Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Die ewige Kronfavoritin ist bereit für ein Amt: Katrin Alder wird höchste Ausserrhoderin

Parteipräsidium, Regierungsrat oder Bundesparlament: Es gibt keine Vakanz in der FDP, bei der Katrin Alder nicht ins Spiel gebracht wird. Die 50-Jährige wird heute aber zunächst Kantonsratspräsidentin.
David Scarano
Die selbstständige Organisationsberaterin Katrin Alder in ihrem Herisauer Büro. (Bild: David Scarano (12. Juni 2019))

Die selbstständige Organisationsberaterin Katrin Alder in ihrem Herisauer Büro. (Bild: David Scarano (12. Juni 2019))

Wer in den Medienarchiven über Katrin Alder recherchiert, dem stechen zwei Eigenschaften ins Auge: ewige Kronfavoritin und begnadete Schneesportlerin. Und obwohl Schnee derzeit kein Thema ist, haben beide Aspekte im Gespräch Aktualität. Ob FDP-Parteipräsidium oder Regierungsrat: Mindestens seit 2010 gilt die Hinterländerin bei jeder wichtigen Vakanz im Kanton als aussichtsreichste Kandidatin. Derzeit wird die 50-Jährige erneut als Kronfavoritin des Freisinns gehandelt – und zwar im Kampf um den einzigen Ausserrhoder Nationalratssitz. Freilich hat sich die Parteileitung bislang nicht zu möglichen Kandidatinnen und Kandidaten geäussert. Die FDP hat ihre Nominationsversammlung auf Mitte August verschoben und damit die Spekulationen weiter befeuert.

Etwas Klarheit könnte Katrin Alder selber schaffen. Alle Fragen, ob sie nach all den Jahren Vorlauf nun endlich kandidiere, umkurvt sie aber gekonnt – wie Riesenslalomtore bei ihren erfolgreichen Parlamentarierskirennen. Sie äussere sich jetzt nicht zu diesem Thema, die Partei werde spätestens Anfang August informieren, sagt sie freundlich, aber bestimmt.

Erste Kantons- und Einwohnerratspräsidentin

Das politische Sommerrätsel um mögliche Herausforderer von David Zuberbühler (SVP) verdeckt die Tatsache, dass Alder vor einer historischen Errungenschaft steht. Das Ausserrhoder Kantonsparlament wird sie heute mit grösster Wahrscheinlichkeit zur Präsidentin wählen. Die FDP-Politikerin wäre die erste Frau, die sowohl dem Kantons- als auch dem Herisauer Einwohnerrat vorstand. Wie alle Parlamentspräsidenten spricht die Herisauerin von «einer grossen Ehre» und will ihr Amtsjahr unter das häufig verwendete Motto «Miteinander» stellen.

Den historischen Aspekt hat sie aber gar nicht wahrgenommen und nennt dies nur «eine spannende Begleiterscheinung», die sie nicht überbewerte. Denn: «Ich dränge mich nicht gerne in den Vordergrund.» Sie freue sich aber daran, was sie erreicht und aufgebaut habe. Sie war unter anderem Gründungspräsidentin der Spitex Appenzellerland, ist derzeit Vorstandsmitglied der Appenzellischen Gemeinnützigen Gesellschaft (AGG) sowie Stiftungsrätin der Steinegg Stiftung. Alder meint aber nicht nur ihr Engagement für die Allgemeinheit. Sie hat Familie und berufliche Karriere ebenfalls erfolgreich unter einen Hut gebracht. Sie ist Mutter von drei Söhnen, seit 2011 selbstständige Organisationsberaterin und Coach sowie Mitinhaberin und Verwaltungsrätin eines Bauunternehmens. Beruflich durchgestartet ist sie ab 40, «weil es mir damals unter den Nägeln brannte» wie sie sagt. Die gelernte medizinische Praxisassistentin unterbrach ihre politische Laufbahn für sechs Jahre, um sich vollständig ihren Weiterbildungen zu widmen. Sie absolvierte unter anderem diverse Zertifikatslehrgänge an Businessschulen und Universitäten.

Ihre nicht nur sportliche Ausdauer holte sie sich im Eisiegli. Dort, neben der Langlaufloipe, auf Schwellbrunner Boden an der Hauptstrasse zwischen Waldstatt und Schönegrund gelegen, ist sie als jüngstes von sechs Geschwistern in einfachen Verhältnissen auf einem Bauernhof aufgewachsen. Einfach, heisst aber nicht unglücklich. «Meine Kindheit war sehr schön, mir hat nichts gefehlt», betont sie. Sie musste als Kind lange Kindergarten- und Schulwege zu Fuss oder mit dem Velo zurücklegen – täglich bis zu zwei Stunden. «Das hat mich geprägt und meinen Biss gefördert», sagt sie.

Professionellere Ära im Parlament beginnt

Dank ihrer Tätigkeit als Organisationsentwicklerin könnte sich Kantonsratspräsidentin Alder für das Parlament als Glücksfall entpuppen. Unter ihrer Leitung beginnt eine neue Ära. Mit dem in Kraft tretenden Kantonsratsgesetz kommt es zu vielen gewichtigen Änderungen. Ziel ist ein professionellerer Parlamentsbetrieb, der Verwaltung und Regierung auf Augenhöhe begegnen kann. So nimmt unter anderem die Anzahl ständiger Kommissionen zu. Alder freut sich auf die Aufgabe. «Mich in neue Strukturen einzuarbeiten, fällt mir berufsbedingt eher leicht», sagt sie. Der Umstand, dass das Parlament auf die neue Legislaturperiode hin viel Wissen und viele prägende Köpfe verloren hat, beschäftigt sie nicht extrem. «Auch die neue Mischung im Parlament stimmt», betont sie. Für die Kommissionen etwa stünden geeignete Kandidaten bereit.

Auf Signers Spuren

Schaut man sich ihren Aufstieg aus einfachen Verhältnissen an und berücksichtigt dazu ihre Ausstrahlung, Intelligenz, das sichere, aber entgegenkommende Auftreten und die geschulte Kommunikationsfähigkeit, verwundert es nicht, dass sie regelmässig für höhere Ämter empfohlen wird. Doch wo steht Alder politisch? Die Frage, ob sie links oder rechts der Mitte agiere, will und kann sie nicht beantworten. «Die FDP ist meine politische Heimat. Sie ist so breit aufgestellt, dass es auch für mich und meine Ansichten Platz hat», sagt sie lediglich. In der Debatte um die klimapolitische Ausrichtung der FDP stellt sie sich hinter die Linie von Parteipräsidentin Petra Gössi. Einen EU-Beitritt lehnt sie ab, den vom Bundesrat eingeschlagenen Weg beim Rahmenabkommen unterstützt sie hingegen. In der Sozialpolitik plädiert sie schliesslich für einen gesunden Ausgleich zwischen Ausgaben und Einnahmen.

Dies liest sich fast wie ein Bewerbungsschreiben für die Ausserrhoder SP. Diese macht ihre Unterstützung einer freisinnigen Nationalratskandidatur bekanntlich davon abhängig, dass der FDPler sozialer und ökologischer politisieren müsse als Amtsinhaber David Zuberbühler. Zu ihren politischen Zukunftsplänen will sich Alder, wie eingangs erwähnt, nicht äussern. Es stellt sich aber die Frage, ob sie angesichts ihrer Qualifikationen im Nationalrat nicht am falschen Ort wäre. Oder anders gesagt: Wäre sie als Regierungsrätin für den Kanton nicht wertvoller? Sie sieht auch eher als «Macherin».

Passen würde dies auch, weil ihr politisches Schicksal eng mit dem von Paul Signer verbunden ist: Als dieser Gemeindepräsident von Herisau wurde und das Amt als Einwohnerratspräsident ablegte, übernahm sie. Als er Regierungsrat wurde und als Kantonsrat demissionierte, rückte sie nach. Von den derzeitigen zwei Freisinnigen Regierungsräten dürfte der 63-jährige Signer als erster zurücktreten – wer weiss, vielleicht schon mit Erreichen des Pensionsalters. Doch das sind nur weitere Spekulationen. Zunächst steht Alders Jahr als Kantonsratspräsidentin an. «Auf die vielen Begegnungen freue ich mich», sagt sie.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.