulbeiträge. Bildungsdirektor Rolf Degen hingegen sprach von einer Finanzdebatte und bezeichnete die Beiträge als Ausgleichsgrösse, die man aus Spargründen reduziere. Doch in ihrem Bericht an den Kantonsrat nennt die Regierung auch ein zweites Ziel: «Es geht nicht nur um eine Kostenverlagerung, sondern um einen Anstoss, den Aufwand für die Volksschulen zu überprüfen.»

Vorgaben der Regierung erfüllt

Einige Gemeinden haben in den vergangenen zwei Jahren bereits intensiv daran gearbeitet, ihre Kosten im Schulbereich zu reduzieren – darunter auch Waldstatt und Schwellbrunn. Sie werden demnächst das sogenannte altersdurchmischte Lernen (ADL) einführen und dadurch die Zahl der benötigten Lehrerstellen senken. Die zuständigen Gemeinderäte haben wenig Verständnis, dass die Schule durch die geplante Beitragskürzung noch stärker unter Druck kommen könnte. «Wir erfüllen die Vorgaben der Regierung und müssen nun nochmals Abstriche machen», sagt Ueli Frischknecht, Schulpräsident von Schwellbrunn. Frischknecht bezieht sich auf eine Kennzahl, die der Kanton als Richtlinie herausgegeben hatte: Zwischen 7,5 und 9,5 Stellenprozente pro Schüler soll der maximale Personalaufwand betragen. Mit Beginn des neuen Schuljahrs wird Schwellbrunn durch die Einführung von ADL diese Vorgabe erfüllen, in Waldstatt wird es im Schuljahr 2016/17 so weit sein.

Schulen sind ein Standortvorteil

Im Jahr 2010 schlug der Regierungsrat eine Fusion der Oberstufen vor und warb für eine Kantonalisierung der Trägerschaft. Waldstatt und Schwellbrunn prüften einen Zusammenschluss ihrer Oberstufen und sahen kaum Kostenvorteile. «Die Ersparnis bei einer Fusion wäre minim», sagt Waldstatts Schulpräsident Hansruedi Keller. Einer möglichen Ersparnis stünden zusätzliche Ausgaben gegenüber. So müsste Schwellbrunn einen Schulbusbetrieb einrichten und wäre gesetzlich verpflichtet, einen Unkostenbeitrag für das auswärtige Mittagessen zu entrichten, sagt Ueli Frischknecht. Auch eine Umnutzung der bestehenden Schulhäuser wäre schwierig. Beide Schulpräsidenten schätzen den Standortvorteil einer eigenen Oberstufe hoch ein. «Für Neuzuzüger ist es ausschlaggebend, dass ihre Kinder die gesamte Schulzeit an einem Ort verbringen können», sagt Frischknecht. Viele Eltern wollten heutzutage ihren Kindern keinen langen Schulweg mehr zumuten.

Sparpotenzial ist begrenzt

Stimmt der Kantonsrat einer Kürzung der Volksschulbeiträge zu, müssen vor allem finanzschwache Gemeinde nach weiteren Sparmöglichkeiten suchen. Doch das könnte schwierig werden. «Wirklich sparen können wir nur bei den Pensen der Lehrer – was einen Qualitätsabbau bedeutet – und auch dort gibt es Mindestvorgaben des Kantons», sagt Hansruedi Keller. Blieben noch die Nebenkosten, wo das Sparpotenzial jedoch deutlich tiefer liege. Ähnlich klingt es bei Ueli Frischknecht: «Wir haben einen eng begrenzten Handlungsspielraum.» Über 96 Prozent von Schwellbrunns Schulausgaben seien gebunden, und davon beruhten wiederum 90 Prozent auf gesetzlichen Vorgaben, sagt Frischknecht. Lediglich die Kosten für den Schulbetrieb könne er frei beeinflussen. Darunter fallen Ausgaben für Lehrmittel, Weiterbildung oder Schulreisen. Frischknecht warnt davor, diesen Bereich zu stark zu reduzieren. Verschlechterten sich diese Rahmenbedingungen, könnten gute Lehrkräfte abwandern – ein Qualitätsverlust wäre die Konsequenz. Vielen Gemeinden verbleiben deshalb nur zwei Alternativen: Sie können die Steuern erhöhen oder die wegfallenden Beiträge in anderen Ressorts kompensieren.

Ueli Frischknecht Schulpräsident Gemeinde Schwellbrunn (Bild: bei)

Ueli Frischknecht Schulpräsident Gemeinde Schwellbrunn (Bild: bei)

Hansruedi Keller Schulpräsident Gemeinde Waldstatt (Bild: pd)

Hansruedi Keller Schulpräsident Gemeinde Waldstatt (Bild: pd)

Hansruedi Keller Schulpräsident Gemeinde Waldstatt (Bild: pd)

Hansruedi Keller Schulpräsident Gemeinde Waldstatt (Bild: pd)

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