Kaum Diebe im Spital Herisau

HERISAU. Nach dem Tresor-Diebstahl im Kantonalen Spital Herisau drängt sich die Frage nach der allgemeinen Sicherheit der Patienten auf. Der Anteil an kriminellen Handlungen ist im ausserrhodischen Hauptort jedoch klein.

Alexa Scherrer
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In der Nacht auf Sonntag, 17. März, waren Unbekannte in das Kantonale Spital in Herisau eingedrungen und haben aus dem Kioskbereich einen Tresor samt Inhalt erbeutet. Wie die Ausserrhoder Kantonspolizei mitteilte, hätte sich die Täterschaft über den Innenhof her über die Küche und die Kantine gewaltsam Zutritt verschafft und den mittelgrossen Tresor mit Bargeld und Gutscheinen im Wert von rund 1500 Franken gestohlen.

Was finanziell gesehen ein überschaubarer Verlust ist – obwohl der Einbruch laut Hanspeter Saxer, Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden, zusätzlich für einen Sachschaden von mehreren tausend Franken sorgte – wirft Fragen nach der sonstigen Sicherheit in Spitälern aus. Wie sieht es mit Wertgegenständen und Bargeld von Patienten aus? Wie leicht kann man sich als Aussenstehender Zugang zu den Medikamenten verschaffen, und wäre es im Extremfall sogar möglich, Babies unbemerkt von der Neugeborenenstation zu entführen?

«Aufwand und Geschick»

Laut Jürg Nyfeler, interimistischer Direktor des Spitalverbundes Appenzellerland, verfüge das Spital Herisau über ein Sicherheitsdispositiv, das Bestandteil der Katastrophendispositive der einzelnen Standorte im Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden sei.

Die durch den Einbruch beschädigten Türen seien sofort repariert worden, so Nyfeler. Zudem würden beim Ersatz von Aussentüren seit einigen Jahren nur noch Stahltüren mit Sicherheitsschliessung anstelle von Türen aus Aluminium eingesetzt werden. «Die Gebäudehülle ist mit einem elektronischen Zutritt gesichert, und der Haupteingang sowie die Rettungsdiensteinfahrt werden videoüberwacht», so Nyfeler.

Hanspeter Saxer von der Ausserrhoder Kantonspolizei windet dem Spital Herisau ein Kränzchen: Die Türen seien vorschriftsmässig verschlossen gewesen. «Die Täterschaft ist keinesfalls einfach hereinspaziert. Einbrüche sind auch eine Frage von Aufwand und Geschick», so Saxer. In der Nacht auf den 17. März scheint beides gross gewesen zu sein: «Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht», sagt der Polizeisprecher.

Nur elektronisch zu den Babies

Laut der Kantonspolizei gelte es, diesen Vorfall klar vom eigentlichen Spitalbetrieb abzugrenzen – habe er doch im Kioskbereich stattgefunden. Jürg Nyfeler sagt, dass im Kiosk mehrmals pro Woche kleinere Artikel wie Schoggistengeli oder Gipfeli entwendet werden, während Patientengut nur rund einmal jährlich abhanden komme. Auch bei den Medikamenten sehe es gut aus: Weder aus der Apotheke noch aus den Medikamentenschränken auf den Abteilungen werde gestohlen. «Durch den elektronisch gesicherten Zugang, der nur speziellen Personen zugeteilt ist, ist ein hoher Sicherheitsstandard gegeben. Die Lagerbestände werden zudem täglich kontrolliert», so Nyfeler.

Auch die Türe zum Säuglingszimmer kann nur vom Personal der Wöchnerinnen-Abteilung sowie den Müttern der Babies mit elektronischem Zutritt geöffnet werden. Weder das Ausgeben als Arzt, noch als Tante oder Götti führe dazu, dass einem ein Kind übergeben werde. «Für das Personal liegen klare Vorschriften vor», bestätigt Jürg Nyfeler. Krimiähnliche Szenen von vermummten Tätern, die Infusionen auswechseln oder Stecker von Beatmungsgeräten ziehen, seien ebenfalls hinfällig: Laut Nyfeler sind Patienten auf der Intensivstation vom Überwachungszimmer her jederzeit im Blickfeld des Spitalpersonals. «Die Intensivstation ist während 24 Stunden besetzt – ein unbemerktes Betreten ist nicht möglich.»

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