Karikaturen
«René Gilsi war schon ein bisschen ein Zyniker» – Das Museum Heiden stellt Werke des Karikaturisten aus

Der 2002 verstorbene René Gilsi wurde durch seine Karikaturen im «Nebelspalter» bekannt. Nun stellt das Museum Heiden seine Werke aus.

Elia Fagetti
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Für Kontext gibt es im Museum Heiden Informationen zu René Gilsis Vater, Fritz Gilsi.

Für Kontext gibt es im Museum Heiden Informationen zu René Gilsis Vater, Fritz Gilsi.

Bild: Elia Fagetti

Das Museum Heiden stellt seit dem 16. Mai bis zum 22. April 2022 in einer Sonderausstellung Werke des Karikaturisten René Gilsi aus. Sein Leben war geprägt von Politik und Kunst.

Geboren am 31. Mai 1905 in St.Gallen wurde dem jungen Gilsi früh klar, was er machen wollte: Zeichnen und Malen. Es wurde ihm in die Wiege gelegt. Sein Vater war der Maler Fritz Gilsi. Nach seiner Schulzeit im Gymnasium verbrachte René Gilsi ein Jahr in Paris. Ebenfalls verbrachte er Zeit in Wien. Danach liess er sich in Zürich nieder. 1962 kehrte er nach St.Gallen zurück, wo er sich ab den frühen 1970er-Jahren als Künstler und Grafiker betätigte.

Als Gilsi beim «Nebelspalter» in den 1930er-Jahren anfing, stand er unter den Fittichen von Carl Böckli, Bö genannt, der seit 1927 das Satiremagazin leitete. Bö war mit dem Vater von René, Fritz Gilsi, befreundet. Wo bei den Werken von Bö der Zweite Weltkrieg und die damit einhergehenden Ideologien bestimmende Themen waren, so war es bei Gilsi, als Bö 1962 in den Ruhestand ging, etwas anderes.

Die Natur war ihm wichtig

Sein Fokus lag vermehrt auf Themen wie Umweltverschmutzung. Gerade nach der Katastrophe von Tschernobyl wurde zudem die Atomkraft zum Thema. Doch nicht nur Energiepolitik interessierte ihn. Als das Rennen zum Mond zwischen den USA und der Sowjetunion stattfand, kritisierte er die Geldverschwendung der Staaten. Nach dem Motto: Wir können zum Mond fliegen, schaffen es aber nicht, die hungernden Menschen auf unserem Planeten zu ernähren. Unter anderem wurde auch die Massentierhaltung von Gilsi kritisiert.

Zum Teil sieht man unter den Zeichnungen Anweisungen für den Druck und auch Erklärungen zum karikierten Sachverhalt. Hier sieht man das Werk «Beklemmender Traum eines Pioniers der Intensivgeflügelhaltung» von 1976.

Zum Teil sieht man unter den Zeichnungen Anweisungen für den Druck und auch Erklärungen zum karikierten Sachverhalt. Hier sieht man das Werk «Beklemmender Traum eines Pioniers der Intensivgeflügelhaltung» von 1976.

PD

In der Ausstellung sind die Originalzeichnungen von Gilsis Kreationen ausgestellt. Darauf kann man, in Bleistift geschrieben, die Anweisungen für den Druck sehen. Eine Angabe über die Grösse oder welche Farbe verwendet werden soll. So bietet die Ausstellung nicht nur einen Einblick in die historischen Themen der Karikaturen, sondern auch in den Bereich des Verlagswesens und in die Person von René Gilsi.

Heute noch relevant

Was René Gilsi zum herausragenden Karikaturisten mache, so Museumsleiter Marcel Zünd, sei seine ungefilterte Art, schwierige Themen aufzugreifen und überraschend auf den Punkt zu bringen. Er scheue sich nicht, die Dinge zu thematisieren, die andere verschwiegen. Nicht weil er grausame Dinge zeigen wollte, sondern weil die Werke zum kritischen Nachdenken anregen sollten.

Während des Rennens auf den Mond führte das amerikanische Militär Krieg in Vietnam und in Laos herrschte Pol Pot. Niemand schien sich um die Leichen im Mekong zu kümmern, so die Kritik Gilsis. «Sie treiben den Mekong hinab» (1971). Das Bild könnte heute als Sinnbild der Flüchtlingskrise im Mittelmeer gelesen werden.

Während des Rennens auf den Mond führte das amerikanische Militär Krieg in Vietnam und in Laos herrschte Pol Pot. Niemand schien sich um die Leichen im Mekong zu kümmern, so die Kritik Gilsis. «Sie treiben den Mekong hinab» (1971). Das Bild könnte heute als Sinnbild der Flüchtlingskrise im Mittelmeer gelesen werden.

PD

Doch nicht nur gegen die internationale Politik seiner Zeit schiesst Gilsi. Auch für den Schweizer Staat hatte er einige Kritik übrig. In einem Bild stellt er ein «Schwyzerhüsli» mit adrett aufgereihten Kühen dar, was von aussen als perfekte Idylle erscheint. Doch hinter dem als Haus getarnten Bunker fahren Panzer raus. Simpel und einfach. Zünd meint zum Künstler: «René Gilsi war schon ein bisschen ein Zyniker.»

Das Museum Heiden, welches direkt neben der Post liegt, ist jeweils von Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Wer sich durch die Welt des Karikaturisten führen lassen will, der kann am 18. Juli um 14 Uhr vorbeischauen. Es ist eine Anmeldung unter der E-Mail-Adresse info@museum-heiden.ch erforderlich.