Karte für Menschen mit Handicap

Ein digitaler Stadtplan soll Menschen mit einer Behinderung die Orientierung an einem Ort erleichtern. Für das Projekt der Pro Infirmis dient Wil als Pilotgemeinde. Bis Ende Jahr soll die Karte aufgeschaltet sein.

Philipp Haag
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Stadtplanprojektleiter Markus Böni zeigt auf, dass die Rampe beim Departement Soziales, Jugend und Alter gut befahrbar ist.

Stadtplanprojektleiter Markus Böni zeigt auf, dass die Rampe beim Departement Soziales, Jugend und Alter gut befahrbar ist.

WIL. Mit Freunden ein gemütliches Abendessen einnehmen, Geld an einem Automaten abheben oder auf der Stadtverwaltung ein Dokument abgeben. Was selbstverständlich erscheint, stellt Menschen mit einem Handicap oft vor Probleme, zuweilen unüberbrückbare. Das ins Auge gefasste Restaurant ist nicht rollstuhlgängig, die Tastatur eines Geldautomaten von einem Rollstuhl aus nicht erreichbar oder der Eingang zur Verwaltung mit einer Treppe versehen. Die Konsequenz: Für Menschen mit einer Behinderung ist es oftmals schwierig, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Damit sie ein selbständiges und selbstbestimmtes Leben innerhalb der Gesellschaft führen können, dafür setzt sich Pro Infirmis ein. Dazu gehört, Hürden zu erkennen und wo möglich abzubauen.

Ein derartiges Projekt läuft gegenwärtig in Wil: Ein digitaler Zugänglichkeitsplan, quasi ein Stadtplan für alle, insbesondere für Menschen mit einer Behinderung, wie Therese Wenger, Geschäftsleiterin Pro Infirmis St. Gallen-Appenzell ausführte. Auf dem digitalen Stadtplan werden wichtige öffentliche Einrichtungen aufgeführt und ihre Zugänglichkeit dargelegt.

«Points of Interest» aufschalten

140 Liegenschaften in Wil werden erfasst wie die öffentliche Verwaltung, Schulen, Sportanlagen, der Bahnhof, die Post, Restaurants, Hotels, Arztpraxen oder Apotheken. Die Einrichtungen werden auf der Online-Karte mit Piktogrammen markiert. Über die Icons sind noch weitere Daten einsehbar. Zum Beispiel: Verfügt die Einrichtung über eine Rampe, existiert ein Lift, ist im Gebäude eine Liegenschaft untergebracht oder hat es in der Nähe einen Behindertenparkplatz.

Die «Points of Interest» und deren Daten werden über einen Computer, ein Tablet oder ein Smartphone abrufbar sein. Bis Ende Juni sollten alle Daten erhoben sein, wie Projektleiter Markus Böni, selber im Rollstuhl, sagte. Gegenwärtig sind drei Teams der Heimstätten Wil unterwegs, um die Daten der Liegenschaften zu erfassen. Aufwendig sind vor allem der Bahnhof und der noch anstehende IGP Sportpark Bergholz. Geschult worden sind die Teams von Procap, Fachberatung für hindernisfreies Wohnen. Sie geben die erhobenen Messwerte über eine App ins System ein, durch welches dem Gebäude automatisch ein Piktogramm zugeordnet wird. Aufgeschaltet sein soll der Online-Stadtplan bis im Herbst, spätestens bis Ende Jahr. Das Erfassen der Daten hat noch einen Nebeneffekt. «Die Menschen werden sensibilisiert, gar wachgerüttelt», sagte Therese Wenger. Es sei bereits zu Anfragen gekommen, ob etwas verbessert werden könne.

Seit 2013 eine Kommission

«Menschen mit einem Handicap sollen sich in Wil noch selbständiger bewegen können», sagte Stadtrat Dario Sulzer vor dem Departement für Soziales, Jugend und Alter, weshalb die Stadt das Pilotprojekt, das später auf weitere Schweizer Städte und Gemeinden ausgedehnt wird, unterstützt. Sulzer verwies auf die im Jahr 2013 eingeführte stadträtliche Kommission Gesundheit, Alter, Behinderung, welche sich mit Menschen mit Behinderung auseinandersetzt. Ziel der Kommission ist es, in mittelbarer Zukunft ein Leitbild zu erstellen.

Daniel Leutenegger und Carmen Bähler vom Team der Heimstätten Wil vermessen die Rampe beim Departement Soziales, Jugend, Alter. (Bilder: Philipp Haag)

Daniel Leutenegger und Carmen Bähler vom Team der Heimstätten Wil vermessen die Rampe beim Departement Soziales, Jugend, Alter. (Bilder: Philipp Haag)