«Kaum ein Sprinter-Sieg»

Mit dem Velo hat Reto Schoch in gut acht Tagen Amerika durchquert. Er nennt die Schlüsselstellen der Tour-de-Suisse-Ankunft in Heiden.

Bruno Eisenhut
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Druck (Bild: BRUNO EISENHUT)

Druck (Bild: BRUNO EISENHUT)

VORDERLAND. Wenn die Fahrer Speicher passieren und die Schlaufe rund um das gesamte Vorderland in Angriff nehmen, haben sie gut 170 Kilometer in den Beinen. Zuvor sind sie schon im Hinterland mit dem Kanton Appenzell Ausserrhoden in Kontakt gekommen. Nach Überquerung der Wasserfluh sind sie via Schönengrund, Waldstatt und Herisau nach St. Gallen gefahren. 30 Kilometer stehen den Sportlern bei der Durchfahrt in Speicher bis zur Zielankunft noch bevor. Dass zu diesem Zeitpunkt schon eine Vorentscheidung bezüglich des Tagessieges gefallen ist, bezweifelt Reto Schoch. «Gut möglich, dass hier eine Gruppe mit einigen Minuten Vorsprung vor dem Feld fährt, einen Angriff eines einzelnen Fahrers erwarte ich aber nicht.»

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Sei es Spitzengruppe oder das gesamte Feld, durch die engen Passagen in Trogen ist für die Fahrer Vorsicht angesagt. Nach der Abfahrt hinunter erfolgt der Aufstieg nach Wald. «Einen ernsthaften Angriff erwarte ich in dieser Steigung nicht. Bis zum Ziel ist es noch zu weit, ein alleiniges Durchkommen wäre kaum möglich», so Reto Schoch. Vorstellen kann sich der Sieger des Race Across America 2012 im Aufstieg nach Wald aber, dass sich einige Fahrer erstmals mit Kurzangriffen zeigen werden. In Wald wird immerhin eine der drei Bergpreiswertungen des Tages vergeben.

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Nach der Durchfahrt durch Wald rollen die Fahrer Richtung Kaien und dann nach Oberegg. «Über dieses Teilstück werden die Fahrer förmlich hinwegfliegen», erwartet Reto Schoch das Renngeschehen. Mehrheitlich leicht abfallende Strassen (zwischen Kaien und Oberegg) unterstreichen Schochs Prognose. In gleichem Stil geht es weiter Richtung Schachen bei Reute und dann über die Kellenbergstrasse nach Büriswilen. Von der Aussicht hinunter in das Rheintal werden die Fahrer wenig mitbekommen. Der Fachmann: «Enge Strassen und Kurven erfordern von den Fahrern höchste Konzentration.»

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Für einen Angriff eines einzelnen Fahrers erachtet es Ausdauersportler Reto Schoch auch im Bereich Büriswilen/Walzenhausen noch zu früh. «An diesem Ort wird das Tempo sehr hoch sein, wegfahren dürfte deshalb äusserst schwer sein.» Die Strassen in Walzenhausen werden von zahlreichen Zuschauern gesäumt sein. Dem Gaiser Michael Albasini dürfte die Unterstützung gewiss sein. Bei Bekanntwerden des Etappenplans bestätigte er gegenüber der Appenzeller Zeitung, dass das Profil der Etappe seinen Stärken entspreche.

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«Hier wird es langsam aber sicher zur Sache gehen», prognostiziert Reto Schoch im kurzen Aufstieg hinauf nach Wolfhalden. An dieser Stelle dürften die Zuschauer einen spannenden Einblick in das Geschehen erhalten. Bis zum Ziel sind es noch knapp drei Kilometer. Rund 2300 Höhenmeter haben die Fahrer bis zu diesem Zeitpunkt im Teilstück Sarnen – Heiden überwunden. «Die fehlenden Höhen- und Weitenmeter bis nach Heiden werden in hohem Tempo bewältigt werden.» Vielleicht wagt hier ein Fahrer aus einer Spitzengruppe oder dem Feld einen ernsthaften Angriff. Ohne Temporeduktion werden sich die Fahrer – mit dem Etappenziel vor Augen – durch Wolfhalden hindurch Richtung Heiden kämpfen. «Spätestens nach dem Abzweiger zum Heidler Bahnhof müssen alle Karten auf den Tisch gelegt werden.» Dieser Aufstieg sei zwar kurz, aber äusserst hart, analysiert Schoch die letzten Meter hinauf zum Bahnhof und von dort zum Ziel beim Kirchplatz. «Einen Zufallssieger wird es kaum geben, und wahrscheinlich wird es auch nicht einer der Sprinter sein, der diese Etappe gewinnt.»

Extremsportler Reto Schoch hat die letzten 30 Kilometer der Etappe mit dem Redaktor der Appenzeller Zeitung abgefahren. Er betont, dass er seine sportlichen Erfolge als Einzelsportler erzielt habe. Er sehe sich nicht als absoluter Fachmann für Radrennen. Seit seinem Rücktritt ist er Geschäftsleiter der Jan Schoch Immobilien AG.

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